no more loud music?!
dEUS live - Review & Galerie
Review/Bericht vom 29.11.2005 | Autor: Markus Morawietz
Tags: dEUS
Review/Bericht vom 29.11.2005 | Autor: Markus Morawietz
Tags: dEUS
Das Substage in Karlsruhe versprüht nicht nur den Charme einer Tiefgarage, es bietet bedauerlicherweise auch einen entsprechenden Klangraum. Die Herren Barman & Co aus Belgien haben dies wohl schon beim Soundcheck bemerkt und gingen folglich recht verhalten zu Werke. Erst nach drei Liedern schienen die beiden Gitarristen Tom Barman und Mauro Pawlowski zu realisieren, dass ihre Saiten nicht nur zum Stimmen an ihre Instrumente geschraubt wurden, und plötzlich wogten mindestens 100 der ca. 500 Zuschauer in den ersten Reihen. Der sprichwörtliche Funke war übergesprungen, doch er erlosch recht schnell, denn dEUS boten nicht nur eine gekonnte Auswahl rockiger und verschrobener Stücke (w.c.s, via, suds & soda, theme from turnpike, for the roses, fell off the floor,man), ihrer ersten drei Alben, immer wieder tauchten langsame Lieder ihres neusten Albums auf, welche eher zum Verweilen denn zum Tanzen einluden.
Dem Publikum war dies gleichgültig, die meisten hatten sich wohl schon bei der furios genial aufspielenden Vorgruppe „amusement parks on fire“ ausgetobt, deren schrammelnde Riffinfernos die dichten Rauchschwaden im Substage elegisch zerstückelten. Die Newcomer aus Nottingham, die sich auf ihrer Homepage als Art-Punker bezeichnen, glänzten zum einen durch Spielfreude und zum anderen durch Improvisationkünste, wie man es sonst eher von dEUS früher gewohnt war.
Doch nachdem sich das Personalkarussell bei den Belgiern in den letzten Jahren schwindlig gedreht hatte und von der ursprünglichen Stammformation lediglich Frontmann Barman und Keyboarder Klaas Janzoons verblieben sind, wurde schnell deutlich, dass dEUS im Jahre 2005 schwerlich solche musikalischen Akzente wie noch vor acht bis zehn Jahren setzen kann. Gewiss, eine Tour ist vielleicht mitunter nicht nur für die Protagonisten lang und weilig, doch erwartet man als bekennender dEUS-Fan durchaus Außergewöhnliches, und dies zu recht. Musikalisch zwar ansprechend ließen sich die Belgier zu selten zu Soundorgien und orgastischen Finals ihrer Stücke hinreißen, blieben dem Publikum die Katharsis schuldig und so mancher Song (z.B. little arithmetics) wurde dadurch seiner Quintessenz beraubt.
Es bleibt letztlich festzuhalten, dass vor allem die gekonnte Lightshow, die freundliche und schnelle Bedienung an der Theke, und allein die Tatsache, nach einigen Jahren nicht nur dEUS sondern vor allem „amusement parks on fire“ live zu erleben, diesen Abend doch nicht so bald aus meinem Gedächtnis entfleuchen lassen.
Markus Morawietz
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