method of groove
Life of Agony
Review/Bericht vom 27.11.2005 | Autor: Patrick Jung
Tags: Life of Agony
Review/Bericht vom 27.11.2005 | Autor: Patrick Jung
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Die Kultkombo der Neunziger, die wie kaum eine andere Hardcore, Metal und Grunge zu einem unnachahmlichen Crossover vermischte und mit ihrem ’93er Debüt River Runs Red einen Meilenstein des Genres veröffentlichte, hat nach Jahren der Entzweiung und Trennung wieder zusammengefunden und präsentiert ihr starkes Comeback-Album Broken Valley bei sechs Dates in Deutschland.
Den Abend im nicht übermäßig gefüllten Schlachthof eröffnen die Amerikaner Bleed the Dream. Optisch ziemlich nahe bei Good Charlotte sorgen sie in den vorderen Reihen mit ihrer Mischung aus Alternative, Hardcore, Emo und ein bisschen Doom für Furore. Es ist ihr erster Auftritt außerhalb ihres Heimatlandes, bei dem sie ihrem verstorbenen Drummer Scott gedenken. So richtig zufrieden scheinen sie mit dem Feedback der Zuschauer nicht gewesen zu sein, so ist wohl die Aufforderung „Don’t take it easy, get excited about something, enjoy LOA!“ zu verstehen.
Die Panflöten-Klänge von El Condor Pasa lassen aufhorchen, Krieger nehmen die Bühne ein. Neue Deutsche Härte ist die Ecke, in der sich der Stil der Band einordnen lässt, die sich knapp beschrieben so anhört, als wenn Lukas Hilbert den Platz am Mikrofon bei einer äußerst bekannten ostdeutschen Truppe, die sich nach einem Flugzeugunglück in der Westpfalz benannt hat, übernommen hätte. Klingt lächerlicher als es ist und hat auch mit Nu Pagadi überhaupt nichts zu tun. Aber so originell, dass solch offensichtliche Vergleiche zu vermeiden wären, sind Krieger auch nicht. Andererseits sind sie auch wieder nicht so schlecht, wie sie von einigen ungeduldigen Zuhörern gemacht werden. Mit etwas mehr Eigenständigkeit, weniger Pathos und vor allem wesentlich weniger Chorus auf dem Gesang könnten sie mit ihrer Mischung aus treibender, grooviger Härte und rotziger Punkattitüde wirklich punkten.
So langsam wird es aber Zeit für den Headliner, die „LOA, LOA“-Rufe werden immer lauter. Life of Agony lassen sich von Johnny Cash den Weg bereiten, bevor sie mit Don’t Bother selbst das Zepter ergreifen. „Move it all around“,
feuert der dauergrinsende Joey Z die Menschen vor der Bühne an. Sch*%&e, Alter, is’ das geil! Brachial stampfende Stakkatorhythmen werden durcheinandergewirbelt von verschachtelten Breaks, schnelles Geballer wechselt sich ab mit Parts, die sich bleischwer dahinziehen, gekrönt mit vor Emotionen berstenden Melodien. Der kleine Mann mit dem weißen T-Shirt, das ein Jesus-Antlitz ziert, ist der Zeremonienmeister. Auch wenn der Gesang ziemlich mies abgemischt ist, Keith Caputos Stimme packt jeden an der Gurgel und schüttelt ihn durch. Er interpretiert viele Linien frei und geht einige Male auf Tuchfühlung mit den Fans vor der Bühne. Die Reaktionen des Publikums sind teilweise merkwürdig: die Stücke vom aktuellen Album Broken Valley werden genau so abgefeiert wie die alten Klassiker, der Hit Weeds wird dagegen vergleichsweise reserviert entgegengenommen, die einleitenden Worte zu Junk Sick verpuffen ohne Widerhall.
Aber vielleicht ist das nur ein Ausdruck absoluter Verausgabung vom Mittanzen, Mitsingen, Mitmoshen, Mitgrooven, so dass es hin- und wieder einer kurzen Verschnaufpause bedarf? Die Zugabe wird ohne große Umschweife ans reguläre Set angehängt und dann macht Johnny Cash mit rauer Stimme klar, dass es schon wieder vorbei ist. Hm, na ja, ungefähr 80 Minuten sind nicht gerade üppig für eine Rückkehr nach so vielen Jahren. Klar haben sie mehr oder weniger alle Pflichtlieder und die Hälfte von Broken Valley gespielt, natürlich haben sie die authentische Bodenständigkeit und Verbundenheit mit den Fans ausgestrahlt und reichlich Picks und Sticks unter die Leute gebracht. Ohne Zweifel wurde man mit einer Vehemenz, die nur wenige Bands in dieser Art an den Tag legen, durchgerockt. Genau das wären ausreichend Gründe für das Publikum gewesen, sich ein wenig mehr anzustrengen und vehement ein Verlängerung der Spielzeit zu fordern.
Patrick Jung
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