scandale!
Stereo Total live
Review/Bericht vom 21.11.2005 | Autor: Charlotte Luther
Tags: Stereo Total
Review/Bericht vom 21.11.2005 | Autor: Charlotte Luther
Tags: Stereo Total
Irgendwie erwartet man von einem Stereo Total-Konzert viel rosa, Kitsch und Diskogeflimmer. Doch sollten diese Erwartungen am 17.11 in Wiesbaden der Vergangenheit angehören. Sehr puristisch sieht es im Schlachthof aus. Ein kleines Banner mit dem Stereo Total-Schriftzug, ein Sytheziser, zwei E-Gitarren (eine davon pink und herzförmig) und ein wirklich sehr reduziertes Drum-Set. Wenn man nicht wüsste, was Stereo Total ist, könnte man denken, man hätte es in den nächsten Minuten mit einem Alleinunterhalter zu tun.
Ohne viel Schnick-Schnack betritt das Berliner Duo die Bühne. Brezel Göring begrüßt das Publikum, unter noch etwas verhaltenem Applaus, mit den Worten: „Hallo! Wir sind Stereo Total! Wir machen Disko, Synthi-Pop, Rock, Rockabilly (….)!“ Unsere aller Lieblings-Französin Francoise Cactus, bepackt mit einer Handtasche und einem blauen und einem roten „Gesangsbuch“, bezieht in ihrem roten Mäntelchen Position. Doch bevor es richtig losgeht, müssen erst die Gesangsbücher auf einem Notenständer trappiert werden. Sobald die ersten Klänge von „Ich bin nackt“ durch den Schlachthof katapultiert werden, ist das Publikum aufgewacht und voll bei der Sache. Wer kann schon solch charmanten Textzeilen wie „dass der Nachbar meine Titten sieht, wird er überleben“ und den außergewöhnlichen Klängen schon widerstehen?! Naive, charmante und eingängige Texte werden in bekannter Manier mit typischen Berliner Elektro-Beats unterlegt. Mal so laut und kratzig, dass es in den Ohren ziept, mal chansonesk mit Französischen Savoir Vivre. Die Tanzeinlagen der Beiden sind ebenfalls nicht zu verachten. So wenig wie die Musik von Stereo Total mainstreamig ist, genau so wenig sind es ihre Körperbewegungen.
Um ihren Hit „Liebe zu dritt“ gebührend zu performen, bittet Francoise einen Fan mit auf die Bühne, der nicht nur mit ihnen singen, sondern auch den Paarungstanz vollziehen soll. Alles kein Problem für Wiesbaden. Bei Songs wie „Musique Automatique“ setzt sich das Multi-Talent Francoise hinter das Schlagwerk und beginnt wie wild zu trommeln. Die beiden Berliner putschen sich gegenseitig bis zur Extase hoch und dann – nach knapp einer Stunde soll es das schon gewesen sein?!
Jetzt, wo doch 30 Leute auf der Bühne stehen und das Duo als Tanz-Ensemle unterstützen?
Nach fünf Minuten entscheiden sich Brezel und Francoise noch einmal auf die Bühne zu treten. Doch vermissen die Zuschauer die liebevollen Ansagen eines jeden Titels von der sympathischen Französin. „Lust vergangen“ lautet das Stichwort. Zumindest bei Francoise. Weibliche Zickigkeit?! Drei Songs und ein erneutes „Merci und gute Nacht“. Also nimmt sie ihre Beine in die Hand und verlässt die Tanzfläche. Aber plötzlich, wie aus heiterem Himmel, kommt sie wieder. Doch zu früh gefreut - sie hat nur ihre Handtasche und ihre Gesangsbücher vergessen. Brezel winkt ihr hierzu nur ab und rockt noch eine Weile einfach solo weiter. Er hatte schließlich noch lange nicht genug.
Die beiden hinterlassen ein begeistertes Publikum, das aber auch etwas confused ist, da das Verhalten von Francoise sich als etwas skurril und unerwartet darstellte.
Charlotte Luther
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