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Kanye West: Late registration
CD-Review vom 30.09.2005 | Autor: Christian Petersen
Tags: Kanye West Late registration
CD-Review vom 30.09.2005 | Autor: Christian Petersen
Tags: Kanye West Late registration
Das lang ersehnte zweite Album des Kritikerlieblings und Preiseeinsammlers aus Chicago ist draußen und beantwortet die Frage, ob es sich bei Kanye West um einen Hype handelt, deutlich mit „nein“.
Eine Weiterentwicklung in Richtung „Wow“, und nicht zu „oh, interessant, aber das Erste war besser“. Kanye West schafft es mit diesem Album musikalisch ein Ausrufezeichen hinter seine bisherige Arbeit zu setzten und verteidigt seinen Anspruch auf Nähe zu Qincy Jones anstatt zu Dr. Dre oder Timbaland. Er ist mehr als ein Produzent, dessen Beats an eine bestimmte Epoche erinnern. Seine Arbeit folgt keinen aktuellen Trends, außer von ihm selbst erschaffenen. Spiritualität ist das Stichwort. Auch inhaltlich ist dies ein großes Thema, neben Frauen, Geld und einer Prise Sozialkritik. Diese kommt allerdings nicht nur mit leeren Standardzeilen daher, ist nicht der politisch korrekte Pflicht-Song auf dem Album, in denen alles schlechte, das einem Schulkind einfällt, zusammengefasst wird. Kanye West verpackt solche Inhalte subtiler, durchdachter und ehrlicher. Zwar nicht auf dem Niveau eines Mos Def oder Talib Kweli, jedoch nah dran. Dies liegt natürlich auch an seiner Herkunft, er ist kein Gangsta-Rapper sondern ein „gutbürgerlicher“ MC aus Chicago: Ordentliche Ausbildung, gute Manieren und Sinn für Werte. Das kommt gut an in den USA, zumal seine bislang erfolgreichste Single „Jesus walkes“ betitelt ist.
Für „late registration“ hat er sich wieder eine Menge hochkarätige Gäste ins Boot geholt: Nas, Jay-Z, Cam’ron, Adam Levine von Maroon 5, Jamie Foxx oder natürlich sein prominentes Signing auf seinem eigenen Label Common. Einige der Songs, gerade der mit Adam Levine, tendieren stark zu Pop, kriegen aber durch Qualität und Originalität die Kurve. Die Liebe zu Soul und Gospel klingt jederzeit durch. Auf „Golddigger“ mit Jamie Foxx wird nochmals Ray Charles gehuldigt., mit Brandy und einem Orchester wurde der grandiose R’n’B-Track „bring me down“ eingespielt, mit the Game wird auf „Crack Music“ ein bisschen Geschichte durchgenommen und über „we major“ feat Nas muss man nicht viel sagen. „Vielschichtigkeit“ ist in diesem Falle ein Ausdruck des Leistungsspektrums des Herrn West und weist nicht auf Orientierungslosigkeit hin. Die Ausflüge in die verschiedenen Bereiche der Black Music wirken stets perfekt und auf höchstem Niveau. Es verwundert auch nicht, dass er, mal abgesehen von den Kritikern, auch von den Backpacker über die Clubber und sogar von herkömmlichen Rockfan anerkannt wird.
Ein perfektes Album, was auch das Artwork einschließt. Keine Selbstverständlichkeit, was vor allem für Veröffentlichungen aus dem Hause Roc-A-Fella gilt. Fazit: Musikalisch schlicht herausragend, genial und Pflichtkauf. Classic!
Christian Petersen
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