warum bin ich so vergesslich?
Main Concept in Weinheim / Pharcyde in Durmersheim
Review/Bericht vom 21.09.2005 | Autor: Andreas Margara
Tags: The Pharcyde Main Concept Omni 88:Komaflash VierzuEins
Review/Bericht vom 21.09.2005 | Autor: Andreas Margara
Tags: The Pharcyde Main Concept Omni 88:Komaflash VierzuEins
Mit Main Concept, 4zu1, Nico Suave, The Pharcyde und den K*Rings Brüdern war an diesem Wochenende so einiges Beat- und Reimtechnisches in der Gegend geboten. Grund genug um mal dem Lamm-Club in Durmersheim und dem guten alten Cafe Central in Weinheim einen Besuch abzustatten.
In einem für Untergrund-Rap verhältnismäßig gut gefülltem Cafe Central Weinheim waren Main Concept der Startschuss für ein HipHop-ereignisreiches Wochenende. Los gings bei noch luftiger Atmosphäre mit den Vorgruppen 4zu1 und 88:Komaflash, die gekonnt ihr Programm abspielten. Für Erstaunen sorgte dann allerdings das angekündigte Theaterstück „Real Heads Clan“. Das Stück erzählt in fünf Akten die Geschichte von ein paar Jungs, die sich eben zu der Formation Real Heads Clan zusammenschließt und dann die Höhen und Tiefen des RapBiz durchlebt. Das Ganze wird mit verschiedenen Diaprojektionen hintermalt und beruht komplett auf gerappter Reimbasis. Als David Pe und 4 zu 1 bereits im 3. Akt nur noch innhaltslose Phrasen, dafür mit Durag, Bandana und jeder Menge Bling Bling geschmückt eine HipHop Choreografie zum Playback auf Ami-Bootlegs performen, wird die Intention des Theaterstücks, nämlich die aktuell bestehenden Gangsterimage HipHop-Szene kritisch zu parodieren schnell verdeutlicht.Nachdem der Real Heads Clan dann genug geflext und sich dank dem A&R komplett zerstritten hatte, gab es dann um des Equilibriums Willen den Auftritt von Main Concept.
Das Konzept wie gehabt, David 58 Pe am Mic, DJ Explizit bedient die 1,2’s und Glammerlicious zeigt Feingefühl an den Reglern. Neben Tracks vom neuen Album ließen es sich die Münchner Goetheplatz Rockerz nicht nehmen das Publikum mit den Klassikern Gedankenflashflowsnacks und Sounds fürs Auditorium zu verwöhnen. Das ganze garniert mit Expli’s Cuts und Scratches, ein Traum für jeden realen Head. Das David Pe jetzt nicht nur Arzt ist, sondern auch weiterhin Deutschlands bester Freestyler, stellte er natürlich zum zigsten Male unter Beweis, indem er den Auftritt gekonnt mit einer Freestyle Session abrundete.
Samstags wagten wir dann mal eine Reise ins etwas entfernter gelegene Lamm nach Durmersheim bei Rastatt. Nachdem Fächerstadt-Beats ( www.faecherstadtbeats.de) bereits US-Größen wie Masta Ace, Last Emperor und Jedi Mind Tricks ins Lamm holen konnten, standen diesmal Nico Suave und The Pharcyde auf dem Programm.
Als Vorgruppe im neuen Music-Club, der früher ausschließlich als Gaststätte diente, starteten die K*Rings Brothers die Show. Die Crowd fühlte sich aber erst von den beiden Female Emcees FeeBee und Lil’Bee von Whatchamacallit (zu Deutsch ungefähr "Wie's deine Mutter bezeichnet") aus Rastatt richtig mitgerissen und zeigte fortan mehr Präsenz vor der Bühne. Mit unnachahmigem Flow auf Englisch und big-bitchigem Auftreten sorgten die zwei Damen für Begeisterungsströme, die aber auch nach einer Weile in Monotonie übergingen. Trotzdem ergänzen sich Whatchamacallit gut auf die meist gesampleten Beats und wirbeln den von Männern dominierten Sprechgesang gehörig auf.Als nächstes übernahm Rapper Omni das Mic im mittlerweile gut besuchten Lamm-Club. Der West Coast Emcee versteht es den lyrischen Einfluss der Souls of Mis’chief mit Gangsta Acts wie dem Dogg Pound zu mixen um einen völlig neuen Style zu kreieren. Nach einem Blick auf die Uhr war dann klar, dass Nico Suave wohl eher nicht mehr auftreten würde. Sofort fiel mir sein Track vergesslich ein und mit einem Schmunzeln beobachtete ich dann, wie Fatlip und SlimKidTre von The Pharcyde die Bühne betraten. Rap aus LA? Wer jetzt zwei schwer bewaffnete Straßen-Gangstah mit mehr Gold im Mund als im Bernsteinzimmer erwartet, hat weit gefehlt. Denn die smoothen Chiller aus Kalifornien liefern afrozentrische Rhymes in feinster Native-Tongue Manier. Mit Live-Schlagzeuger und Bassisten im Gepäck zeigten sie sich publikumsnah und überzeugten mit schweißtreibenden Tanzeinlagen. Auf Passin me by, Ya Mama, Runnin’ und Pack the Pipe wurde nicht verzichtet und so konnte man zum jazzy-laidbacken Sound relaxt mit dem Kopf nicken und ein im positiven Sinne anstrengendes Wochenende ausklingen lassen.
Demnächst sind übrigens Olli Banjo und Jeru da Damaja im Lamm anzutreffen.
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