everybody gonna be happy Queens of the Stone Age in Wiesbaden

Von Patrick Jung. Veröffentlicht am Donnerstag, 1. September 2005
Abonnierbare Themen: queens of the stone age

Ist die alte Platte besser als die neue? Die erste ist überhaupt die beste? Dave Grohl überhaupt der Allerbeste? Wie ist das jetzt nach dem Ausstieg/Rausschmiss von Nick Oliveri? Band oder Kollektiv? Sind Vergleiche mit Kyuss zulässig?


Willkommen beim Queens of the Stone Age-Debattierzirkel! Die wichtigste aller Fragen an diesem Abend dürfte aber gewesen sein: wie geht es Josh? Der QotSA-Mastermind hatte während der Woche einen Zusammenbruch auf der Bühne in Hamburg gehabt und für das Konzert am Vorabend in Stuttgart hatten die Ärzte ein Auftrittsverbot verhängt. Für Wiesbaden haben sie dann aber doch zur Erleichterung aller grünes Licht gegeben, so dass das Spektakel im Schlachthof planmäßig seinen Lauf nehmen konnte. Von den diagnostizierten Erschöpfungszuständen merkte man Homme nichts an. Mit aufgeknöpftem Hemd in typischer Haltung stand er erwartungsgemäß im Mittelpunkt des Geschehens. Kein nackter schreiender Bassistenderwisch neben ihm, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Statt dessen ein wie immer schnieker Troy van Leeuwan zu seiner Rechten, zu seiner Linken Natasha Shneider an den Tasten, Trommelmuskel Joey Castillo in seinem Rücken und Alain Johannes am Bass, den er auch mal Troy oder Josh in die Hand drückte.

 


Zum eigentlichen Geschehen! Sie haben nicht alle Hits gespielt. Geht ja auch gar nicht, sonst müssten sie ihr gesamtes Repertoire darbieten. Damit beantwortet sich (in my humble opinion) wiederum ein Teil der Eingangsdiskussion. Die aktuellen Queens spielen Songs aus alles Schaffensperioden wie aus einem Guss. Dabei klingen sie im Rahmen der Umstände wie auf Platte, woraus man wiederum Rückschlüsse auf den organischen Aufnahmeprozess und die produzentischen Fähigkeiten der Beteiligten ziehen kann. Denn genau genommen sind QotSA eine Liveband, die die Tonträgerversionen nicht einfach detailgetreu nachspielt, sondern den Songs stets neu in ihrer scheinbar natürlichen Form zum Erklingen verhilft. Nein, ich bin nicht auf Droge.

 

Dass bei den Singlehits noch ein bisschen mehr gejubelt, gemosht, mitgesungen und -geklatscht wird ist eigentlich Blasphemie. Denn Josh Homme und seine Mitstreiter haben keinen einzigen Song ohne zuckersüße Melodie, die sich blitzschnell im Ohr verhakt, Momente, in denen man nicht tanzen, schunkeln oder sich im Rhythmus wiegen kann, fehlen komplett, und ob laut oder leise gespielt, opulent oder sparsam instrumentiert, Heavyness ist immer da. Da fällt mir ein, dass ich keine Unterschiede im Euphorielevel der Zuhörer bei „Everybody knows that you’re insane“ gegenüber „Regular John“, „Feel Good Hit of the Summer“ oder „The Sky is falling“ ausmachen konnte. Ja, welche Platte ist denn nun...?!

 

Und wie sieht es aus mit dem Vergleich Dave Grohl/Joey Castillo? Mal ehrlich, der Foo Fighters-Frontmann ist ein veritabler Superstar, war an den Aufnahmen zur derjenigen Queens of the Stone Age-Platte beteiligt, die die meiste Aufmerksamkeit bis dato erlangte, und hat sie mit seinem charakteristischen Spielstil geprägt. „Der Neue“ ist ein erfahrener und nicht unerfolgreicher Musiker, der bisher nicht ganz so im Rampenlicht stand. Josh Homme hat ihn sicher nicht nur eingeladen, weil er seine Tatoos dufte findet. Er interpretiert manche Passage anders als Grohl, dessen Versionen die letzten drei Jahre ständig in Musikfernsehen und Radio oder in den Sets der Alternative-DJs auf uns einprasseln. Castillo hat bis auf einige Ausnahmen alle Gigs der „Songs for the Deaf“-Tour absolviert, da hat sich auch keiner beschwert, und anscheinend findet sein Spiel auch die Zustimmung der Oberkönigin. Wie man diese Argumente einordnet ist Geschmackssache. Darryl Jones spielt die alten Stones-Lieder auch total anders als Bill Wyman... und wenn man Brian Johnson bei „Sin City“ mit Bon Scott vergleicht...

 

Haben wir noch was nicht zu Ende diskutiert?! Der einhellige postorgasmische Tenor im Publikum lautete übrigens: „geiles Konzert“. Und zwei Vorbands gab’s auch, die Sin City Circus Ladies und Muff Potter. Die Einen mit einer Art Marilyn Manson-Rockabilly, die Anderen mit hartem deutschsprachigem Punkrock. Kamen beide gut an, bei den zu diesem Zeitpunkt bereits in der Halle Anwesenden. Ob man an einem Abend, an dem Queens of the Stone Age erwartet werden und die Klärung immens wichtiger Streitpunkte ansteht, einen bleibenden Eindruck hinterlassen kann, ist zweifelhaft, bleibt deshalb aus Fairness-Gründen offen. Womit wir wieder eine unbeantwortete Frage hätten...

Region:

Heute in der Region

Demnächst in der Region

Tourneen und Festivals

Info?

Promoted Event