kein grund zur reklamation

Wir sind Helden in Weinheim

Review/Bericht vom 22.08.2005 | Autor: Charlotte Luther

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Die vier Berliner der Deutsch-Rock-Kombo Wir sind Helden gaben zu Abschluss der Festivalsaison noch ein Gastspiel im Weinheimer Sepp-Herberger-Stadion. Von mageren 2000 Fans bejubelt und wie eine Boyband mit Stofftieren beworfen, spielen die Helden ein schönes Spätsommer-Konzert bei nass-kaltem Wetter.


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Es ist ziemlich dunkel im Weinheimer Sepp-Herberger-Stadion. Schließlich ist es auch schon kurz vor zehn. Die Stieber Twins und die Donots haben ihr Pensum beim diesjährigen „Festival unter den Burgen“ bereits mehr oder minder erfolgreich verrichtet, es ist ziemlich nass, nieselt noch etwas nach und besonders mollig ist die vorherrschende Temperatur dementsprechend auch nicht. Dies hindert die 2000 Besucher des Festivals allerdings nicht, sich auf die Helden zu freuen. Plötzlich erhellt sich die Bühne und der Song „No more Heroes“ der Stranglers beginnt durch die Reihen zu schallen. Doch keine Helden? Kaum gedacht, schon stürmen Judith Holofernes und ihre Jungs Pola Roy (Schlagzeug), Jean-Michel Tourette (Gitarre & Keyboard) und Mark Tavassol (Bass) auf die Bühne. „Ist das so?“ wird zum erfolgreichen Opener des Abends. Frech und schnell wird das Weinheimer Publikum wieder wachgerüttelt und für sein Ausharren im kühlen Nass belohnt. Die vier Berliner starten ihr Konzert gekonnt rockig und versprühen gute Laune in die Nacht. Judith Holofernes tanzt beschwingt über das Parkett und amüsiert mit Bandgeschichten und einem freundschaftlichen Tratsch mit ihren Fans über und mit der Band. „Können wir euch ‚Ihr Lieben’ nennen?“ „Oder vielleicht ‚Hasis’?“ „Weinheim“ oder – ganz pragmatisch und sicher nicht unzutreffend - „Kunden“ wird ebenfalls diskutiert. Die geringe Besucherzahl scheint vergessen und die „Heldenzeit“ kann beginnen. Die Band unterstreicht ironisch ihren Status im deutschen Popolymp – „Hat irgendwer gesagt, es wäre Zeit für Helden? Wir kommen um die anderen Helden abzumelden!". Mit ein bisschen Ideal und NDW treten sie selbstbewusst ins Rampenlicht des Sepp-Herberger-Stadions und versetzen das Publikum in die 80er Jahre.

Natürlich geht es den Vier nicht nur um das Amüsement des Publikums, sondern auch darum ihre „Helden-Botschaft“ zu überbringen. So dürfen humorvoll gesellschaftskritische Songs wie „Zuhälter“ nicht fehlen. Diese Lieder beweisen, dass Frau Holofernes eine der ambitioniertesten Texterinnen in der aktuellen deutschen Popmusik ist. .

Bei dem Track „Monster“ schreien die Helden mit dem Publikum um die Wette, um alle ihre Ängste zu vertreiben, um somit bereit für die weiterer Hitparade zu sein. „Aurelie“, „Denkmal“, „Gekommen um zu bleiben“, „Nur ein Wort“, alles Songs die den Weinheimern die Möglichkeit geben, lautstark ihre Textsicherheit zu bekunden und auch Balladen wie „Die Zeit heilt alle Wunder“ oder „Ein Elefant für dich“ werden in Chören mitgesungen.

„Gekommen um zu bleiben“ sind die Helden nach eigener Aussage. Diese steht nach dem Freitag Abend allerdings in etwas zwiespältigem Licht, der mit dem lediglich zu einem Fünftel gefüllten Stadion beginnt. Was aber nicht zuletzt an der Kombination aus miserablem Wetter und dem insgesamt inhomogenen Gesamtprogramm der drei Bands gelegen haben mag. Die Helden alleine sind jedenfalls noch keine Garanten für volle Hütten. Und wie die ganze Veranstaltung hatte auch das Konzert des Headliners Höhen und Tiefen. Rockig und taff gestartet, bewegte sich die Konzertmitte eher im Dümpelbereich. Erst gen Ende rissen sie das Ruder noch einmal rum und gaben mit ihren – sehr zahlreichen - Hits richtig Gas. Als Konstante des Konzert zeigte sich wie zu erwarten Frontheroine Judith Holofernes, die mit ihrer charismatischen Ausstrahlung permanent und unangestrengt Mittelpunkt des Geschehens ist.

Charlotte Luther

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