songs vom treppchen
MMA_Compilation_Part One
CD-Review vom 29.07.2005 | Autor: Gerald Merkel
Tags: MMA_Compilation_Part One
CD-Review vom 29.07.2005 | Autor: Gerald Merkel
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Nach seinem dritten Durchlauf lässt sich der Mannheim Music Award nun auch in den CD Player schieben. Gemeinsam mit regioactive.de und Bananapirate Records wurde die Audio Surf - Reihe um eine special edition ergänzt, auf welcher die Sieger der bisherigen Wettbewerbe und eine Auswahl der Teilnehmer 2005 zu finden sind.
CD 1 präsentiert die Sieger der bisherigen Awards, der Einstieg dementsprechend: Königwerq, die 2002 den Preis für den besten Gesang einheimsten und es mit ihrem gefälligen Deutsch-Pop seitdem auch bis zur Vorrunde der Grand Prix d’ Eurovision geschafft haben. Danach folgen die Sieger 2004, Dr. Woggle & the Radio sowie die weiteren Gewinner 2004 ausgeschriebenen: Four Sided Cube, VP-1, Soul Position, SlamWeJam und Love Linus. Die Mischung dementsprechend so bunt wie der Award: Eine Achterbahn von Pop über Reggae-driven Ska, Alternative Rock amerikanischer Prägung, dem bombastischen Hardcore-NuMetal-Brett von VP-1, groovigem Soul und akustischen Nummern. Schwierig da etwas herauszuheben, verdiente „Sieger“ sind alle, und so kann man die CD als Einstiegsdroge zu den jeweiligen Bands und Stilen verstehen – die generelle Intention der Audio Surf-Reihe.
Speziell Dr. Woggel und VP-1 sind jedenfalls Vertreter ihres Genres, die jeden Ska bzw. NuMetal-Anhänger aufhorchen lassen werden, SlamWeJam zeigen lässig wie man akustisch „rockt“ und Love Linus grooven sich entspannt in die Gehörgänge. Darauf folgen die beiden Sieger 2005, zuerst die diesjährigen Meister aller Klassen, Succulent, deren Britrock qua irirschem Frontmann authentisch wird, und deren Beitrag „So far Away“ in Richtung rockige Coldplay ausschlägt.
Nach dem Gesamtsieger Dr. Woggle & the Radio im Vorjahr, gibt es mit dem Regio 68-Sieger Likkle.T abermals ein schwerst jamaikanisch beeinflusster Award-Sieger aus der Region, dessen Songtitel „Hotta Summer“ schon saisonbedingt weit vorne liegt. „Das liegt am Klima. Das liegt an der Bergstraße, am Odenwald – in Jamaika ist auch alles grün, da gibt es auch solche Berge.“ Verriet Front-Woggle Niko letztes Jahr in einem Interview – und da scheint was dran zu sein.
Der zweite Teil der CD lässt nur bedingt erahnen, dass hier keine „Gewinner“ am Werk sind und fällt mit einer Bandbreite von souligem Pop, Downbeat-angehauchten Songs über Ellen Klinghammer (eine Lady und ihr Piano) zu Rockmusik in allen und meist alternativen Varianten fast noch interessanter und abwechslungsreicher aus als die erste Hälfte.
Der Start ist gemütlich, atmosphärisch und von Frauenstimmen dominiert. Dayfly lassen eine leichte Jazz-Bar-Stimmung durch den Popsong „Fall Apart“ schweben, Anna's Charms besticht vor allem durch Stephanies Pop Stimme und Shambelle gehen mit „My Ocean“ einen Weg, den sie „Elektrotripop“ getauft haben – gelungen zwischen chilligem Pop und Tanzfläche.
Erst Rough Lingo unterbrechen den Reigen mit einem Hip-Rock lastigen Crossover-Brett. Ellen Klinghammer stoppt diesen Ausflug allerdings jäh und souverän, „8000 Km“ unterstreicht die Ausnahmestellung der Solo-Künstlerin (hier allerdings mit dezenter Begleitung) und gehört definitv zu den Anspieltipps der CD.
Kapelle Weyrer 03, Guerilla Bar und C.B. Radio gleiten dann durch poppige Gewässer, die beiden Erstgenannten in deutschen Zungen, KW 03 eher gemächlich persönlich, die Pop Akademie Studenten um Chris Kosmo dagegen mit immensem Sendungsbewusstsein. CB Radios „Miss You“ gehört ebenfalls zu den „Aufhorchern“ der Compilation, ein raffinierter Popsong, der die Live Performance der Band beim ersten Award-Konzert um Längen hinter sich lässt.
Park Lane 7, Sinew, Soma, Te Deum und Drukk sorgen dann für ein durchgängig rockiges Finale. Park Lane 7 beginnen das mit eindeutiger New Rock-Ausrichtung, danach folgen Sinew, deren Gig beim vierten Award-Konzert in bester Erinnerung ist. „Silenced“ hält diese Erwartung, keine Spur ruhig, treibender Alternative Rock, der auch durch die eindringliche Stimme Sascha Junkers direkt in die Magengegend fährt – für so was wurde die Schublade „emo“ erfunden. Und wie die Spatzen von den Dächern pfeifen, sehen wir Sinew beim Noisepollution 2006 in Wald-Michelbach wieder, schön das. Soma und Te Deum rocken das Ding dann gut nach Hause, von eingängigem New Rock bis zu einem kleinen und guten Schwenk in die härteren Musik-Gefilde der 80er. Drukk machen das Fass dann programmatisch mit „Silly Ass“ zu – Rockmusik um mit ner Harley Richtung Westen zu donnern. Yeah!
MMA_Compilation_Part One gibt eine schönen Ausblick über das bisherige Geschehen und stellt 22 absolut hörenswerte Bands / Musiker vor. Dass ein derartiger „Wettbewerb“ die Qual der Wahl bedeutet, wird vor allem beim Abhören der zweiten Hälfte, den „ungekürten“ Bands, deutlich. Für alle neugierigen und über ein musikalisches Genre hinaus kompatiblen Menschen eine empfehlenswerte Scheibe.
Gerald Merkel
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