finales festival & compilation veröffentlichung
Mannheim Music Award 2005: Abschlussveranstaltung
Review/Bericht vom 18.07.2005 | Autor: Gerald Merkel
Review/Bericht vom 18.07.2005 | Autor: Gerald Merkel
Wie im Vorjahr ging der MMA 2005 unter freiem Himmel auf dem DaimlerChrysler-Werksgelände zu Ende. Neben den Siegern Succlent und dem Regio 68 Award-Gewinner Likkle. T waren Die Sterne und Zoe als Headliner zu Gast bei der kostenlosen Veranstaltung. Rechtzeitig zum Festival kam die erste MMA-Compilation mit den bisherigen Siegern und den Teilnehmern 2005 aus dem Presswerk.
Mit diesem Festival endete der Live-musikalische Teil des MMA 2005. Einen Eindruck über das diesjährige Geschehen kann man sich dennoch verschaffen: Nachdem im Frühjahr die erste Ausgabe des regioactive.de-Samplers „Audiosurf“ erschien, ist nun mit der MMA_Compilation_Part One eine Audiosurf Special Edition erhältlich. Die Doppel CD enthält schlappe 22 Beiträge, die sich von Königwerq über Dr. Woggle & the Radio bis zu Succulent aus den bisherigen Siegern der drei MMA-Jahrgänge zusammensetzen. Auf der zweiten CD finden sich die übrigen Finalteilnehmer des diesjährigen Awards.
Dass die MMA-Veranstaltungen Garanten für bestes Wetter sind, wurde an dieser Stelle schon mehrfach erwähnt. So auch das Finale. Für die ersten Acts des Tages war das Wetter schlicht zu gut, der Publikumsstrom war auf Grund der Hitze am späten Nachmittag sehr bescheiden, und die Anwesenden drückten sich in die raren Schattenplätze auf dem Gelände.
Dass unter diesen Umständen wortwörtliche Aufheizen übernahmen Sunburst, die als Sieger des Message Music Contest diesen vertraten. Die Initiatoren des "Message Music Contests" sind eine Verbindung der Fernseharbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), des christlichen Hilfswerks World Vision, der Stiftung Christliche Medien, der Programmzeitschrift Gong, RTL Television und der Welt am Sonntag. Ziel der Initiative ist „eine breit angelegte Werte-Offensive“. Der Auftritt von Sunburst gerät, handwerklich gut gemacht, diesen Vorgaben entsprechend.
Danach sind Regenwinter als Vertreter der Pop Akademie Mannheim am Start. Regenwinter sind Chris Buseck und Band, und haben’s mit ihrer Namensgebung an so einem Tag nicht leicht. Gut arrangierter, eingängiger Deutsch-Pop, der sonniger ist, als der Name vermuten lässt und so einen brauchbaren Übergang zu Likkle. T, dem Sieger des Regio 68-Awards herstellt.
Tobias Schirneck alias Likkle. T ist fest im Reggae verwurzelt, angereichert mit Soul, RnB und Pop, Likkle. T selbst sieht seinen Stil lieber als „different style“ bezeichnet. Die Vorstellung ist absolut überzeugend und passt perfekt zum jamaikanisch anmutenden Wetter – wie auch Likkle. Ts Compilation Beitrag „Hotta Summa“. Mit Likkle. T hat den Regio 68 (also sozusagen der kleine Award, beschränkt auf das PLZ 68-Gebiet) ein Künstler gewonnen, der seine Kreise schon längst über die Region hinaus zieht: Derzeit ist er auf Platz 9 der deutschen Reggae-Charts platziert, außerdem wird es diverse Veröffentlichungen Likkle.Ts auf PowWow Productions, Europas führendem Reggae-Dancehall Label, geben.
Der erste „Headliner“ bleibt diesem Genre treu, Zoe mit ihrer Band Okada Supersound. Die aus Liberia stammende Musikerin wuchs in Bayern auf und hat ihre musikalische Heimat allerdings in Jamaica verortet – seit Gentleman oder Patrice nichts ungewöhnliches mehr hierzulande, eine Tatsache, die auch Likkle. T mit Wohlgefallen sehen dürfte. Ebenso wie der Ludwigshafener ist auch Zoe keine Reggar-Puristin – ein bisschen Soul, ein wenig Pop, und eben Rock Steady Rock Songs, wie es in ihrer Single-Auskopplung „Rock Steady“ heißt. Sonnig-karibische Stimmung auf dem Waldhof.
Danach dann die Sieger des MMA 2005: Succulent aus Bessenbach sind ein Fünfer um den aus Irland stammenden Sänger-Songwriter Rory Thun, dementsprechend britisch ist ihr Sound, mit allen Stärken und Facetten, von U2 bis Kula Shaker. Dennoch kein müder Abklatsch, sondern atmosphärisch, rockig und eingängig – Brit Rock kommt jetzt aus Hessen.
Zwischen diesem Gig und den Sternen war dann die Preisverleihung platziert, die von Mannheims Kulturbürgermeister Peter Kurz und DaimlerChrysler Werksleiter Hermann Doppler vorgenommen wurde. Der von der Popförderung Mannheim initiierte MMA ist mit 2000 €, der Regio 68 Award mit 1000€ dotiert, dazu kommt jeweils ein Coaching Wochenende.
Im Anschluss dann, das DaimlerChrysler Werksgelände mittlerweile gut gefüllt, die Headliner des Abends: Die Sterne. Eine gelungener Abschluss der MMA 2005-Konzerte, zumal die Hamburger nicht nur musikalisch einen schönen Schlusspunkt setzten sondern auch von ihrer Haltung und Karriere her ein gutes Beispiel für „junge“ Bands abgeben: Ihr Sound ist eine Mischung aus Indie-Gitarren und Funk, Zitate werden nicht nur als unvermeidlich gesehen sondern sind gewollt. Mit „Was hat dich bloß so ruiniert“ hatten Die Sterne 1996 einen Hit, was sich in dieser Form nicht mehr wiederholte, sie aber nicht von weiteren Veröffentlichungen abhielt. Hörenswerte deutsche Texte, lange bevor allein diese Tatsache ein Hype wert war, Groove in Verbindung mit melodiösem Gitarrenrock sind die Zutaten, die die Sterne live in die Wagschale werfen und den MMA 2005 zum Abschluss krönen.
Bilder: Frank Schindelbeck, Bildergalerie "Die Sterne" bei www.schindelbeck.org
Gerald Merkel
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