caribbean-kurpfalz-comedy
Interview mit Christian Habekost aka Chako
Interview vom 29.06.2005 | Autor: Gerald Merkel
Tags: Christian Habekost Chako
Interview vom 29.06.2005 | Autor: Gerald Merkel
Tags: Christian Habekost Chako
Kurpfälzer Mundart Comedy und karibisch-lateinamerikanische Beats? Das geht leichter zusammen als man vermuten würde, wie im Interview zu erfahren, ist es historisch sogar folgerichtig.
Christian Habekost promovierte in Mannheim und Kingston über karibische Performance- und Musik-Dichtung, hat als „Chako“ einen klangvollen Namen in der Comedy-Szene und trat 1994 beim Carnival in Trinidad & Tobago als erster weißer Calypso-Sänger erfolgreich in Erscheinung. Das alles komprimiert sich in der Chako Music Show - comedyantische Raps mit karibisch-lateinamerikanischen Beats und Tanzperformance, Comedy und Konzert in einem.ra: Du bezeichnest dich als Mannheimer (MundArt-)Comedyant und bekennender kurpfälzischer Lokalpatri(di)ot. Was macht die Kurpfalz für dich aus / ist das Besondere an dieser Region?
CH: Das ist dieser heiße Mix aus Wald, Fluss und Industrie, aus Kartoffelacker, Großstadt und Grand Cru. Die Menschen: eine gute Mischung aus kotz-mopolitischer Weltsicht und provencieller Schoppenmentalität. Und die Mundart: die hat so viel Riddim, dass wir alle ständig am grooven sind.
ra: Du bist promovierter Sprachwissenschaftler. Trotz oder wegen deines kurpfälzischen Lokalpatri(di)otismus?
CH: Isch gebb zu, dass de kackademische Background mir e bissel do debei gholfe hot, däre mystische Tiefe vun kur/pälzer Sprooch und Mentholität noch e bissel ärger uff de Grund zu gehe.
ra: Der Sänger von Dr. Woggle& The Radio sagte mir in einem Interview, das Rhein-Neckar-Deltea sei sowohl klimatisch als auch topographisch (vom Mannheimer Hafen über die Bergstraße bis zu den Hügeln des Odenwaldes) quasi das deutsche Jamaica. Du hast in Anglistik und Germanistik in Mannheim und Kingston (Jamaica) über karibische Performance- und Musik-Dichtung promoviert und bezeichnest dich als Highmat-Verbundener Kurpfalz-Karibe. Wie siehst du die Einordnung?CH: Jamaica ist nett ... fasst's aber nicht ganz. Was viele nicht wissen: hysterisch gesehen stammen wir Kurpfälzer ursprünglich von einer karibischen Insel namens Palati. Dort war das Paradies, nur der Wein wollte nicht so richtig wachsen. Deswegen sind unsere Vorfahren irgendwann mal ausgewandert und hier im Delta hängen geblieben. Klar, diese latino-karibische Herkunft ist bei vielen verschüttet, kann aber durch entsprechende Beats ganz schnell rausgekitzelt werden. Wir sind Latinos als Palatina, mir sin PaLatinos. Und in der Chako Music Show wächst zusammen was zusammen gehört: Riddim, Groove und lauter laute Laute. Wir müssen weg von den Klischees, die unserem Dialekt anhaften. Auch wenn es von vielen Comedy-Bühnen immer wieder so runterschallt: es sind eben nicht nur die Blöden und Asis, die MundArt sprechen.
ra: Du bist StandUp Comedian, in der Chako Music Show trittst du mit dem Los Rebeldes Orquesta an. Wie passt das zusammen, welchen Stellenwert hat Musik in deinem Programm? Überwiegt Musik oder Comdey?
CH: Eigentlich beides: ich war früher Klassenkasper und wurde gleichzeitig von meinen Eltern zum Klavierunterricht gezwungen. Später habe ich mich hauptsächlich auf das Wort konzentriert. Und mit der Music Show schließt sich der Kreis wieder. Danke Papa und Mama (lacht)!
ra: Dein Auftritt 1994 beim Carnival in Trinidad & Tobago als erster weißer Calypso-Sänger mit deiner Frau als Tanz-Performerin: Der Antrieb jetzt karibische Musik in der Chako-Show zu integrieren und den Calypso in der Kurpfalz heimisch zu machen?
CH: Ja schon. Die Erfahrungen in Trinidad waren so überwältigend, das wollte ich irgendwie auch hier in der Heimat, bei den Exil-karibischen Kur/Pfälzern mal machen. Feiste Texte, feine Beats und fette Party.
ra: "Frieher hot's des net gewwe" – wie viel Ernst steckt hinter dem Motto und der Satire, die daraus entsteht? Und was kannst du da einem Online Redakteur eines Internet Portals, dessen Job-Bezeichnung also hälftig aus "Angelzysten" besteht, mit auf den Weg geben?
CH: Diese Nummer aus meinem MundArt-Programm hat wahrscheinlich deswegen so einen Erfolg, weil sie alle Generationen irgendwie anspricht. Die Jungen denken: Kenn ich irgendwo her. Die Alten erkennen sich wieder. Dem Redakteur mit den Angelzysten geb ich eins mit auf den Weg: eine gute Wortschöpfung auf Deutsch ist oft hipper als lauter Worthülsen, die Englisch klingen. Ich finde rein von der Bedeutung her verspricht Chillout lange nicht so viel wie Feier(!)-Abend. Un en Schoppe is mir allemol liewer wie en Alcopop!
ra: Ist eine Chako-Show eine Angelegenheit für einen amüsanten Abend oder ist deine Intention, dass dein Publikum eine Kleinigkeit mehr mitnimmt? Wie böse darf, kann, muss Satire sein?
CH: Satire darf alles. Klar sollen die Leute sich gut unterhalten fühlen und auch e bissel abtanzen usw. Aber dabei muss z.B. auch Platz sein für ein Lied, das die Frage "Who is the original terrorist?" stellt. Das beste ist eben, wenn Körper und Hirn zusammen tanzen!
ra: Über welche zeitgenössischen Komödianten kannst du lachen?
CH: Georg Schramm und Mario Barth.
ra: Frank Zappa stellte die Frage - auch als Motto verstanden – „Does Humor belong in Music?“ Siehst du in aktueller Musik freiwilligen Humor?
CH: Schöne Frage. Besonders die Betonung auf "freiwillig"... Ich finde Robbie Williams macht das ziemlich gut ... ein bisschen Selbstironie hilft nicht unbedingt immer der musikalischen Qualität aber dem Sympathiewert! Sogar im deutschen Hip Hop kann man ab und zu mal etwas Humor entdecken. Aber insgesamt nehmen sich die meisten leider alle viel zu ernst.
Wenig Ernst, noch mehr Infos: www.chako.de.
Kontakt | Über regioactive.de | Jobs | Backstage | Partner | Mediadaten | Presse