lebendige legenden
Southside 2005: Dinosaur Jr.
Review/Bericht vom 15.06.2005 | Autor: Gerald Merkel
Tags: Southside 2005 Dinosaur Jr.
Review/Bericht vom 15.06.2005 | Autor: Gerald Merkel
Tags: Southside 2005 Dinosaur Jr.
Grunge sollen sie auf den Weg gebracht haben, wirklich profitiert haben sie nie von diesem Schub. Der Seattle Hype hat sich längst wieder verkrümelt, Dinosaur Jr stehen in Originalbesetzung auf der Southside-Bühne und klingen so frisch wie ehedem.
Direkter Sturmlauf zur kleinen Bühne war angesagt, denn dort tagte gerade eine frisch reunierte Legende: Dinosaur Jr. In Originalbesetzung, sprich mit den eigentlich spinnefeind gewordenen J Mascis und Lou Barlow. Nachdem sich Barlow bei den Aufnahmen von Bug absetzte um unter anderem mit seiner Band Sebadoh selbst einen Indie-Kracher nach dem anderen zu zünden, waren die beiden nicht mehr all zu gut aufeinander zu sprechen. Nun stehen sie jedenfalls wieder zusammen auf einer Bühne und malträtieren die zusammengenommenen 10 Saiten, dass es eine Lust und Wonne ist. Der Beweis, dass da wirklich J Mascis steht, wird tatsächlich lediglich durch sein Gitarrenspiel und seine Stimme angetreten. Eine knallgrüne Sportjacke kontrastiert sich mit den verwaschen ergrauten Haaren, die komplett sein Gesicht verhüllen. Aber spätestens beim ersten Soli ist jeder Zweifel verflogen, der Mann, der die 60iger mit Punk Attitüde versöhnte und das Gitarrensoli in den Schrammelrock etablierte, hat von seiner komplett eigenwilligen Virtuosität nichts eingebüßt. Ergänzt wird er kongenial durch Lou Barlow, dessen melodisches Bassspiel sich in keinster Weise hinter Js Jazzmaster verstecken muss.Insgesamt bilden die beiden die Antithese zum vorher erlebten NIN-Konzert: Mascis, der optisch fast wirkt wie eine ergraute Ramones-Karikatur – also immer noch die gepflegte Uncoolness schlechthin – und Barlow, der etwas von einem in die Jahre gekommenen Sozialpädagogen hat , bearbeiten ihre Instrumente zwar fantastisch - wie etwa Barlow diese perfekten Bassfiguren aus seinem Instrument befördert, indem er es mit der Rechten bearbeitet wie die letzte Schrammelklampfe, wird mir Normalsterblichem wohl ein ewiges Rätsel bleiben – von einer Show ist allerdings kaum etwas zu sehen. Dafür jagt ein Evergreen den nächsten, bevorzugt Material aus ihrer gemeinsamen Zeit kommt zum Zug, ansonsten werden auch einige Stücke der You’re Livin All Over Me geboten. Kleiner Auszug des bunten Reigens: Forget The Swan, Just Like Heaven und – natürlich – Freak Scene. Und gegen Ende ist doch tatsächlich ein Wippen und Zucken bei beiden zu erkennen, auch meine ich tatsächlich Js Mundwinkel unter der Haarpracht erspäht zu haben. Der Meister hofft, dass wir alle „a perfect weekend“ hatten, dann ist der Spuk vorbei und entlässt uns ca. 15 Jahre jünger in die Wirklichkeit. Diese hat noch ein Feuerwerk parat, da dieses aber kein musikalisches, sondern ein von Rammstein auf der Bühne gezündetes ist, bleibt’s mit Dinosaur Jr. beim Finale Virtuoso und dem Wunsch nach mehr davon.
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