Ain't it fun hanging 'round with the Bundeswehr? Dirty Deeds rockten Kabul

Während die US Army leichtbekleidete Popsternchen á la Britney Spears zur Erbauung der müden Kameraden einfliegen lässt, gibt's bei der Bundeswehr des bekennenden Bikers Peter Struck derbe Gitarrenkost. Auch ein Weg, die Moral zu heben. Also gab's für die Olivgrünen ordentlich was auf die Ohren und im Gegenzug für die Band feucht-fröhliche Militärromantik de Luxe am Arsch der Welt.
Los gings am 27.5.2005 vom Militärflughafen Köln/Wahn zusammen mit 200 Soldaten an Bord eines Airbus nach Usbekistan. Dort durfte der ein oder andere Ex-Zivi in der Band auf seine alten Tage dann doch noch Bekanntschaft mit einem Feldbett machen. Entsprechend ausgeruht flogen die Rocker am nächsten Tag mit einer Trans All weiter nach Kabul, Afghanistan. Vom Flughafen im Fuchs (Spür?)-Panzer weiter zum Lager der Bundeswehr, dem "Camp Warehouse", wo man gleich die Unterkünfte bezog.
Nach einem überraschend leckeren Mittagessen wurde dann die Location des für den Abend geplanten Gigs in Augenschein genommen: ein Zelt mit dem bezeichnenden Namen "Tornadozelt". Aufbau und Soundcheck liefen stockend, da die PA nicht die allerbeste war. Nun kann man der Bundeswehr vieles nachsagen, nicht aber mangelndes Organisationstalent. Irgenwie konnte alles beschafft werden, so dass die Bühne schließlich rechzeitig für den Gig am Abend bereit war.
Um 20:30 Uhr ging's los, und das Tornadozelt füllte sich schnell mit ca. 800 Soldaten und Soldatinnen. Gespielt wurden zwei Sets zu je einer Stunde, das Tornadozelt wurde also ordentlich durchgerockt. Nach zwei Zugaben war um 23:30 Uhr Zapfenstreich.
Alkohol gibt's eigentlich nur von 19 bis 22 Uhr im Camp, aber da man schnell zur Einsicht gelangte, dass immer irgendwo auf der Welt 19 Uhr ist, ging's weiter zur Aftershow-Party. 2 Tage Anreise, Schlafmangel, Show und Party - das geht auch dem gestandensten Rocker schon mal an die Substanz. Trotzdem brauchten die BW-Betreuer wenig Überredungskunst, den Heidelbergern ein Zusatzkonzert rauszuleiern.
Am folgenden Tag standen aber erstmal der Lagerrundgang und diverse "Kneipen"-Besichtigungen (mit so schönen Namen wie "Dropzone") auf dem Programm. Eine Stadtrundfahrt musste wegen diverser Anschläge leider abgesagt werden, dafür gab's ein Interview mit einem lokalen Militär-Radiosender und die obligatorischen Fototermine (Gruppenbild auf Schützenpanzer).
Am Abend dann das zweite Konzert, das mit ca. 500 Leuten wieder gut besucht war. Direkt nach dem Auftritt wurde bereits alles in Kisten verstaut, da am nächsten Tag bereits die Abreise bevorstand. Nach erneuter feucht-fröhlicher Aftershow-Party wurde man vom Spieß dann um 5:30 Uhr zärtlich mit einem Liedchen geweckt.
Der Rückflug erfolgte über Kundus, wo es ja bekanntlich etwas ungemütlicher als in Kabul ist. Der Landeanflug mit einer Trans All im kontrollierten Sturzflug war für die ohnehin etwas ausgelaugten Rocker ein Erlebnis der besonderen Art. Zwischenstopp in einer bizarren Ödnis, Scharfschütze auf'm Terminaldach, ringsrum alles vermint.
Man war froh als es wieder weiter nach Termez/Usbekistan ging. Dort hatte man auf dem Militärflughafen nochmal 24 Stunden Zwischenaufenthalt. Die Zeit wurde genutzt, die "Area 51", die örtliche "Kneipe" (klimatisiertes zelt) in Augenschein zu nehmen und sich bei 35 Grad ein paar Eistee reinzuschütten. In Usbekistan gibt's immerhin schon ab 17 Uhr Alkohol, und um Punkt 17 Uhr war die Area 51 proppevoll. Ein letzter "Umtrunk" mit den Boys von der Luftwaffe (aua), bevor es am nächsten Tag mit dem Airbus zurück nach Hause ging.
