kein kloster
Club-Interview: Musiktheater Rex
Interview vom 19.04.2005 | Autor:
Interview vom 19.04.2005 | Autor:
Nicht nur tote Nibelungen: Das Musiktheater Rex bietet in Lorsch seit geraumer Zeit ein interessantes und abwechslungsreiches Musikprogramm an. Für das Booking und Management ist Margit Gehrisch von den Veranstalterinnen zuständig. Wir haben uns mit der Leiterin des Rex unterhalten.
ra: Seit wann gibt's das Rex? Wer hat es gegründet und wie groß ist es?
Margit Gehrisch: Das Rex habe ich im Februar 1998 gegründet, es hat ein Fassungsvermögen von ca. 400 Personen.
ra: Lassen sich seit der Eröffnung 1998 Veränderungen in der Programmstruktur beobachten?
M.G.: Eigentlich habe ich mit einem anderen Programmangebot begonnen. Anfangs habe ich mehr Kleinkunst und Jazzveranstaltungen durchgeführt. Im Laufe der Zeit hat es sich dann in Richtung Blues und Rock gewandelt. Mittlerweile liegt auch ein großer Schwerpunkt auf Tribute-Bands. Ursache für die Veränderung ist vor allem die Region, da unglaublich viele Konkurrenzveranstaltungen angeboten werden. Die Leute sind innerhalb kürzester Zeit in Mannheim oder in Heidelberg. Da tut man sich schwer, mit Bands, die hauptsächlich Insidern bekannt sind, denn unter dem Strich sind sie dann immer zu schlecht besucht. Da spielt auch die Qualität der Gruppe keine Rolle.
ra: Das heißt, daraus ergibt sich auch die Zielgruppe?
M.G.: Genau, wir haben mittlerweile ein Programm, bei dem die Leute eben wissen, was auf sie zukommt und aufgrund der angebotenen Acts kommen. Eigentlich genau das Programm, dass ich ursprünglich nicht anbieten wollte.
ra: Boppin B und Randy Hansen sind z.B. zwei Acts, die in nächster Zeit im Rex spielen. Randy Hansen ist dabei ein Beispiel für die Tribute Band?
M.G.: Diese Acts würde ich als etwas eigenständiger ansehen. Boppin B. sind über den Hype um Dick Brave gerade im Kommen. Die gibt's schon länger und die waren auch schon mal 1999 im Rex. Randy Hansen spielt wie Jimi Hendrix, kann man aber nicht als Tribute bezeichnen – er hat seinen eigenen Stil.
ra: Auf Ihrer Homepage steht, dass sie auch auf andere Locations ausweichen...
M.G.: Ja, ab und zu, aber eher weniger. Das ist einfach ein riesiger Arbeitsaufwand. Das meiste läuft im Rex.
ra: Nochmals zu ihrem Stand in der Umgebung, der ist als eher problematisch anzusehen?
M.G.: Sicher, zumal Lorsch (Heimat des Rex) zwar nicht kilometermäßig weit ab vom Schuss ist, aber nicht gerade eine gute Verkehrsverbindung hat.
ra: Sind sie mit der Auslastung zufrieden?
M.G.: Naja, noch nicht ganz. Ich hab halt ein riesiges Sommerloch und der Herbst ist in der Regel auch nicht durchgängig gut besucht gewesen. Wie ja eingangs schon erwähnt gibt es immer mehr Konkurrenzveranstaltungen und im Herbst kommen dann noch die ganzen Weinfeste und Kerweveranstaltungen hinzu. Lorsch ist halt auch Provinz, da gibt es kaum Laufkundschaft.
ra: Und das Publikum kommt hauptsächlich aus Lorsch und Umgebung?
M.G.: Nein. Circa 70 % des Publikums kommt von weiter weg. Ich habe Stammkunden, die z.B. regelmäßig aus Stuttgart oder Karlsruhe kommen, obwohl die Gruppen auch dort auftreten, weil sie einfach sagen, dass das Rex von der Atmosphäre her besser ist. Es gibt ganz viele, die wirklich sehr regelmäßig kommen, halt leider noch nicht genug.
ra: Als Kontaktadresse für das Rex werden ja "die Veranstalterinnen" angegeben. Wer genau steht dahinter?
M.G.: Dieser Name steht für meine Firma, die vor 14 Jahren von 4 Frauen gegründet wurde. Aber heute bin nur noch ich übriggeblieben und bin ein sogenanntes "Ein Personen Unternehmen", das sich um alles kümmert.
ra: Passieren im Rex auch Sachen im Newcomer-Bereich? Irgendwelche regionalen Sachen oder Newcomerfestivals etc.?
M.G.: Letzten Samstag hatte ich eine Veranstaltung mit den 44Leningrads, die hauptsächlich junges Publikum ansprechen, durchgeführt. Nachdem ich aber wieder nur mit 40 Besuchern dastand habe ich mir vorgenommen diese Zielgruppe nicht mehr zu bedienen. Es gibt eine Band, "BloodSugarSexMagic", die jedes Jahr am 23. Dezember bei mir spielen und auch Reggae-Veranstaltungen, die ich ab und zu anbiete sind ganz gut von jungem Publikum besucht, sonst kann man Veranstaltungen für junges Publikum knicken. Das liegt zum Einen an der Verkehrsverbindung und zum Anderen auch an der Lage des Rex. Ich bin mitten in der Stadt und muss um 23.00 Uhr die Konzerte beenden. Außerdem habe ich auch den Eindruck, dass der Lorscher Jugendliche nicht am Rex-Programmangebot interessiert ist. Ich habe eine professionelle Anlage und eine professionelle Bühne, das kostet einfach entsprechend Geld und muss über eine begrenzte Anzahl von Terminen wieder umgelegt werden. Also muss ich Sachen anbieten, bei denen ich unter dem Strich Geld verdiene. Newcomerfestivals gehören nicht dazu und fallen meiner Meinung nach eher in den Bereich von Jugendhäusern. Jedes Mal wenn ich so was versucht habe, stand ich am Ende mit 30 Leuten da. Da hat man dann schnell keine Lust mehr drauf.
ra: Also lohnt es sich für junge Bands eher weniger sich zu bewerben?
M.G.: Eigentlich lohnt es sich nicht. Vielleicht kenne ich mich auch altersbedingt bei den jungen Bands nicht so aus, weil ich die Musik nicht höre. Z.B. wurde mir Juli vor über einem Jahr angeboten. Da waren sie noch nicht berühmt und mir hat es nicht so gefallen. Also hab ich sie nicht genommen. Klar, danach hab ich mich schon ein bisschen geärgert. Aber ich fühle mich wohler mit einer Oldie-Band oder so, bei der ich sicher mein Publikum habe und die beim Handling einfacher sind. Wenn ich was mit jungen Leuten gemacht habe, brachte das oft Unannehmlichkeiten mit sich auf die ich gerne verzichten möchte.
ra: Welche Highlights kommen in nächster Zeit auf das Rex zu?
M.G.: Da wären einmal die Groben Junggesellen (eine Formation mit Gerd Knebel von Badesalz), Joe Bonamassa, das ist ein Blueser, der in den USA momentan sehr angesagt, hier aber noch nicht so bekannt ist, allerdings ist die Nachfrage nach Karten schon sehr gut. Dann eben Boppin' B und Randy Hansen. Im Herbst kommt die Band Boss Hoss, die ich persönlich sehr gut finde.
ra: Wie läuft das in der Regel ab, sprechen sie die Künstler an, die sie gerne haben möchten oder bekommen sie die angeboten?
M.G.: In der Regel bekomme ich die Künstler angeboten. Manchmal ist es so, dass ich mich um was bestimmtes kümmere und, wenn ich was haben möchte, mich richtig dahinterklemme. Im Herbst überlegen wir, was mit Seeed zu machen. Normalerweise arbeite ich mit Künstlern, mit denen ich schon mal zusammengearbeitet habe.
ra: Gibt's einen Traum z.B. einen bestimmten Künstler zu buchen? Z.B. Seeed?
M.G.: Sagen wir's mal so, ich finde Seeed unheimlich gut. Da arbeite ich mit einem Kollegen aus Worms dran. Ob's was wird – mal sehen. Ich und 3 Freundinnen haben schon 1991 mit Veranstaltungen angefangen und vor meiner Zeit mit dem Rex haben wir das ganze mehr als Hobby betrachtet und nur die Veranstaltungen angeboten die wir wirklich gut fanden. Letzten Sommer hatte ich als größere Veranstaltung In Extremo in der Melibokushalle in Zwingenberg durchgeführt, es waren ca. 1500 Leute da, doch unterm Strich betrachtet, kam finanziell nicht so viel rüber das den immensen Arbeitsaufwand rechtfertigen würde. Und somit tendiere ich mittlerweile dazu, weniger und nur noch im Rex zu veranstalten, das ist überschaubar und die Atmosphäre des Rex ist auch einfach unschlagbar.
Dirk Geibel
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