vierblättrig
Club-Interview: An Sibin
Interview vom 15.04.2005 | Autor:
Tags: An Sibin
Interview vom 15.04.2005 | Autor:
Tags: An Sibin
"Gute Nahrung, Getränk und Phasenmusik im Irische Kneipe An Sibin Darmstadt", so preist sich ebendieses im Header der eigenen Homepage charmant-radebrechend selbst an. regioactive.de hat Booker Michael Schardt um Details gebeten.
ra: Kannst du bitte das aktuelle Konzept des An Sibin darstellen und dabei erläutern, welche Schwerpunkte es im Programm gibt, was das An Sibin auszeichnet bzw. was es von anderen Clubs unterscheidet?
Das An Sibin ist ein sehr großer irischer Pub in Darmstadt, den es jetzt seit 10 Jahren gibt. Anfangs wurde es vor allem durch tägliche Livemusik geprägt. Das ist mittlerweile etwas reduziert, so dass sich die Livemusik auf die Wochenenden kristallisiert, darüber hinaus wird aber an anderen Wochentagen auch ein buntes Programm geboten. Im Moment gibt es Montags die Newcomer Night in Zusammenarbeit mit da-bands.de, in deren Rahmen Newcomer-Bands spielen. Dienstags gibt's einen Quizabend, bei denen es in einem Pubquiz 40 bis 50 Raterunden gibt, also bis zu 200 Leute teilnehmen. Mittlerweile gibt es eine Jahreswertung, es können also ein halbes Jahr lang Punkte gesammelt werden und dann winken für die Spitzenteams Reisen nach Irland und sonstige Sachpreise. Am Mittwoch ist Open Mic Night, da kann jeder selbst probieren, also Session, offene Bühne ist da angesagt. Donnerstags hat sich sehr erfolgreich der Karaoke-Abend entwickelt. Freitags und Samstags gibt es Livemusik.
ra: Welche Auswahlkriterien gelten für die Auswahl der Livebands?
Das ist ziemlich breit gefächert. In erster Linie dient natürlich die Musik der Unterhaltung, ist also nicht rein konzertant, wie vielleicht in anderen Locations, sondern es soll natürlich das Pub-Publikum an den Wochenenden unterhalten werden. Das bedeutet aber nicht, dass nicht auch Bands da spielen, die einen eigenen Stil haben. Es sind auch teilweise Singer/Songwriter da, jetzt mit Steven Bailey und Jason Falloon, die in Darmstadt noch nicht so bekannt waren, aber mittlerweile, dadurch, dass sie halt zwei- bis dreimal im Jahr spielen, einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben. Zum anderen schon alles, was im Rhein-Main-Gebiet Rang und Namen hat: Hot Stuff mit ihrer Siebziger-Diskomusik oder Mallet mit Rockklassikern, das sind so die Highlights. Dann fächert es sich in verschiedene Richtungen: Blues, Rock, was ein bisschen zu kurz kommt ist Funk und Soul, aber das ist auch zunehmend im Programm vertreten. Es ist ein recht buntes Programm für jeden.
ra: Wie ist generell die Gewichtung bzw. der Stellenwert von Newcomern, lokalen bekannten Bands/local heroes, national bekannten Bands und internationalen Topacts im An Sibin?
Bisher gab es durchaus die Möglichkeit, dass auch mal lokale Bands gespielt haben, vielleicht nicht so in der Hauptsaison, sprich November/Dezember bis März. Im Mai/Juni, so übern Sommer gibt es vermehrt die Möglichkeit für Newcomer-Bands mal was auszuprobieren. Eine neue Farbe kam dadurch rein, dass seit April die Newcomer Night läuft und wirklich sehr gute Newcomer-Bands dabei waren, egal welche Richtung, ob das nun Punk, Heavy Metal oder Melodic Rock war.Man merkt, hier ist ein Riesenpotenzial in der Stadt und Umgebung. Ich sehe das nicht so eng, also wenn ich von Darmstadt rede, dann ist das im Prinzip Südhessen. Die sind so vernetzt, die Bands kommen teilweise auch aus 30-40 Kilometer Umkreis. Das lässt sich nicht mehr so festmachen. Dadurch wird es im Sommer und im Herbst vermehrt die Möglichkeit geben auch mal zwei Newcomer Bands spielen zu lassen.
ra: Und welche Zukunftspläne gibt es für das An Sibin, mittel- und langfristig?
Ich denke, es hat sich im Prinzip etabliert. Seit 10 Jahren gibt es das An Sibin, seit 2 Jahren sind neue Besitzer eingestiegen, die es aber schon im Sinn der vormaligen Besitzer weiterführen. Ich denke, es muss sich gar nicht viel ändern, weil es an sich sehr gut läuft. n.
ra: Das heißt, großartige Wünschen oder Bedürfnissen, um Zukunftspläne zu verwirklichen gibt es offensichtlich nicht, oder?
Ja, gut, es gibt ein Problem: Das An Sibin liegt im Keller. Das ist die Kegelbahn vom ehemaligen Goldenen Anker, und im Haus darüber ist eben das Kuckucksnest, wo halt 365 Tage im Jahr Konfettiparty gefeiert wird, und dadurch gibt es natürlich Lärmbelästigungen. Es kann natürlich sein, dass die Nachbarschaft das aufs An Sibin schiebt. Man muss sehen, wie lange es das Kuckucksnest noch gibt. Es wurde schon gemunkelt, dass es demnächst zumachen wird. Was immer dann oben reinkommt, vielleicht geregeltere oder gediegenere Gastronomie, wird an der Pub-Atmosphäre unten im Keller nicht unbedingt etwas ändern. Was ich gut fände: im Sommer, da gibt es einen Biergarten, der vom An Sibin bewirtschaftet wird. Es wäre schön, wenn das Ordnungsamt nichts dagegen hätte, dass dort sonntags nachmittags wieder Livemusik läuft. Das ist leider unterbunden worden, weil sich angeblich die Nachbarn beschweren, was aber unseres Wissens faktisch nicht stimmt.
ra: Kannst du dich an den einen oder anderen Höhepunkt im An Sibin erinnern und vielleicht ist ja der eine oder andere Wunschtraum noch offen, den du gerne im An Sibin verwirklichen würdest?
Ein Höhepunkt kommt jetzt am nächsten Samstag, da spielt nämlich Shaqua Spirit. Die haben schon länger nicht gespielt und stellen ihre neue CD vor. Und vor allen Dingen, sie machen einen Livevideomitschnitt. Wer also nicht nur dabei, sondern auch drauf sein will (auf der Aufnahme, Anm. d. Red.), der sollte auf jeden Fall kommen, und ich denke, das An Sibin wird an seine Kapazitätsgrenzen stoßen. Insgesamt hat das An Sibin auch schon sehr große Namen gesehen, etwa die ehemalige Begleitband von Van Morrison, Them, oder natürlich sehr bekannte irische Songwriter, der Kieran Halpin, der Mann hat in Irland fast Gottestatus, der kommt ein- bis zweimal im Jahr nach Darmstadt ins An Sibin. Ansonsten, von den großen Acts, immer wieder supergut: Boppin' B. Wenn die da sind, rocken die das Haus und sind immer wieder gern gesehen. Aber ich möchte jetzt auch niemanden herausheben, da würde man anderen Unrecht tun. Ich denke, das Wichtigste ist, dass beim Konzert selbst die Atmosphäre stimmt, und wenn 50 Leute da sind und das Konzert geil finden, ist mir das genauso lieb oder vielleicht sogar lieber als wenn 250 da sind und stocksteif dasitzen. Es sollte auf jeden Fall ein guter Abend für die Band und für die Gäste sein.
Patrick Jung
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