wenn's brennt

Interview: Alte Feuerwache

Interview vom 15.04.2005 | Autor:

Tags: Alte Feuerwache  

Am Alten Messplatz herrscht Aufbruchsstimmung. Derselbe gleicht einem Schlachtfeld um bis spätestens 2007 in neuem Gewand zu erstrahlen. Die Feuerwache, Mannheims Alte Dame unter den Veranstaltungshäusern, befindet sich ebenfalls in den Startlöchern. regioactive.de sprach mit Geschäftsführer Egbert Rühl.

ra: Um mit dem trockensten Thema zu beginnen: Die Rechtsform der Alten Feuerwache hat sich Anfang des Jahres geändert, aus einer städtischen Einrichtung wurde eine städtische GmbH. Wie kam es zu diesem Schritt?

Rühl: Wir wollten diesen Schritt machen und konnten die relevanten Partner bei der Stadt von dieser Entscheidung überzeugen. Ich hoffe, dass das auch in fünf Jahren noch so gesehen wird, was natürlich von unserer Arbeit abhängt. Der letztlich ausschlaggebende Grund für diese Strukturänderung war, dass unsere Arbeitsweise, also wie, zu welchen Zeiten und mit welchem Engagement hier gearbeitet wird, nie einem städtischen Amt entsprochen hat. Die entsprach schon immer der eines freien Trägers. Unsere Struktur ist nun die einer Gemeinnützigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung, der alleinige Gesellschafter ist die Stadt Mannheim, sie hält das Stammkapital. Ich bin der Geschäftsführer, es gibt einen Aufsichtsrat, in dem sechs Gemeinderäte vertreten sind und dessen Vorsitzender der Kulturdezernent ist.

ra: Also war das eine Maßnahmen, die die Struktur mit der Realität in Einklang gebracht hat?

Rühl: Für unsere Arbeit hat sich in der Tat kaum etwas geändert. An sozialer Eigenverantwortung schon, aber kaum an unserer Arbeitsweise. Wir haben immer an der Untergrenze unsrer personellen Ausstattung gearbeitet, in städtischen Kontexten gibt es da sehr rigide Sparmaßnahmen und in der neuen Struktur sind wir einfach flexibler.

ra: Solange sich das rechnet ...

Rühl: Sicher. Bislang agieren wir da vorsichtig, aber letztendlich sind das die zwei ausschlaggebenden Gründe. Und schließlich halten wir das für den notwendigen Schritt, um uns als Kulturanbieter in Mannheim und der Region noch besser aufzustellen. Denn das alles ist natürlich kein Selbstzweck.

ra: Hat sich etwas bezüglich der Fördermittel seitens der Stadt geändert?

Rühl: Eine der Vorraussetzungen war, dass die Kosten den vorherigen Stand nicht überschreiten dürfen. Es war dann sehr schwierig überhaupt festzustellen wie der vorherige Stand war, eine der Erscheinungsformen städtischer Buchhaltung.

ra: Programmatisch bleibt die Feuerwache bunt, d. H. von Jazz über Lesungen bis zu Pop ist hier alles im Angebot?

Rühl: Wir sind in der Tat nicht festgelegt und daran sollte sich auch nichts ändern, außer, dass wir noch besser werden. In einer Stadt wie Mannheim, die ja sozusagen nur eine kleine Großstadt ist, kann es eine sehr ausdifferenzierte Spezialisierung von Clubs nur begrenzt geben. In Berlin können Clubs mit schmalem Profil funktionieren, denn dort gibt es auch für Nischenangebote genügend Publikum. In einer Stadt wie Mannheim ist man gezwungen sich relativ breit aufzustellen. Man kann doch aber wohl erkennen, was man von der Feuerwache erwarten darf. In der Tat geht es von Lesungen bis zu sehr aktueller Musik, der Jazzbereich ist sehr wichtig und wir betreiben einen Kunstraum mit zeitgenössischer Kunst. In unserer Handschrift schreiben wir eben verschiedene Dinge, aber wir sind immer auf der Suche nach einer bestimmten Qualität und sortieren dementsprechend auch viele Angebote aus.

ra: Was passt nicht in die Feuerwache?

Rühl: Wir wollen keinen anderen Häusern in Mannheim Konkurrenz machen. Gewisse Schnittmengen gibt es immer, aber das ist ein Punkt auf den wir sehr achten. Die Sparten, die wir anbieten, wollen wir mit Qualität bestücken, das klappt nicht immer, aber das ist Booker-Schicksal. Wir wollen aktuell sein, aber nicht avantgardistisch, was im Kunstrahmen ab und an dann doch vorkommt. Auch für Avantgarde ist Mannheim letztlich zu klein. Wir sind darauf angewiesen, dass Dinge schon gewachsen sind bevor wir sie in die Feuerwache holen können. Insgesamt also: Ein ausgiebiges Jazzprogramm, ein wenig Pop, ein wenig Rock, auch ein wenig lokale Szene, wobei das nicht unser allererster Schwerpunkt ist. Zu dem Thema lokale Kunst möchte ich generell sagen, dass das Kunstangebot einem allgemeinen Qualitätskriterium genügen muss: Sie ist gut oder schlecht und das nicht deshalb weil sie irgendwo herkommt. Eigentlich spielt lokale Verortung keine Rolle. Was Newcomerbands betrifft ist es ja so, dass Die Feuerwache ein relativ großer Club ist, der nicht am Anfang einer musikalischen Entwicklung stehen kann. Es ist ein gewisses Maß an Erfahrung und Publikum nötig, um hier zu spielen. Wir verfolgen durchaus Bands und Musiker in ihrer Entwicklung aber da sehen wir uns nicht als Brutstätte sondern eher als Durchlauferhitzer.

ra: Da gibt es ja diverse Möglichkeiten. Eine davon ist, passende Vorgruppen aus der Region zu platzieren.

Rühl: Leider hat es sich eingeschlichen, dass uns diese Möglichkeit vom Management der Künstler weitestgehend genommen wird. Sei es weil sie es schlicht nicht wollen oder weil sie eigenen Support mitbringen. Anfragen regionaler Musiker gibt es, wir gehen dem auch nach, bekommen aber in fast allen Fällen Absagen. Da haben wir leider sehr begrenzte Möglichkeiten, was uns selbst nicht recht ist.

ra: In der Vergangenheit wurde viel Programm in der Feuerwache von Fremdveranstaltern bestritten. Wie wird das zukünftig aussehen?

Rühl: Das wollen wir etwas herunterfahren. Vermietung ist natürlich ein nettes Zubrot, zumal man sich weniger um die Veranstaltung selbst kümmern muss. Wenn wir unser Programm selbst gestalten wollen, müssen wir das aber entsprechend zurückfahren und das hat zukünftig Priorität. Es gibt auch keine Masse von guten Fremdveranstaltern in Mannheim. Tocopilla Events vom Cafe Central sind mit die Einzigen, die öfters interessante Acts in die Feuerwache gebracht haben.

ra: Zum Thema Delta Connection (DC): Was da passiert ist recht ungewöhnlich, drei Häuser in drei Städten kooperieren anstatt sich Konkurrenz zu machen und rufen – mit nicht unbeträchtlicher finanzieller Hilfe der BASF – eine neue Reihe ins Leben. Wie hebt sich denn das Programm der Delta Connection vom eigentlichen Programm der Feuerwache ab?

Rühl: DC ist ein gutes Beispiel für die Kooperationen, die wir anstreben. Weitere Kooperationen sind z. B. die Mitgestaltung des Programm der Schillertage in der Feuerwache, u.a. "Schüler spielen Schiller". Außerdem sind wir Hauptaustragungsort der Internationalen Fototage Mannheim-Ludwigshafen. Die Musikhochschule Mannheim hat mit ihrer Abteilung Jazz und Popularmusik weitere Tage im Juni belegt, sie hält ja alle Prüfungen in der Feuerwache ab. Wir machen also in allen möglichen kulturellen Zusammenhängen sehr gerne Kooperationen.
Der Vorreiter für DC ist natürlich Enjoy Jazz, im Prinzip mit denselben Partnern wie bei der DC. Unsere interne Auswahl, was für das Programm der DC ist und was zum normalen Programm gehört, ist nicht schwierig. Das mag für Außenstehende schwieriger nachvollziehbar sein. Das Programm der DC ist tatsächlich zusätzlich zum normalen Programm der drei Häuser, was schwierig darzustellen ist, da wir mit der Strukturänderung der Feuerwache ja auch die Quantität hochgefahren haben. Das Profil der DC ist im Prinzip immer, dass man Sachen veranstalten kann, die man sich sonst nicht leisten könnte. Aus zwei Gründen: Weil sie schlicht zu teuer wären oder weil sie zu neu und daher risikobehaftet sind. Mit der Unterstützung der BASF können wir diese Risiken eingehen.

ra: Also ist die DC, um in ihren Worten zu bleiben, eine Reihe, die das Programm einer richtigen Großstadt bietet und nicht das einer kleinen Großstadt wie Mannheim? Wie lange geht denn das Engagement der BASF?

Rühl: Das wäre eine gute Zusammenfassung. Die BASF ist bis Ende des Jahres in die DC involviert.

ra: Ist es das Ziel, das Programm anschließend auf diesem Niveau halten zu können, durch den Ruf, den man sich in dieser Zeit geschaffen hat?

Rühl: Das ist sicherlich ein Ziel, das man damit verfolgt. Ein weiteres ist einfach, die Arbeit der drei Häuser enger zusammenzuführen. Es ist auch ein Stück weit Entwicklungshilfe für die Kollegen in Ludwigshafen. Natürlich profilieren sich die drei Häuser über diese Reihe. Wir haben die Möglichkeit Dinge zu tun, die so nicht möglich wären. Das Ganze soll jedoch kein Strohfeuer sein. Es wäre ein gutes Ergebnis, wenn wir ein solches Programm danach ein Stück weit selbst auf die Beine stellen könnten, durch die Kontakte zu den Medien, zum Publikum und zu Agenturen.
Es gibt ja diese Tour durch die klassischen Medienstädte, das sind Berlin, Köln, Frankfurt, Hamburg und München. Da gehört das Rhein-Neckar-Delta nicht dazu, aber trotzdem halte ich unser Angebot für mindestens ebenbürtig mit dem was man in Frankfurt vorfindet.

ra: Wie schätzen Sie denn die Entwicklung Mannheims bzgl. der Pop Akademie etc. ein?

Rühl: Zunächst gab es da hinsichtlich von Konzertveranstaltungen auch schon Kooperationen. Wie das Thema Pop in diesem Zusammenhang in Mannheim platziert wurde, ist vorbildlich. Ansonsten sollte man jetzt mal fünf Jahre abwarten und dann sehen wie es bis dahin gelaufen ist. Ich habe da schon Zweifel ob sich diese berechtigte Anfangsenergielange hält. Das kann viele Gründe haben, etwa die in der Pop Akademie vermittelten Inhalte. Mannheim ist in anderen popkulturellen Angeboten sehr gut aufgestellt, die Pop Akademie ist da ein guter Zusatz. Aber Mannheim bei diesem Thema auf diese zu reduzieren, fiele mir nicht ein.

ra: Was wäre denn ein Traum-Booking für Sie?

Rühl: Eine sehr schwere Frage. Zwei Sachen: Das Ensemble Modern aus Frankfurt, das ist ein Projekt von Heiner Goebbels, da arbeiten wir dran, das könnte mit Enjoy Jazz auch klappen. Und, na ja, ich würde Robbie Williams einfach gern mal als Person erleben. Der ist so unfassbar und schillernd und wirkt dabei gleichzeitig oft auch sehr bodenständig. Das ist ein so medienvermitteltes Bild. Björk wäre auch toll. Na ja, Heiner Goebels ist erreichbar, Robbie Williams ist Spinnerei, aber Björk könnte man sich zumindest vorstellen, dass das mal in erreichbare Nähe rückt.

ra: Das wäre uns auch recht. Robbie Williams würde vielleicht seine After Show Party in der Feuerwache machen, nachdem er auf dem Maimarkt gespielt hat.

Rühl: Auch dafür wären wir zu haben.

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