goldenes jubiläum 50. Support Your Scene im Sinkkasten

Von . Veröffentlicht am Dienstag, 15. März 2005

Am Freitag, den 11.03.2005 war es wieder mal soweit, Support Your Scene ging mit vier Bands und ca. 350 zahlenden Gästen in die 50 Runde. (Apnoe, die im Sinkkasten ein Heimspiel hätten abliefern können, mussten ihren Auftritt aus nicht bekannten Gründen absagen.)

Schon kurz nach Einlass um 19.30 Uhr füllte sich der Laden relativ zügig, vorerst mit auffallend jungem Publikum, manche offensichtlich noch nicht einmal in einem personalausweisfähigem Alter. Als Grund dafür entpuppt sich der um kurz nach 20 Uhr beginnende Auftritt des Alternative-Trios "Drobe", die mit ihrem Durchschnittsalter von 16 Jahren an diesem Abend die Youngsterrolle übernahm. Die Jungs gehen mit einem sehr soften, psychedelisch angehauchten Instrumentalstück an den Start, der Sound kommt wirklich sauber und druckvoll rüber, etwa 15 der früh angereisten Drobefans schlendern jetzt immerhin zum Tanzflächenbereich vor der Bühne. Frontkappe Patrick appelliert jetzt noch an den Rest der Anwesenden, macht Werbung für die am heutigen Abend zu erwerbende 4 Track-CD und los geht es mit dem nächsten Lied. Leider wird Patricks Bitte, für mehr Stimmung zur Sorgen an diesem Abend nicht erhört, ein paar weibliche Teenies hüpfen aufgesetzt durch die Gegend, nach jedem Song gibt es wohlverdienten Applaus zu hören, aber mehr auch nicht. Dabei weiß der Alternative Sound wirklich zu Gefallen, bei dem die gesanglichen Parallelen zu einem gewissen Herrn Cobain nur schwer zu leugnen sind. Sie haben mit der Poleposition im Gegensatz zum Motorsport nicht gerade die beste Ausgangslage gezogen und absolut gelungene Ohrwürmer wie "Dream" oder das sehr groovige "America" hätten ein größeres und begeisterungsfähigeres Publikum verdient.

Als 2. Band entern die Emocoreler "The Coffin Drive" die Bühne. Erst wird noch mal schnell die Aufregung durch fleißiges Zigarettenrauchen kompensiert und los geht es um 21:20 mit einem Sound der auf einmal so vermurkst klingt, als höre man Flugzeugen beim Starten und Landen zu. Vor allem die Snare von Drummer Radek geht in dem matschigen Sound absolut unter. Zum Glück bleibt dieser Zustand nur die ersten 2-3 Lieder bestehen und die Jungs wissen dieses Malheur durch überzeugendes Stageacting auszubessern. Der Sänger wickelt sich stilecht das Mikrokabel um die Pfoten, singt und brüllt sich durch die insgesamt 10 Lieder, als wenn es sein letzter Abend wäre, und kommt dementsprechend auch gut ins Schwitzen. Im Gegenzug dazu kommt das übertriebene Posing von Gitarrist Dominik eher unfreiwillig komisch rüber, aber trotzdem muss man ihm lassen, dass er dafür noch gut am Zocken ist, und den ziemlich tiefen, schweren Sound durch sein hochfrequentes Gefrickel abzurunden versteht. Den Leuten gefällt es sichtlich, die Fläche vor der Bühne ist wesentlich dichter gefüllt als bei Drobe, und manche lassen sich zu den Midtempo bis schnell gehaltenen Songs zu amtlichen Pogoeinlagen inspirieren. Daumen hoch für die Jungs aus Friedrichsdorf.

Um 22.15 ist es dann Zeit für die Jungs & Mädels von "Pillow Fight Club" die aufgewärmte Masse bei Laune zu halten, die jetzt mittlerweile die gesamte Fläche vor der Bühne einnimmt. Sängerin Valentina hat sichtlich Spaß und kann den jeweiligen Songs durch ihre leicht schlangenartigen Bewegungen und theatralische Mimik noch mehr Ausdruck verleihen. Spätestens beim 4. Lied das sehr balladesk anmutet und Valentina eindrucksvoll in giftgrünem Scheinwerferlicht zur Geltung bringt, bekommt man schon eine richtige Gänsehaut. Manchmal dürfen auch Bassistin Isa und Gitarrist Thorsten ans Mikro, um den eingängigen Rocknummern mit starkem Wiedererkennungswert noch mehr "Stimme" zu verleihen. Ich glaube, ich bin an diesem Abend nicht der einzige, der sich fragt, ob dass wirklich sein muss.

Weniger ist manchmal mehr. Nichtsdestotrotz wird zu Liedern wie "New Resources", "Overdrive" und insbesondere dem deutschsprachigem Lied "Gurkenmenschen from Hell" mächtig getanzt und gefeiert. Thorsten, der übrigens Initiator der Support your Scene Veranstaltungen ist, bedankt sich beim Publikum, freut sich über die Tatsache, dass heute Support your Scene zum 50.Mal stattfindet und macht natürlich Werbung für die PFC-CD "Heart-Shaped Bombs", die an diesem Abend für 5 Euro zu erstehen ist. Valentina & Co. können mit diesem Auftritt auf jeden Fall zum Kauf ihres Debüts anregen.

Um 23.15 heißt es für die letzte Band "Melonballs" an den Start zu gehen. Die "Powerpokerpunker" aus Hofheim sind doch häufig sehr flott unterwegs und lassen instrumental teilweise an Nofx ohne Trompete erinnern. Die Masse hat sich nach Pillow Fight Club zwar ein wenig verflüchtigt, aber das tut der Stimmung absolut keinen Abbruch. Die Musiker geben ein beachtlich tightes Zusammenspiel zum Besten und sind auch optisch eine liebenswerte Truppe. Der Sänger hält immer schön Kontakt zum Publikum und kommt zwischen den Songs mit seinen Scherzen, bei denen auch seine Bandkollegen herhalten müssen, sympathisch rüber. Der Bassist sprengt größenmäßig locker die Zweimetermarkierung und steht auf Grund der dadurch eingeschränkten Bewegungsfreiheit auf der Bühne dem Sänger in nichts nach. Melonballs spielen mit ihren 8 Gute-Laune-Speed-Punk-Songs die kürzeste Setlist an diesem Abend, kommen aber auch zeitlich genau an den Punkt, an dem Schluss mit dem livehaftigen Frohsinn sein muss. Es ist 24.00 Uhr und die noch zahlreich Anwesenden lassen es sich zu Musik aus der Konserve gut gehen. Der Abend hat sich gelohnt.


Tobias Krick

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