einen stock tiefer in karlsruhe Interview mit dem Substage

Von Gerald Merkel. Veröffentlicht am Freitag, 10. Dezember 2004
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Substage

Unterirdisch ist das Substage in Karlsruhe nur im wahren Sinn des Wortes. In der ehemaligen Fußgängerunterführung gibt internationale Feinkost die Klinke Karlsruher Frischkost in die Hand. regioactive.de sprach mit Geschäftsführer Gérald Rouvinez-Heymel.

RA: Eure Arbeit wurde dieses Jahr schon gebührend gewürdigt. Das Pop: Forum hatte einen Club Award ausgeschrieben in dessen Rahmen das Substage den Preis für den besten geförderten Club eingeheimst hat.

Substage: Genau. Das Substage ist von der Stadt gefördert. Dafür machen wir regionale Förderung, insbesondere kümmern wir uns um Proberäume, das heißt wir verwalten Proberäume für die Stadt. Wir sind auch im Popnetz und vielen anderen Projekten aktiv.

RA: Das heißt die Aktivitäten des Substage gehen über die eines Clubs doch weit hinaus.

Substage: Richtig. Das ist nicht so bekannt, aber das war von Beginn an das Konzept.

RA: Ihr seid ein eingetragener Verein?

Substage: Ja. Entstanden ist das 1990. Die Idee kam vom Dachverband der Rockmusiker, bei dem ich damals dabei war. Hintergrund war eine Lokalität zu finden und die Stadt hatte diese ehemalige Unterführung schon seit Jahren als Raum, den sie gerne losgehabt hätte. Hinzu kam Unterstützung durch die Sparkasse anlässlich des 275jährigen Stadtjubiläums. Die Gelegenheit kam also gerade richtig. Die ersten zwei Jahre war das Substage dann städtisch, ich war also bei der Stadt angestellt und 1992 haben wir den Verein Subway Rockkrampe e.V. gegründet und das Substage so ausgegliedert.

RA: Du bist also schon immer dabei?

Substage: Ich bin Papa und Mama dieser Geschichte. Am Anfang gingen meine Aufgaben vom Kloputzen bis zur Kultur. Mittlerweile habe ich ein gutes Team und ich kümmere mich hauptsächlich um politische Lobby, Finanzierung etc.

RA: Und mittlerweile kann man ohne weiteres behaupten, dass das Substage der führende Club in Karlsruhe ist.

Substage: Kann man. Wir sind dabei gar nicht so viele. Mit mir drei Festangestellte, ein Techniker und ein Booker. Alles andere sind Studenten, z. B. hinterm Tresen, das sind noch so 15 Leute.

RA: Ich habe gehört, dass ihr möglicherweise umziehen müsst?

Substage: Das stimmt. Zur Zeit ist von 2007 die Rede. Es gibt zwei Gründe, die dazu führen könnten. Der eine hängt mit einer Unterführung für eine Straßenahnlinie zusammen. Die andere Sache ist, die Möglichkeit, dass Karlsruhe 2010 Europäische Kulturhauptstadt würde. Dann wird auf dem Schlachthofgeländer ein neuer Kulturpark entstehen. Da wären wir dann dabei.

RA: Bedeutet das, dass die Existenz des Substage einigermaßen gesichert ist?

Substage: Nein. Es hängt von diesen beiden Möglichkeiten ab. Wenn Karlsruhe nicht Kulturhauptstadt und das mit der Straßenbahnunterführung aktuell wird, haben wir ein Problem. Andernfalls bleiben wir hier und warten ab was 2010 geschieht. Wir sind hier schon zufrieden, trotz einiger Mankos. Die Lüftung und die Lichthöhe sind nicht optimal, das würden wir in einem anderen Club anders machen. Ansonsten würden wir, was das Ambiente angeht, gern hier bleiben. Das Substage lebt von der Nähe des Publikum zum Künstler, und wir müssten schon versuchen diese Clubatmosphäre wieder herzustellen, wenn wir umziehen sollten. Am liebsten wäre mir, wir gingen wieder unter die Erde, das hat sich bewährt, sozusagen auf Rattenhöhe.

RA: Das Substage ist also aus einer Initiative des Dachverbands für Rockmusiker gewachsen. Wie begann das dann mit den Konzerten hier?

Substage: Es gab drei Jahre Vorarbeit in der Musikerinitiative und wir machten auch schon 2-3 Konzerte im Jahr. Es war dann eine ziemliche Herausforderung mit 2-3 Konzerten in der Woche zu starten. Es war zwar chaotisch aber auch euphorischer. Inzwischen sind wir natürlich routinierter geworden. Aber auch wenn mittlerweile mehr Routine dabei ist: Wir haben ein sehr gutes Klima. Wir sind zum Teil selbst Musiker, die Mitarbeiter suchen auch mit die Acts, die hier spielen aus, wir sprechen die gleiche Sprache, wie die Künstler, die hier auftreten. Und das ist uns auch wichtig, das pflegen wir sehr, auch mit entsprechendem Catering. So sind uns auch viele Bands, die eigentlich zu groß fürs Substage geworden sind, treu geblieben.

RA: Angst vor großen Namen habt ihr in der Tat nicht. Von Sepultura über Donots bis Fischer Z, die Liste ist sehr lang.

Substage: Was ich nicht gern mache, ist in größere Hallen zu gehen. Das bringt auch für das Renomeé des Clubs nicht wirklich viel. Die Leute bekommen gar nicht mit, von wem so ein Konzert veranstaltet wird. Ab und zu machen wir so was, z. B. in der Festhalle. Das kann auf Grund der Einnahmen ganz gut sein aber auch wegen der Agentur-Kontakte.

RA: Kannst du in den letzten 14 Jahren große Veränderungen in dem Business ausmachen?

Substage: Nein, es geht auf und ab. Wir haben uns auch professionalisiert. Früher hatten wir keine festen Booker, d.h. wenn die damaligen Booker mit dem Studium fertig waren, gingen sie, auch weil vielleicht kein Geld für ein Festanstellung da war. Jetzt haben wir einen festen Booker, der sehr engagiert ist, Musiker können bei ihm übernachten etc. Es ist auch deshalb wichtig, jemand festes zu haben, weil sonst die Kontakte zu Agenturen mit jedem Wechsel verloren gehen.

RA: Abgesehen von größeren Acts bietet ihr aber auch kleineren, lokalen Bands eine Bühne.

Substage: Ja, wir haben verschiedene, aufeinander aufbauende Reihen. Da wäre "Schule rockt", das ist wirklich Schülerpublikum und meistens sehr voll, voller als später (lacht), wenn sich dieselben Bands dann etwas etabliert haben. Dann haben wir ein Newcomerfestival, die nächst-professionellere Stufe. Dann noch das Emergenza Festival, auch eine Treppe höher. Einmal im Monat haben wir "They might be stars" mit drei lokalen Bands, was sich sehr bewährt hat und für so 300 Zuschauer gut ist. Es gab Zeiten, in denen es schwerer war mit Karlsruher Bands Publikum zu kriegen.

RA: Hast du den Eindruck, dass die Bands dieses Publikum ziehen oder dass sich "They might be stars" als Marke schon so durchgesetzt hat, dass auch neugieriges Publikum kommt?

Substage: Beides, würde ich sagen. "They might be stars" funktioniert gut. Es gab eine Zeit, da wollten die Leute nur ganz große Sachen live sehen, das kam viel durch VIVA und MTV. Aber jetzt sind die Leute wieder neugierig auf kleinere Sachen für kleineres Geld. Jetzt versuchen wir das auch zu verändern indem wir zu jedem "They might be stars" eine auswärtige Band dazuholen. In Verbindung mit einer Art Bandaustausch, bei dem dann auch die Karlsruher Bands die Chance haben, woanders aufzutreten. Man braucht einen langen Atem für solche Reihen, aber es kann laufen.

RA: Karlsruhe bewirbt ich für die Europäische Kulturhauptstadt 2010 ... Wie sieht du die Entwicklung in der Nachbarschaft Mannheim?

Substage: Durch die Pop Akademie kann sich dort viel entwickeln. Mannheim ist ja von der oberen Rock-Infrastruktur besser bestückt als wir in Karlsruhe. Da gibt es einen Rock/ Pop-Beauftragten, den Musikpark, die Pop Akademie ... Hier wird viel kulturell gemacht, es gibt das Tollhaus, das Jubez, eben das Substage, Karlsruhe ist vielleicht auf dieser Ebene lebendiger.

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