Ein soulig-punkiger Doppelpack im Ludwigshafener Kulturzentrum dasHaus: King Khan, der indokanadische "Maharadscha of Soul", der schließlich in Europa strandete und derzeit im Vorprogramm der Beatsteaks auf Tour ist. Zweiter Packungsinhalt: Das Mannheimer Quintett Achtung Spitfire Schnell Schnell!!, seit Jahren berühm-berüchtigt für "Decent Soulful Garage Punk".

Um Spitfire war es die letzte Zeit aus familiären Gründen ziemlich ruhig, was Gitarrist Götzilla und Schlagzeuger Alexx dazu trieb, die Panda Playschool ins Leben zu rufen. Diese Woche jedoch erwachten die Spitfires aus dem Winterschlaf. Die Möglichkeit vor einem echten König aufzuspielen und zwei Tage später mit den Schogettes Frankenthal zu rocken, war wohl zu verlockend. Sixties-Garage für die Hüfte, die Band nimmt ihren Anheizer-Status beim Wort und legt einen ebenso kurzen wie guten Gig hin. Songs, denen man vielleicht vorwerfen kann, dass man bei jedem meint, ihn schon gehört zu haben, aber was soll's, so frisch, dass die letzten 40 Jahre nicht ins Gewicht fallen. Das Wortungetüm "Decent Soulful Garage Punk" beschreibt tatsächlich und ziemlich exakt was Achtung Spitfire Schnell Schnell!! treiben.

Nach kurzer Umbaupause entern acht Musiker die Bühne und das Publikum drängt sich ins erste Drittel des Konzersaals als ob's Adelstitel für umme gäbe. Dabei gibt's noch nicht soviel zu sehen. Die Band, gut, alles was man braucht, Bläsersatz, Drums und Percussion, die ein oder andere Haifisch- oder wohl eher Alligatorzahnhalskette. Auch ist das Gesicht des Percussionisten weiß bemalt. Dann jedoch teilt sich die Menge und die verführerische Bamboorella und King Khan schreiten zur Bühne. Der Maharadscha angetan mit weiß bemaltem Gesicht und den Zeichen seiner Würde, als da wären Voodoostab (der im französischen Colmar vermittels eines einzigen Schlages ein Erdbeben ausgelöst haben soll) und eine Pickelhaube.

Nun folgen Okkultismus, Soul und R&B, Spiritualität, Cajun und Boogaloo, Schamanismus, Stax und Motown, Brahmanentum, halluzinogene Transzendenz und Punkrock der ersten Stunde. Der Zeremonienmeister, der Voodoo zu praktizieren begann um seine sexuellen Fantasien zu erfüllen – nach wie vor auch einer der vornehmeren Gründe den R'n'R zu spielen –, regiert Band und Publikum mit der Souveränität eines Mississippi-Alligators. Was Musik und Spektakel angeht, wäre George Clinton absolut einverstanden mit diesem Abend. Das Zepter wird nicht aus der Hand gegeben und die Band jagt ihren Herrn und Meister mit einem schwül-brodelndem Soundgemisch nach vorn, Ehre wem Ehre gebührt. Dazu schwingt die verführerische Bamboorella, die japanische Go-go-Tänzerin hinter der sich der berühmte Rock'n'roll-DJ Kitty Atomic verbirgt (sie tauschte ein Leben mit Verbrechen, Sex und Drogen gegen ein Leben mit Rock'n'roll, Sex und Drogen), unablässig aufreizend ihre Putzwedel.

Mr. Supernatural (so der letzte Albumtitel) zeigt von Ludwigshafen aus der Soulcity Mannheim wie das mit dem Soul eigentlich gemeint ist und verabschiedet sich wieder in Richtung Beatsteaks-Tour. Sollten die Beatsteaks nächstes Jahr ein von Voodoo-Soul angehauchtes Album aufnehmen, mit weiß bemalten Gesichtern auftreten und Alligatorzähne um ihren Hals tragen, würde mich das wenig wundern.

Gerald Merkel

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