11 auf der richterskala

Thorn Eleven

Review/Bericht vom 28.10.2004 | Autor: Gerald Merkel

Tags: Thorn Eleven  

 

 

Das "Old Vienna" wollte eigentlich lediglich in Kooperation mit regioactive.de die Tradition seiner Dienstags-Konzerte aufleben lassen – Passanten mussten aber wohl davon ausgehen, dass sich der Taifun Tokage von Japan in die U-Quadrate verirrt hat.

Die Gemeinsamkeit der Heidelberger mit einem Taifun ist klar: Beide blasen alles weg. Im Unterschied zu Thorn.Eleven bringt man Taifune allerdings kaum mit Wörtern wie "filigran" oder "melodiös" in Verbindung. Während Taifune auf dem Festland allmählich an Stärke verlieren, lassen Thorn.Eleven keine Sekunde an Druck nach. Dafür herrscht trotzdem eine gewisse Milde, denn es wurde nicht nur ein äußerst zufriedenes Publikum sondern auch ein weiterhin nutzbares Old Vienna hinterlassen.

Skeptizismus im Vorfeld zum Trotz eignet sich das Cafe nicht nur für Akustik-Konzerte sondern bietet auch einer Band vom Kaliber und Härtegrad Thorn.Elevens einen passenden Rahmen, was 150 Zuschauer zu schätzen wussten – sollte sich das "Vienna Live" zu einer Reihe entwickeln, ein Auftakt nach Maß. Die Band wird ihrem Ruf mehr als gerecht: Drei Longplayer, Videorotation auf VIVA, Konzerte mit Slayer und ein Auftritt beim Bizzarre Festival sind nur einige ihrer Referenzen. Der Gig im Vienna zeigt einen Faktor für diesen Erfolge sehr deutlich: Der simple Spaß Live zu spielen. Auch nach solchen Stationen ist ein Gig wie dieser ganz offensichtlich nichts, was mehr oder minder lustlos auf einer Pobacke abgerutscht wird. Das Quartet legt sich ins Zeug, dass kein Auge trocken bleibt. Musikalisch wird Thorn.Eleven gern konstatiert, dass sie die Angehörigen der schreibenden (und damit Schubladen benutzenden) Zunft in den Wahnsinn treiben. Grunge, Rock, Metal, fließen da zusammen und egal wie man das Ergebnis nun nennt, es hat gewaltigen Drive. Sicherlich ist es keine Spekulation anzunehmen, der eine oder andere der Dornen habe eine Platte von Tool oder Helmet im Schrank, aber wahrscheinlich sind da ebenfalls AC/DC, Metallica und auch mal ein Stoner zu finden. Gitarre auf D getuned, anschnallen und ein Set, das keinen Moment an Energie nachlässt. Brachialität, über der der melodiöse Gesang David Beckers liegt, der zur rechten Zeit aber auch shoutend alles aus seinen Stimmbändern rauszuholen weiß. Den vieren, allen voran Matthias Heinz an der Gitarre, ist die Freude an jedem Break und jedem Stopp anzusehen, und sie lassen keine Gelegenheit dazu aus. Aus einem Guss, da wackelt nichts, schneidend und präzise jeder Übergang. Thorn.Eleven laufen wie ein Uhrwerk, allerdings eins mit einem kräftigen Schuss Emotion.

Um noch mal auf die Taifun-Chose zurückzukommen: Was dem Publikum ins Gesicht blies war ein heftiges aber nicht unangenehmes Lüftchen, das Cafe war der Angelegenheit auch soundtechnisch gewachsen. Wiewohl aus zuverlässiger Quelle zu erfahren war, dass dieser Abend den Ruhm des lautesten Vienna-Konzertes ever einheimsen kann. Der Nachbarschaft war es dann wohl auch zu stürmig, vorzeitiger Abbruch wegen Polizeibesuch lag mit zunehmender Intensität in der Luft. Am Ende konnte allerdings noch einer draufgesetzt werden, obwohl die Band schon ein furioses Finale abgeliefert hatte. Sturmentwarnung in dieser Hinsicht, machte nichts, die Dornen hatten noch eins in Petto.

Also ein Abend wie man sich's wünscht, Thorn.Eleven hinterlassen ein gut durchgeblasenes Publikum, passend zur Jahreszeit ein sicheres Mittel, um etwaig aufkommenden Herbstdepressionen aktiv entgegenzuwirken. Thorn.Eleven sind das nächste Mal im Cafe Central in Weinheim zu genießen: Am 28.12. im Rahmen einer Veranstaltung mit dem schönen Titel Weihnachtsrock, gemeinsam mit VP-1 und Kuepsch. Das wird ein Fest. Im Old Vienna darf man sich zunächst auf den 23.11. freuen, wenn es mit Panda Playschool garagig-krachend zur Sache geht.

Gerald Merkel

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