Bus, Bahn und Siebennmeilenstiefel sind so die Utensilien, die's braucht fürs Open Sound. Außerdem noch Taucheranzug, denn wir waren Fische. Der Musikpark hatte ein recht sattes Programm und bot sich so als Basisstation für regioactive.de an. Ausflüge gab's unter anderem in den Wasserturm, in die Feuerwache und ins Tig7.

Nachdem Kokoon krankheitsbedingt leider ihr Konzert im Musikpark abgesagt hatten, ist unser erster Programmpunkt das Mannheimer Wahrzeichen, der Wasserturm. "Wir sind Fische" ist das Motto der ca. 10minütigen Vorführung. Lichtinstallation, ein paar Meter unter uns ein stelzenbeiniger Mime, der ein Fischernetz schwingt, dazu elektronische Sounds von Marcus Friedel (Eluse), die, mit blubbernden Unterwassergeräuschen versehen in ein Remix des Pop Forscher-Songs "Wir sind Fische" übergehen. Dazu schwebt ein Delfin (kleiner Schönheitsfehler: Delfine sind zwar unter den Meeresbewohnern die Sympathieträger Nr. 1 aber keine Fische. Anm. d. Besserwisser) langsam von der Decke herunter. Ein grimmiger, messerwetzender (Fisch-)Metzger stellt für den Delfin keine Gefahr dar, denn der erkennt des Schlächters weichen Kern und zeigt ihm wie die (vermeintlichen) Fische küssen – Happy End und ein schöner Auftakt für die lange Nacht der offenen Geräusche.

Dann geht's mit der neuesten regioactiven Errungenschaft, dem "Feiermehr"-Auto, zurück in den Musikpark, wo Perception aus Siegen ihren Gig starten. Die drei Jungs und Frontfrau Yasmin gehen steil nach vorn, haben allerdings leider unter dem verbesserungswürdigen Sound zu kämpfen. Die Feinheiten dieser interessanten Band gehen so leider verloren und die NuMetal oder Guano Apes-Schiene überwiegt, anders als auf ihren angenehm weired und abgedreht wirkenden Studioaufnahmen. 

Soviel zur Bestandsaufnahme Musikpark, zurück durch die lau(t)e Sommernacht (jaja, war so) ins restliche Geschehen und zurück ins nasse Element. Es hat uns letztes Jahr schon gut gefallen und hält den Standard: Cafe Del Aqua im Herschelbad. "Wassermusik" des französischen DJs Raphaël Marionneau und die  Synchronschwimmerinnen des VWM Mannheim gehen hier eine sehens- und hörenswerte atmosphärische Symbiose ein. Die Lichtinstallation ist neu konzipiert und die Nixen sind mittlerweile Wasserballett-Vize-Weltmeister. Und genau wie im Vorjahr wirkt ihre muskelübersäuernde Choreographie relaxed und selbstverständlich. Gerne auch im nächsten Jahr.

Die Feuerwache, die alte Dame des Open Sound, beherbergte dieses Jahr Phazz-A-Delic & Friends. Das Label des De-Phazz-Machers Pit Baumgartners und Haluk Peters gehört zu den musikalischen Highlights der Region, Pit Baumgartner selbst umschreibt das Label mit der Produktion und Verbreitung von "Adult Pop". Sein Partner Haluk Peters denkt gerne an eine Experimentier-Plattform im Stile der Warhol'schen Factory. Das Ergebnis wurde den Samstag Abend über in der gut gefülltren und ständig frequentierten Feuerwache präsentiert. Als das regioactive.de-Feiermehr Auto dort aufschlägt, ist noch Lessansmono zugange, wenn auch nicht zu Phazz-A-Delic gehörend, so doch sicher nicht unpassend: HipHop-Soul-Jazz mit deutschen Texten, die Stimmung ist allerdings noch sehr loungig und zurückhaltend. Den Gesetzen des Open Sound folgend verlassen wir das Geschehen, mit dem Gefühl, dass der Abend in der Feuerwache erst richtig losgeht.

Im Musikpark war der Abend zu dieser Zeit schon mittendrin. Die verschiedenen Floors waren (mal mehr mal weniger) gut frequentiert und der Perfomanceraum bei den alten Bekannten Cinnamon Loves Candy (e-motion.music) ordentlich voll. Neben der Tatsache, dass die süßlichen Brit-Rocker um Sänger George mal Publikum hatten, wie sie es verdienen, war besonders erfreulich, dass der Sound endlich mal ansprechend war – es geht doch. Was sich die Cinnamons zu Nutze machten indem sie eine ordentliche Show ablieferten, die neben den Songs ihres klasse Albums "You Rock My Day, Sugar" auch etliche neue Stücke enthielt.

Die nächste Station ist einigermaßen umsonst, denn das Tig7 ist beim Auftritt der Schogettes eine Nummer zu proppenvoll. Scheint gut gewesen zu sein da drin, wie man so hörte. Was ich gern glauben will, zumindest nach dem was vom Motown From The Bottom Of Their Dirty Souls der Damen in den Vorraum drang.

Also back zum Park de la Musiqua, wo der Neckarstädter Sprachtot, Rapper des Musikpark-Labels Roh-lexx, seine Rhymes aus dem Ärmel schüttelt. Sprachtot auf der Bühne ist ein Fels an Credibility in der Brandung und sein Vortrag hat Flow genug um zu spontanem Kopfnicken zu animieren.

Der Musikpark ist mittlerweile von oben bis unten voller Leben, vom Erdgeschoss ansteigend bespielt von "Lovarro & Styles" (House), Reaggae-Tunes im 2. OG, eins höher DJane Beaty (Alternative Grooves) und Und DJ Spy (Deep House bis Rockabilly). Im Performanceraum spielen sich Deafen Goblins durch die Rock Hits der vergangenen 20-30 Jahre, prall gefüllt und mitklatschendes Publikum, zumindest nach dem was ich sagen kann, bevor mich eine Version von "Eye Of The Tiger" mit Vehemenz aus dem Raum jagt.

Endstation nach Maß: Die S.U.I.T.E. "Morning Sounds" und die Deko im Bionic Art Style – Psychedelic ahoi, man muss nicht mehr viel dazu sagen. Verlässlichen Berichten zufolge ging der Spaß (mindestens) bis neun Uhr morgens, exakte Beschreibungen der Vorgänge lassen sich allerdings nicht mehr rekonstruieren. Schön war's.

Gerald Merkel

Kommentare

Kontakt | Über regioactive.de | Jobs | Backstage | Partner | Mediadaten | Presse