...und hatten die pest an bord ...
Bands On Board: Erfolgreiche Jungfernfahrt
Review/Bericht vom 06.09.2004 | Autor: Sven Kehl
Tags: Bands On Board
Review/Bericht vom 06.09.2004 | Autor: Sven Kehl
Tags: Bands On Board
Bis auf den letzten Stehplatz im Maschinenraum ausgebucht, tief im Wasser liegend und mächtig unter Strom stehend, schipperten 220 BOB-Fahrer von Mannheim nach Heidelberg und zurück. Die BOBs: Love Linus, Cinnamon Loves Candy und Brand New Jersey, glückliche BOB-Eltern: regioactive und emotion.music.
Beinahe zierlich liegt sie am Anlegesteg, blütenweiß und noch allzu unbedarft in Sachen Live-Rock, die stolze Kurpfalz. Gegen 20:00 Uhr heißt es "Leinen Los". Anfangs tummelt sich ein Großteil der 200 Gäste noch zaghaft abwartend auf den zahlreichen offenen Decks und genießt den gottlob regenfreien frischen Fahrtwind, bevor, dem lazy Summerfeeling entsprechend, Love Linus den Reigen der drei Bands On Board eröffnen. Unterstützt von Ian Fullwood am Saxophon (The Garden, The Wright Thing) perlen die entspannt emotionalen Songs des Trios über das Schiff und sorgen auf dem engen Mitteldeck für Atmosphäre. Piano, Gitarre und Max Mury's ausdruckstarke Stimme leiten den musikalischen Teil der Großen Fahrt lässig ein.
Die Umbaupause gehört DJane Beatty, die vom Unterdeck aus den Rudertakt vorgibt und längst vergessen geglaubte Alternativekracher der letzten 30 Jahre kombüsenfrisch serviert. Die Nacht senkt sich langsam aber sicher über das Schiff und beschert den auf Deck Ausharrenden einen wunderschönen Mondaufgang. Vorhang auf für die zweite Band O.B: Cinnamon Loves Candy. Die Sechs vom Süßwarenladen drehen ihre Amps gleich einige Grade weiter auf und bieten ihre charakteristische Melange aus beatlesken Popharmonien und Alternative-Metal dar. Mit einigen neuen Songs im Seesack, die nach einhelliger Meinung zahlreicher Anwesender sicheres Hitpotential besitzen, rocken Cinnamon den Kahn zielsicher durch die Nacht. Abkühlen ist derweil auf dem Oberdeck angesagt und der Warnung des Kapitän's vor niedrigen Neckarbrücken verdankt manch Piratenschulter ihren Kopf – Hasenfußrennen auf dem Neckar. Die obligatorischen Kates und Leos proklamieren am Bug stehend ihre Regentschaft über die Wasserwelt und allseits strahlen die Gesichter selig und von der rauen Neckarluft frisch gegerbt in Richtung des illuminierten Heidelberger Schlosses. Wende an der Alten Brücke und zurück geht's stromabwärts auf und durch die Kurpfalz.
Brand New Jersey schießen dann die Möwe ab und schippen noch mal kräftig Kohlen nach. Der Raum platzt mittlerweile aus allen Nähten und ähnelt mehr einem dampfenden Kellerclub denn einem Mitteldeck. Irgendwo zwischen College, Emo und Powerpop bewegen sich die Sinsheimer absolut souverän auf ihrem musikalischen Terrain und sorgen auch noch am Ufer für einigen Trubel und johlende Zaungäste. Die Stimmung ist auf dem Siedepunkt angekommen, die ersten erschöpften Leichtmatrosen haben es sich mit dem vorerst letzten Bier auf Unter- oder Oberdeck gemütlich gemacht und genießen im angenehm kühlen Fahrtwind den Blick auf den blinkenden Fernsehturm und die hell erleuchteten Neckarufer. Noch eine letzte Wende am Musikpark und um 01:00 nimmt der Spaß an der Kurpfalzbrücke leider schon sein (vorläufiges) Ende. B.O.B. – ein souveräner Stapellauf und sicher auch im Sommer 2005 wieder am Start.
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Sven Kehl
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