Das seit 30 Jahren existierende Finkenbach Festival steht vor dem Aus. Zu wenige Zuschauer verirrten sich am letzten Juli-Wochenende in den Odenwald. Den Grund dafür sehen Festivalbesucher wie Veranstalter in der massiven Polizeipräsenz, die seit Jahren vor, während und nach dem Festival aus dem idyllischen Ort im Odenwald eine Art Truppenübungsplatz macht.

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Das von Guru Guru-Mastermind Manni Neumaier und örtlichen Vereinen initiierte Festival gilt als Musterbeispiel für einen Gegenentwurf zu Massenveranstaltungen à la Rock am Ring und ist ein Melting Point für relaxte Hippiekultur. Seit 1999 muss sich das Publikum auf massive Polizeikontrollen bei An- und Abreise einstellen. Auslöser ist laut Staatsmacht ein Beitrag einer Heidelberger Underground-Postille, in der das Finkenbach Festival im Zusammenhang mit dem Betäubungsmittelgesetz zur "gesetzesfreien Zone" erklärt wurde. Wohlgemerkt keine Publikation der Veranstalter. Ebenso sollte erwähnt sein, dass es laut Veranstalter in 30 Jahren zu keinem Anlass (Schlägereien, Autounfälle, Notfälle wegen drogenbedingten Gesundheitsproblemen) auf oder im Zusammenhang mit dem Finkenbach Festival kam, der einen derartigen Aufmarsch der Ordnungshüter rechtfertigen würde.

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Nichtsdestotrotz mussten sich Veranstalter wie Publikum daran gewöhnen, dass seit 1999 bei An- und Abreise sämtliche Zufahrtsstraßen hermetisch abgeriegelt wurden und beim kleinsten Verdacht (der z. T. allein in der Absicht das Festival zu besuchen bzw. in der Tatsache dort gewesen zu sein, erfüllt ist) penible Personenkontrollen mit entsprechenden Folgen (Urin- und Blutproben) durchgeführt wurden. Ebenso wie daran, dass auf dem Festivalgelände Polizeitruppen aufmarschierten.

Dieses Jahr lieferten sich die Ordnungshüter einen Exzess. Allein die Zahlen sprechen Bände: Auf 3500 Besucher kamen 350 Polizisten. Dies trotz etlicher Absprachen zwischen Veranstaltern und Behörden weit im Vorfeld. So wurde das traditionelle Pilzplakat "entschärft", die Kooperation mit der Polizei auf der Homepage ( www.finkenbach.de - die Gästebucheinträge vermitteln ebenfalls einen guten Eindruck rund ums FF) angekündigt, Shuttle-Busse eingesetzt und sogar die Programmstruktur überdacht. Um das Hippie-Image zumindest aufzulockern, spielten dieses Jahr z. B. Acts wie Busters und Rolf Stahlhofen. Hauptact am Samstag war Gentleman.

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Der Effekt dieser Absprachen mit den Behörden war folgender: Noch massivere Einsätze als in den Jahren zuvor, Kontrollen, die sich über fast zwei Wochen um das Festival herum durchzogen, nicht nur auf sämtlichen direkten Zufahrtsstraßen, sondern auch weitläufig um Finkenbach herum und auch in den Shuttlebussen. Außerdem Polizeieinsatz mit Hundestaffeln direkt auf dem Gelände. Nebeneffekt für die Veranstalter: Ein absolutes Besucherminus im Vergleich zu den Vorjahren, trotz attraktiverem Programm und fantastischem Wetter. Ergebnis des Aufwandes: Die Sicherstellung von 140 g THC! Davon 37 g auf dem Festivalgelände. Im Gästebuch wurde dies als "vermutlich teuerstes Hasch der Weltgeschichte" treffend kommentiert.

Die Umstände, dass die Polizeipräsenz trotz der Kommunikation mit den Veranstaltern intensiviert wurden – auch in den Bussen - und dass samstagsnachts keine Kontrollen stattfanden, dafür aber durchgehend sonntags, sprechen auch nicht für das eigentliche Argument der Polizei, das der Verkehrssicherheit. Vielmehr für die klare Absicht ein gewachsenes Festival, das von der sogenannten Subkultur ebenso getragen wird wie von örtlichen Vereinen, langsam aber sicher vor die Hunde gehen zu lassen. "Verkehrssicherheit" führt sich außerdem in Beziehung zu Veranstaltungen wie dem Erbacher Wiesenmarkt oder dem in früheren Jahren parallel zum Finkenbach stattfindenden Schmuckerfest selbst ad absurdum. Man kann sich vorstellen, was derartig angelegte Kontrollen anlässlich eines größeren Volksfest auf dem Land für Auswirkungen haben würde – dann allerdings Otto Normalerverbrauchers Führerschein und keine dahergelaufenen Besucher eines "Hippiefestivals" treffen würden.

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Das Finkenbach Festival wird in der bisherigen Form im nächsten Jahr aller Wahrscheinlichkeit nach nicht stattfinden. Die Veranstalter haben trotz der schikanösen Kontrollen, die sich auch auf die Mitglieder des örtlichen Fußballvereins erstreckten, durchaus noch die Motivation, das Festival fortzuführen. Nur wie es weitergehen soll, ist im Moment völlig unklar. Sponsoring, Spenden etc. werden angedacht, wer sich darüber auf dem Laufenden halten will, wird sicherlich auf www.finkenbach.de fündig. Was der ursprüngliche Initiator Neumaier derzeit treibt, ist unklar. Gerüchten zufolge gedenkt Manni nach Japan auszuwandern.

Es stellt sich natürlich die Frage ob Sponsoring verhindern würde, dass die Polizei ihren unsinnigen Aufwand fortführt. Denn letztlich führen Veranstalter wie jahrelange Besucher, den Zuschauereinbruch auf die Präsenz der Staatsgewalt zurück. Unter Abzug aller Unwägbarkeiten eines Festivals, das seine Programmstruktur – wenn auch nur geringfügig - ändert. Und klar: Auch jemand, der an Rauschmitteln kein Interesse hat, möchte sich nicht bei An- und Abreise stundenlangen Kontrollen, denen letztlich ein Hauch von Willkür anhaftet und bei denen Urinkontrollen zum Standard gehören, aussetzen. Und war die Frage nach der Verhältnismäßigkeit in diesem Jahr eklatant, so war es in den vorrangegangenen Jahren durchaus nicht der Fall, dass gigantische Drogennester ausgehoben worden wären. Nach den finanziellen Kosten (die der Steuerzahler trägt) für diese staatliche Kraftmeierei zu fragen, kann in tiefste Depressionen treiben.

Bleibt dem Finkenbach Festival, das ein Stück einmaliger deutscher Festivalkultur darstellt, die Daumen zu drücken. Und diesem Staat ...

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P.S. Vor zwei Jahren wurde ich selbst Zeuge der Staatsmacht rund ums Finkenbach Festival. Sonntags morgens um 8.30. Die potentiellen Sünder wurden nach Hirschhorn ins dortige Feuerwehrhaus gebracht, wo das polizeiliche "Labor" zwecks Blutentnahme etc. aufgebaut war. In Punkto Verkehrssicherheit lässt sich gegen derartiges Vorgehen zunächst wenig sagen (außer, dass in der vorrangegangenen  Nacht auf gleicher Strecke keine Kontrollen stattfanden. Diejenigen, die ihren Rausch versuchten auszuschlafen anstatt sich nächtens bedröhnt hinters Steuer zu setzen – was im Odw. normalerweise kein Drama bezüglich zu erwartender Kontrollen darstellt - waren daher die Dummen). Aber folgende Fußnote: Mein Festivalgenosse und Fahrer unserer Staatskarosse (Blutabnahme wegen knapper Überschreitung von 0,5 Promille. Blieb letztlich folgenlos, da der Bluttest einen Wert weit unter 0,5 ergab) wurde dort zunächst sehr hartnäckig nach seinen Einkommensverhältnissen gefragt. Die in diesem Zusammenhang nichts aber auch gar nichts zur Sache tun. Nach der üblichen Prozedur sollte er schließlich an einem Augentest teilnehmen. Auf Nachfragen wurde ihm mitgeteilt, dieser sei für wissenschaftliche Zwecke. Nach hartnäckigerem Bohren war zu erfahren, dass dieser Test freiwillig sei. Welcher der wissenschaftliche Zweck denn nun sei, war nicht zu erfahren.
Aber das nur am Rande.

Gerald Merkel

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