Beats Around The Bush – das ist das frisch gegründete Label des Trios Herberger, Naidoo und Wandjo. Lokaler Stallgeruch: Die Firma sitzt im Musikpark Mannheim und hat mit Yvonne Betz und der Groove Guerrilla (erste Single "Miss Thing" am 16.08. veröffentlicht) zwei Acts aus Mannheim unter Vertrag. regioactive.de sprach mit Produzent Michael Herberger und Geschäftsführer Hubert Wandjo.

RA: Batb ist ein junges Label und die fünf unter Vertrag stehenden Künstler veröffentlichen zum Teil auch erst jetzt ihre ersten Sachen ...

Wandjo: Zum Teil. Es gibt uns seit über einem Jahr und die erste Veröffentlichung war die Single von "Zeichen der Zeit", die auch in den Charts war. Zwischenzeitlich hatten wir noch eine ebenfalls chartnotierte Veröffentlichung von Bintia. Von Yvonne Betz wurde gerade das Album veröffentlicht, von Groove Guerrilla die erste Single, und Bintias Album steht Ende August an. Außerdem haben wir noch Majestic 12, von denen wir allerdings noch nichts kommerziell veröffentlicht haben.

RA: Weshalb wurde der Groove Guerrilla-VÖ-Termin verschoben?

Wandjo: Man veröffentlicht keine Single ohne eine Basis zu haben. Wir hatten etwas Unterstützung durch den SWR, durch dessen Live-Geschichten. Man versucht das Video zu platzieren und den Rundfunk zu Airplay zu bewegen. Wenn gewisse Steine nicht ins Rollen gebracht wurden, tut man sich und dem Künstler mit vorschnellen Veröffentlichungen keinen Gefallen. Der Zeitpunkt muss einfach stimmen, sonst verschenkt man Potential.

Herberger: Diese Radio-Geschichte wird auch immer dämlicher. Jener Künstler passt in keines der vorhandenen Formate, der nächste passt zwar aber wird nicht gespielt, weil er neu ist (!). Dann heißt es: Das ist kein richtiger Sommersong. Selbst relativ populäre Starthilfen wie die Verbindung zu Xavier garantieren da kein Airplay. Soll ich mir die Radioleute ins Studio holen und von denen erklären lassen, wie Musik zu schreiben und zu produzieren ist, damit die Songs ins Radio kommen?

RA: Wenn man sich eure Künstler ansieht, stellt man fest, dass sie zwar alle im "kommerziellen" Sinn Frischlinge sind, aber seit Jahren Musik machen. Zufall oder Philosophie von Batb?

Herberger: Natürlich geht es bei Xavier, Hubert und mir als Entscheidungsträger auch um persönlichen Geschmack und einen Qualitätsanspruch, den man hat. Schneller Erfolg ist nicht unser Ziel. Der Künstler sollte schon das Potential haben, mehrere Platten zu veröffentlichen.

RA: Das heißt auch, dass sie ihre Songs selbst schreiben?

Wandjo: Natürlich bekommen sie durch das ganze Netzwerk, das hier um Naidoo/ Herberger existiert Support; im Studio und auch beim Schreiben. Das schon, aber sie müssen die Fähigkeit und die Erfahrung mitbringen, ihre eigenen Sachen zu schreiben. Wir "machen" keine Künstler, wir helfen nur, wenn's notwendig ist. Wir haben hier in der Gegend sehr viele gute Produzenten, mit denen wir zusammenarbeiten. Bei der Groove Guerilla wurde kaum Hand von uns angelegt. Michael war vielleicht mal beratend zur Seite gestanden, was man bei der Produktion noch optimieren könnte, aber ansonsten war das schon gut so, wie es war.

Herberger: Da geht es eher um die letzten 10 Prozent, darum wie man alles aus dem Song rausholt. Dadurch, dass die GG ja soviel live spielt, muss man da nicht mehr viel machen.

RA: Momentan habt ihr fünf Acts (GG, Yvonnte Betz, Bintia, Zeichen der Zeit und Majestic 12) unter Vertrag. Habt ihr eine Grenze, was euren Artist-Pool angeht? Auf wieviele Acts glaubt ihr, euch konzentrieren zu können?

Wandjo: Ich schätze, dass wir im Schnitt 10-8 Künstler haben werden.

RA: Wie wichtig ist bei der Auswahl eurer Acts Regionalität?

Wandjo: Majestic 12 sind aus New York, Bintia ist aus Berlin. Zeichen der Zeit ist eine kleine Community, die eher aus dem christlichen Bereich kommt und sich ständig verändert. Wir haben uns nicht auf die Fahnen geschrieben, nur Rhein-Neckar-Talente zu fördern. Wenn es aber irgendwie geht, dann selbstverständlich.

RA: Inwieweit ist denn die Popakademie direkt vor der Haustür eine Perspektive? Zumal in ihnen, Herr Wandjo, ja ein direkter "Link" zu dieser Institution besteht.

Wandjo: Sicher. Aber die Popakademie hat eben auch ihre Aktivitäten, Universal ist da ja Mitgesellschafter und hat da ebenfalls Einblick. Aber klar, wenn der dritte Jahrgang zu studieren beginnt, sind da ca. 75 Musiker und 15-17 Bands im Bandpool. Die jetzigen 25 Studenten machen ca. 10 Projekte, man kommt also auf 50 mögliche Konstellationen, die kann niemand komplett beurteilen und erfassen. Es ist auch nicht nur meine Person. Xavier ist ja Dozent an der Akademie. Für Backgroundgesang haben wir schon Studenten eingebunden, was es da noch alles an Verknüpfungen geben kann, wird sich noch zeigen.

RA: Die Musikindustrie ist derzeit am Heulen und Zähneklappern. Jetzt ein Label zu gründen, lässt doch einen unzeitgemäßen Optimismus vermuten?

Wandjo: Die momentane Ausrichtung ist unerfreulich. Alle, die professionell Musik machen, müssen davon leben und das ist momentan nicht so einfach. Das trifft uns auch, wir leben nicht in Saus und Braus. Sonst wären wir vielleicht auch nicht im Musikpark. Man muss den finanziellen Einsatz herunter- und den persönlichen hochfahren. Man wird das Risiko zwischen Künstlern und Labels, zwischen Kreativen und Verwertern stärker teilen. Die Frage wird sein, wer überhaupt noch in lokale Künstler investiert, im Moment setzen die großen Labels ihr Artist-Repertoire eher frei. Batb hat eine Kooperation mit Sony und auch wir sind nicht davor gefeit, dass die sagen: Wenn's nicht in einer anderen Schlagzahl läuft ... Die Leute, die die Gelder verwalten schauen im Moment sehr kurzfristig und daran wird sich so schnell nichts ändern. Beim Pop:Forum-Branchenmeeting war doch eine große Sprachlosigkeit der Spezialisten zu konstatieren.

Herberger: Das Problem hier ist auch die Wertigkeit. Musik ist nichts mehr wert, ich mach den Fernseher an und höre nur noch Schrott. Du bekommst überall Musik, sogar im Edeka. Die Leute sagen dir dann, dass 15€ für eine CD zuviel sind. Gleichzeitig zahlen dieselben 3€ für einen Klingelton! Tank mal für 15€. Oder geh Abends zu zweit weg und schau wie weit du für 15€ kommst. Eine CD kannst du dir 20 Jahre anhören. Da schreiben Leute in Foren von Musikern, dass deren neue Platte so super sei und ihr Leben bereichert habe. Und fragen im nächsten Satz, ob ihnen jemand die Texte schicken kann, da sie die CD offensichtlich gebrannt haben. Es will den Leuten nicht mehr in den Kopf, dass es viel Geld kostet, eine Platte zu manchen. Wenn man eine Newcomer-Patte für 20 000€ produzieren will – und das braucht man, wenn man erreichen will, das die CD hinterher auch nach etwas klingt, dann setzt das voraus, dass man sein eigens Studio hat, dort alles selbst macht und diese eigenen Kosten erst gar nicht einrechnet.

 

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Wer helfen will, dass sich so eine Investition zumindest im Fall der Groove Guerrilla lohnt, kann das (außer natürlich indem ihr die Single kauft) hier tun:


SWR3 Hörercharts - http://www.swr3.de/musik/charts/?navleft=charts

SWR3 New Pop Festival: Award für den beliebtesten Act - http://www.swr3.de/fun/events/newpop2004/award.html

Gerald Merkel

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