bastion im busch
Interview mit Contra'N-Beo
Interview vom 18.08.2004 | Autor: Gerald Merkel
Tags: Contra'N-Beo
Interview vom 18.08.2004 | Autor: Gerald Merkel
Tags: Contra'N-Beo
Das Contra ‘N ist eine feste Institution im Jungbusch. Den Aufkleber "Am Arsch warn wir ja schon immer" kennt wohl jeder, der sich einige Zeit in der einschlägigen Mannheimer Szene bewegt hat. Das Contra hat den Jungbusch geprägt, lange bevor von Popakademie oder Musikpark die Rede war. regioactive.de verbrachte zwei interessante Plauderstündchen mit Besitzer Beo in seinem Absinth-Shop "Goodies" direkt neben dem Contra.
RA: Seit wann gibt es das Contra?
Beo: Seit 15 Jahren. Wir haben sehr punklastig angefangen. Die Punkwelle ist dann etwas verebbt und jetzt sind wir auf der alternativen Schiene.
RA: Ist die Punkschiene von euch aus verebbt oder ging das vom Publikum aus?
Beo: Puh, jetzt auf Punk einzugehen. Es gab viele Leute, die sich als Punks bezeichnet haben und davon schon ein Jahr später nichts mehr wissen wollten. Die hatten immer noch das gleiche Gedankengut im Kopf, wollten aber mit dem Begriff ‚Punk' nichts mehr zu tun haben. Der war negativ behaftet, mir hat er auch nie gefallen.
RA: Also ähnlich wie in der Musik sich "Alternative" zu einem Oberbegriff gewandelt hat, unter dem viel Verschiedenes anzutreffen ist, aber die Ecke aus der es kommt, schon klar ist. Und für das Contra spielen diese musikalischen Ecken immer noch eine große Rolle?
Beo: Eigentlich die Größte. Wir sind damals umgezogen weil wir größer werden wollten, weil wir Live-Sachen machen wollten, weil wir einfach mehr kreative Möglichkeiten haben wollten. Aber wir haben leider nicht mit den Nachbarn gerechnet. Wir hatten so 5-6 Konzerte, von denen drei auch wirklich schön waren. Die drei anderen waren Proberaumbands, die soundmäßig die 10er-Regelung vertreten haben. Daraufhin hatten wir die Polizei im Raum. Das gab leider entschieden zuviel Stress. Und unplugged kann nicht jeder. Diejenigen, die es drauf haben, sind dann auf einem Level, das nicht unbedingt ins Contra passt, da wir nie Eintritt verlangt haben und das auch nicht wollten. Trotz Doppelwänden und allem Möglichen konnten wir das Lärmproblem bei Konzerten nie in den Griff kriegen.
RA: Also zurück zu Konserven ...
Beo: Ja, wir hatten DJs hier. Aber da gibt es auch solche und solche. Wenn sich einer gerade eine neue CD gekauft hat, dann hat das Publikum gelitten. Jetzt haben wir das alles auf PC umgestellt, was sehr viel Arbeit ist (die Gäste können am jeweiligen Abend die einzelnen Titel selbst bestimmen. Leo, die virtuelle Jukebox. Anm. d. Red.). Wir haben verschiedene Richtungen, z. B. 60er und 70er, was ich eine schöne Linie finde. Außerdem alternative Sachen wie Crossover, Dark Wave ...
RA: Wie laufen diese verschiedenen Stile?
Beo: Dark Wave wird nicht wirklich angenommen. Die Tendenz in dieser Szene scheint ziemlich sinkend, was ich so gehört habe.
RA: Hast du das Gefühl, dass die Leute speziell wegen der Musik an bestimmten Abenden ins Contra kommen oder denkst du, du hast dein Publikum eher unabhängig vom jeweiligen Abend?
Beo: Solche und solche. Es gibt die Contra-Gänger, es gibt spezielleres Musikpublikum und natürlich die Gruppe, die sich an den Getränkeangeboten orientiert. Und was Angebote angeht, sind wir ja recht gut bestückt, was auch immer mit Spielen verbunden ist. Über viele Kneipen wird behauptet, sie seien günstig. Hm. Im Vergleich dazu sind wir mit den Preisen wohl in den 70ern stehen geblieben. Eigentlich sollte ich mir Gedanken machen ...
RA: Mal zurück zu deiner Musikbox. Läuft auch Musik lokaler Bands bei euch?
Beo: Uns gibt es seit 15 Jahren, wir haben schon alles mögliche gemacht. Z. B. den Radius 80-Sampler, das war eine Zusammenstellung von Bands, die im Umkreis von 80 km um Mannheim ansässig waren. Das war ein Kassettensampler, den wir für drei Mark vertickt haben. Das ging dann Null auf Null ohne die Arbeitszeit auf. "Much" war eine ‚Zeitschrift' – kostenlos – in die Leute Konzertberichte, Gedichte, Kurzgeschichten etc. reinschreiben konnten. Auch mit Musikkalender. Irgendwann fällt dir auf, dass es so nicht läuft. Was Leo betrifft: Ich hab schon überlegt, einen Abend mit regionalen Bands anzulegen, aber ich weiß nicht ... Es deprimiert, was die Leute anklicken: Zum 500. Mal der gleiche Schmus, obwohl da die größten Schmankerl zum Entdecken drin wären. Aber klar, der Radius 80-Sampler lief damals ja auch. Nur, wenn du dann irgendwann nur noch der Vervielfältiger bist, verlierst du die Lust.
RA: Wie siehst du denn den Jungbusch momentan? Du hast mit der Popakademie und dem Musikpark neue Nachbarschaft, und auch sonst hat die Stadt einige Pläne hier.
Beo: Vor 15 Jahren hat sich Abends kein Mädel in dieses Eck getraut. Es dauerte ca. ein ¾ Jahr, bis sich herumsprach, dass es uns gibt. Wir hatten damals auch Frühstück und solche Sachen. Wir haben den Jungbusch eigentlich ganz schön gefördert. Mittlerweile gibt es ja auch die Studentenwohnheime. Der Jungbusch hat zwar immer noch so einen komischen Negativ-Touch, dabei ist die Innenstadt mittlerweile viel schlimmer, da gibt es Ecken, durch die ich nachts nicht gern laufe. Hier stehen abends viele Menschen auf der Straße, aber was soll's. Die stehen da und quatschen und wollen niemandem was Böses.
RA: Was wurde eigentlich aus dem K2R?
Beo: Da war ich zu blauäugig. Das wurde mir kaputt gemacht. Das K2R war ja eine eigene Sache, die nichts direkt mit dem Contra zu tun hatte. Das hat sich anfangs prima ergänzt. Wenn mir etwas gefällt, mache ich das, z. B. auch ein Klassikabend. Ich stehe eben auch auf dem Standpunkt, das man kein chinesisches Restaurant aufmachen und zu Hause lieber sSchnitzel essen kann. Idealismus sollte unbedingt dazugehören. Ich hab da eine etwas andere Einstellung, unsere Angebote sind gewöhnlich unsere eigenen Ideen, ich mache die Homepage selbst und ich habe jede Schraube im Contra selbst reingedreht. Aber wie es mit dem ehemaligen K2R weitergeht, weiß ich noch nicht. Ich muss ja Miete bezahlen. Es gibt Kaufangebote, ich hab ein paar vage Konzepte. Mal sehen.
RA: Wies siehst du denn die klassische ‚Jungbuschachse': Contra, Rhodos etc?
Beo: Das Rhodos ist uns gegenüber wohl sehr positiv eingestellt. Die sind der Meinung, dass sie ohne uns weniger Umsatz hätten. Was auch daran liegen mag, dass wir bis drei Uhr auf haben und das Rhodos dann noch längst nicht schließt. Rhodos ist ok, wir haben auch unser Hochzeitsessen dort gemacht.
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