die jahrescharts der redaktion (1)
aufgelegt und live gesehen: Die besten Platten 2011
Spezial/Schwerpunkt vom 23.12.2011 | Autor: regioactive.de
Spezial/Schwerpunkt vom 23.12.2011 | Autor: regioactive.de
"Man will mit dem Album schlafen", "Meine größte Offenbarung des Jahres" oder auch "Power pur" – so wurden einige der Platten beschrieben, die unsere Fotografen und Redakteure zu ihren Favoriten 2011 zählen. Eines sei direkt verraten: Einigkeit herrscht bei uns in der Uneinigkeit. Welche Topplatzierungen an welche Musiker gingen und wer im Gegensatz dazu eher bescheiden abschnitt, erfahrt ihr in unseren Jahrescharts 2011. Und was sind eure Lieblingsplatten aus dem Jahr 2011?
Kein einziger erster Platz wurde doppelt vergeben: Die Artenvielfalt der Platten ist so verschieden wie die Geschmäcker der Regioaktiven. Bei der einen sind die Beatsteaks mit ihrer Boombox der klare Favorit in 2011, ein anderer setzt auf Althergebrachtes wie Tom Waits und wieder ein anderer setzt auf harte Musik und nimmt All Pigs Must Die an seine Spitze. Doch so unterschiedlich auch die ersten Platzierungen ausgefallen sind, so war man sich doch in einer Sache ziemlich einig: Metallica und Lou Reed haben mit Lulu den Flop des Jahres der Musikwelt beigesteuert. Was sonst noch unsere Mitarbeiter überzeugen oder enttäuschen konnte, erfahrt ihr im Folgenden. Über unsere Tops und Flops bei den Konzerten des Jahres lest ihr an dieser Stelle.2. Fleet Foxes – Helplessness Blues: Unter der Oberfläche der euphorischen Musik und des leidenschaftlichen Harmoniegesangs verbirgt sich ein suchendes, fragendes, zweifelndes Album, das wiederholtes Hören mit immer neuen Details belohnt. [Rezension]
3. PJ Harvey – Let England Shake: Eine düstere, bittere Abrechnung der Sängerin mit ihrem englischen Heimatland mittels der klarsten, eingängigsten Melodien, die sie je geschrieben hat. [Rezension]
4. Bon Iver – Bon Iver: Ein umwerfend subtiles Album, das sensationelle Songs umwerfend schön und anmutig arrangiert. [Rezension]
5. Kate Bush – 50 Words For Snow: Ein ruhiges, intensives Werk voller Anmut – der perfekte Soundtrack zur kalten und dunklen Jahreszeit. [News]
Flop: Natürlich ist Lulu das schlechteste Album des Jahres, vielleicht aller Zeiten. Aber enttäuschender war King Of Limbs, das sich anhört, als hätte Thom Yorke die übriggebliebenen Songs von The Eraser hastig zusammengebaut.
2. Cave In – White Silence: Endlich wieder eine LP der Jungs. Phänomenal vielseitig wie immer. Knüpft perfekt an Perfekt Pitch Black und Planets Of Old an.
3. Fucked Up – David Comes To Live: Konzeptalbum im Punk-Rock? Aber Hallo! Die Platten sind der Hammer, die Shows sind der Hammer. Runde Sache!
4. MNMNTS – The Good Life: 00er Jahre Hardcore. Erinnern an Modern Life Is War oder Commadre. Wütend, aber nicht pathetisch. Bissiger, rotziger Gesang aus mächtigem Hintergrund.
5. Ghostpoet – Peanut Butter Blues & Melancholy Jam: Endlich mal wieder was vernünftiges von der Insel. Nach Original Pirate Material waren die Streets auch irgendwie ausgelutscht, was für 95% des Indie-Disco-Hypes gilt. Innovativ, aber unaufdringlich. [Konzertbericht]
2. Noel Gallagher's High Flying Birds – OST: Befreit von der Zwangsjacke, die Oasis für ihn anscheinend waren, spielt der große Bruder alle Stärken aus – ein Fest! [Rezension]
3. Wilco – The Whole Love: Wilco etablieren sich auf ihrem hohen Niveau, auch wenn die Latte (selbstverschuldet!) hoch liegt, sie schaffen es immer wieder! [Konzertbericht]
4. Beady Eye – Different Gear, Still Speeding: Die große Überraschung des Jahres: Rest-Oasis lassen die letzten beiden Oasis-Alben alt aussehen. [Rezension, Bericht, Fotogalerie]
5. Paul Simon – So Beautiful Or So What: Noch ein alter Hase im x-ten Frühling. Mit seinem besten Album seit Graceland zeigt sich Paul Simon in Hochform.
Flop: Bright Eyes – The People's Key: Nach zwei Soloalben war die Erwartung an Conor Oberst's Bandprojekt hoch – The People's Key ist das schwächste Bright Eyes Album geworden und insofern eine Enttäuschung. [Konzertbericht]
2. Of Mice & Men – The Flood: Technisch versierter aber melodiöser Post-Hardcore mit viel Druck in der Turbine. Es wird nicht an Double-Bass und Breakdowns gespart, sorgen Variationen und Abwechslung für wahren Genuss.
3. Destroy Rebuild Until God Shows – D.R.U.G.S.: Emo, Post-Hardcore, Pop und Alternative Rock vereinen sich hier perfekt zu einer Symbiose aus Owens Projekt Cinematic Sunrise und einer etwas weniger pompösen Version von Chiodos.
4. Memphis May Fire – The Hollow: Wer Memphis May Fire wegen der Southern Rock Elemente mochte wird auf der neuen Platte vergeblich danach suchen, denn The Hollow verzichtet darauf und zeigt sich von einer anderen, einer düstereren und härteren Seite als der Vorgänger.
5. Sleeping with Sirens – Let's Cheers to This: Sleeping With Sirens stechen aus der Masse der Screamo-Bands heraus, indem sie die Musikrichtung etwas mehr in den Bereich Pop bringen, ihrem Genre aber trotzdem treu bleiben
Flop: Korn – The Path Of Totality: Rockt der Song Get Up! mit Skrillex doch gewaltig (und steigerte meine Hoffnung in ungeahnte Höhen) ist das Album doch ein sehr misslungenes Dubstep-Experiment. Schade. [Korn bei Rock am Ring und Rock im Park]
2. Of Monsters and Men – My Head is a Animal: Das Debüt einer Band aus Reykjavik. Folk-Rock mehrstimmig vorgetragen. Da ist die Spannung groß was hier in den nächsten Jahren noch kommt.
3. Sigur Ros – Inni: Sensationeller Live-Mitschnitt der Slow Rock Helden aus Island.
4. Janes Addiction – The Great Escape Artist: Solide Rockplatte einer Band, die schon in der Versenkung verschwunden war.
5. Red Hot Chili Peppers – I'm with you: Ohne Frusciante anders aber immer noch gut.
Flop: Metallica + Lou Reed – Lulu: Einfach schauderhaft.
2. John Maus – We Must Become the Pitiless Censors of Ourselves: Die Webseite "Altered Zones" hat im Juli ein Interview mit John Maus veröffentlicht. Nach der Lektüre will man mit dem Album schlafen. [Konzertbericht]
3. Paul Simon – So Beautiful Or So What: Großartig.
4. Mogwai – Hardcore Will Never Die, But You Will: Die Schotten glänzen auf ihrem Album mit Songtiteln wie You're Lionel Richie. Das sagt doch eigentlich alles. [Konzertberichte und Fotogalerien]
5. Tori Amos – Night Of Hunters: Ein Experiment war die Zusammenarbeit zwischen Tori Amos und der Deutschen Grammophon eigentlich nicht, wieviele Popsongs basieren schließlich auf klassischen Vorbildern? Seltsamerweise verstanden es viele Kritiker trotzdem nicht wirklich. [Konzertbericht]
Flop: In diesem Jahr erschien fast jede Woche ein großartiges Album – was interessieren mich da Flops? Obwohl, Lulu ist wirklich Walfischdreck. Was haben sich Metallica dabei gedacht? Warum muss der alte Mann Reed seine Zeilen über langweilige Riffs spucken? Was kommt als nächstes, Metallica und William Shattner? Hetfield schreit bei Rocket Man dann im Hintergrund "long long time"? Haben sie sich nicht mit Load und direkt danach mit Reload genug blamiert? Hat sich Lars Ullrich nicht schon lächerlich genug gemacht, als er ganz herzzerreißend über Napster geweint hat? Hat das ewig plärrende und die Nerven zerreißende Schlagzeug auf St. Anger nicht schon genug Schmerzen verursacht? Warum, warum nur? Wirklich Walfischdreck.
2. Graveyard – Hisingen Blues: Huh – diese Jungs haben den Spirit der Seventies nicht nur inhaliert, sondern sich gleich die volle Dosis intravenös eingetrichtert und schwitzen ihn auf diesem Album über sämtliche Poren wieder aus. Geiles Teil.
3. Casper – XOXO: Every Feuilletons Darling war sicher der Hype des Jahres. Auch wenn die Messias-des-Deutschrap-Latschen letztlich dann doch ein Paar Nummern zu groß sind, textlich und musikalisch können sich da einige ein paar große (Vinyl-) Scheiben abschneiden.
4. Sailing On – Hinterland: Wow, was ein Brocken. Sängerin Caro schreit sich den Frust von der Seele, während der Rest der Bande sich ebenfalls nicht darauf verlässt, dass es ein Morgen gibt. Lyrics mit Köpfchen, Politik ohne Pathos und ordentlich Attitüde – moderner Hardcore vom Feisten.
5. Touché Amoré – Parting the Sea between the Brightness and Me: Emotion, Verzweiflung, Katharsis, stellenweise sogar Black-Metal-Drumming und das erste US-Hardcore-Album seit langem, das mich so richtig geflasht hat.
Flop: dredg – Chuckles And Mr. Squeezy: Weil sie alles, was ihre Vorgänger ausmachte, nämlich Melodie, Herz und vor allem Seele, nicht hat.
2. The Vaccines – What do you expect from the Vaccines?: Ein richtig klassisches britisches Rockalbum, das nur aus Hits besteht. Eine großartige Melodie nach der anderen. Meine größte Offenbarung des Jahres.
3. Young Rebel Set – Curse Our Love: Mumford and Sons können dann schonmal anfangen einzupacken. Young Rebel Set kommen mit noch schöneren Songs daher und punkten zudem gespickt mit dem charmantesten nordenglischen Akzent. [Berichte und Fotos]
4. Beirut – The Rip Tide: Niemand kann so traurig und so fröhlich zugleich sein wie Beirut. Das neue Album ist wie ein Beerdigungszug, auf dem man tanzen möchte. [Fotos und Bericht vom Berlin Festival]
5. Retro Stefson – Kimbabwe : Bisher kamen aus Island ja nur geniale Fabelwesen wie Björk oder Sigur Rós. Umso größer war meine Überraschung als ich von Retro Stefson hörte. Nicht nur für Island, sondern für die ganze Indie-Szene ein angenehm erfrischender Sound. [Berichte]
2. Wilco – The Whole Love: Jeder stirbt für sich allein. [Konzertbericht]
3. Joe Henry – Reverie: Zwischen der Wahrheit und dem, was man braucht.
4. Stephen Malkmus & The Jicks – Mirror Traffic: Birkenstock. [Konzertbericht]
5. The Unthanks – The Songs of Robert Wyatt And Antony & The Johnsons: Das Obergeschofl außer Reichweite.
Lieblingsalbum aus dem regioactive.de-Artist-Pool: Oskar Schuster – Dear Utopia. [Artistprofil]
Flop: Ryan Adams – Ashes And Fire.
2. Graveyard – Hisingen Blues: Retro, Retro, Retro! Was die Schweden auf Hisingen Blues präsentieren, passt nicht so recht ins 21. Jahrhundert und ist genau deswegen so gut. Lässiger Rock vergangener Dekaden, der sich einen Teufel um Trends und Kurzhaarfrisuren schert.
3. Mastodon – The Hunter: The Hunter kommt wesentlich eingängiger als die Vorgängeralben daher. Mastodon entwickeln sich konsequent weiter, dennoch muss auch bei dieser Scheibe niemand auf vertrackte Arrangements und den typisch progressiven Sound verzichten. [Fotos von Rock am Ring]
4. Ghost Brigade – Until Fear No Longer Defines Us: Ein tiefschwarzes melancholisches Album, das durch eine umfangreiche Palette an Emotionen besonders schwer wiegt. Überzeugt ähnlich wie die Vorgänger durch atmosphärische Dichte und lupenreine Gänsehaut-Momente.
Flop: Opeth – Heritage: Zugegebenermaßen war ich ja noch nie ein großer Opeth-Fan, erkannte jedoch das Ausnahmetalent und die musikalische Einzigartigkeit dieser Band immer mit einer gewissen Faszination an. Auch dem Retro-Rock, dem Opeth auf ihrem neuen Album frönen, bin ich alles andere als abgeneigt. Gerade aber die progressiven Einschläge wirken auf Heritage eher gezwungen als organisch, insgesamt keine runde Sache.
2. Madventure – Transition: Wegen oder trotz des synthetischen Vinyl-Knisterns? Wer keinen Bock mehr hat, weite Wege zu gehen: Die sind von hier. Und sie sind gut! [Interview und Artistprofil]
3. Grandfather – Why I'd Try: Eine Band, die ihr Schicksal in die Hand nimmt, das Sparschwein knackt und mitsamt perfekt vorbereitetem Material ihr selbstproduziertes Album noch einmal aufnimmt. In den Electrical Audio Studios. Genau: Bei IHM!
4. The History of Colour TV - Lake Near Levene: Weil es auf Kassette rauskam, weil es selbst gemacht ist, weil es so wenig mit Musik zu tun hat. Faszinierend und furchtbar zugleich.
5. Fewsel – Wrong Side of The Universe: Gut, dass es noch rechtzeitig rauskam um auf dieser Liste zu landen. Hört euch das an. Und: Ja, das ist aus Wiesbaden! [Artistprofil]
Flop: Foo Fighters – Wasting Light: Verschwendung light? Jau. Komplett analog aufgenommen und produziert, "in Dave's Garage". Liest sich wie eine coole Idee, hört sich an wie das, was es ist: Mainstream. Schrapü. [Berichte und Fotogalerie]
2. Fiddler's Green – Wall of Folk. [Rezension]
3. Jane – Kuxan Suum.
4. ELOY – The Legacy Box. [Fotogalerie]
Platz 5 teilen sich eine ganze Reihe Alben, einen echten Flop fand Rudi nicht – Glückspilz!
2. Bruno Mars – Doo-Wops & Hooligans: Man sollte ihn definitiv nicht nur auf Just the way you are und Grenade reduzieren, auch die anderen Songs des Albums sind hörenswert.
3. Adele – 21: Wird nicht umsonst zu einer der Top Künstlerinnen in diesem Jahr gezählt. Kaum ein Titel, den man nicht gern hört.
4. Sunrise Avenue – Out of Style: Schon allein wegen Hollywood Hills ein wunderbares Album. [Fotogalerien, Bericht und Sennheiser Musicmix]
5. Culcha Candela – Flätrate: Absolute gute Laune Musik.
Flop: Tim Bendzko – Wenn Worte meine Sprache wären: Eine der Platten, die meines Erachtens leider etwas zu überbewertet wurden.
2. Enablers – Blown Realms & Stalled Explosions.
3. Tom Waits – Bad As Me. [Rezension]
4. Fire! with Jim O'Rourke – Unreleased?.
5. Hella – Tripper.
6. Keith Jarrett – Rio.
2. Beastie Boys – Hot Sauce Comitte Part 2: Es war an der Zeit, dass die Jungs wieder was von sich haben hören lassen.
3. Foo Fighters – Wasting Light: Gute, solide Rockplatte. Endlich wieder Foo Fighters! [Berichte und Fotogalerie]
4. Royal Republic – We are the Royal: Auch wenn das Album schon 2010 erschienen ist. Klang auch 2011 mindestens genauso geil. [Festivalberichte und -fotos]
5. Metallica – Beyond Magnetic EP: Die Songs hätten gerne auch noch auf dem Album mit dabei sein können. [Konzertbericht]
Flop: Lou Reed and Metallica – Lulu: Die Kombi aus Lou Reeds Sprechgesang und Metallicas harten Riffs will einfach nicht passen. Ich hatte mir mehr erhofft. Und das von einem Fan.
Und jetzt du: Was sind deine Top- und Flop-Platten 2011?
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