Die beiden letzten Ausscheidungskonzerte des MMA fanden in schneller Schussfolge am 19. und 20. Mai im Musikpark Mannheim statt. Damit gab es nicht nur acht weitere Bands zu begutachten, sondern auch einen Blick auf einen noch jungfräulichen Konzertraum zu werfen.
1. Akt
Der Einstieg in den dritten Konzert-Abend des MMA hakte ein wenig: Die Deutschrocker Hopf hatten mit einem Keyboarddefekt zu kämpfen, was nach einigem hin und her dazu führte, dass Inner Exit den Reigen eröffnete.
So begann der Abend mit der ersten und einzigen Band des MMA, die auf Gitarren verzichtet. Elektronik verknüpft sich mit klassischen Elementen, was sich auch durch das Instrumentarium zieht und in einem E-Drumset und einer E-Violine manifestiert. Über diesem Klangteppich liegt die Stimme Vesna Marinovics und führt das Publikum, durchaus in Anlehnung an den Bandnamen, durch eine Reise in innere Welten.
Zumindest musikalisch brachten Hopf den MMA wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Dass die Deutschrocker Herbert Grönemeyer zu ihren Favoriten zählen, bleibt kein Geheimnis. Ein Keyboard wurde mittlerweile aufgetrieben, der Verlust des eigenen war dem Fünfer nicht anzumerken. Eine Band, die innerhalb von 1 1/2 Jahren enorm umtriebig war und denen die gewonnene Erfahrung live anzumerken ist.
Dritte Band des Abends war Love Linus, bestehend aus dem Sänger und Gitarristen Max Mury und Hans Kaulbach am Keyboard plus einem Saxophonisten. Ohne Unterstützung durch ein Schlagzeug lassen Love Linus die Dinge locker angehen, lässige Grooves mit akustischem Charakter, auf einem Barhocker sitzend präsentiert, allerdings ohne Gefahr zu laufen in Hintergrundmusik abzugleiten. Der Multiinstrumentalist Max Mury – im zweiten Leben Schlagzeuger - bewies an diesem Abend, dass er durchaus auch Frontmannqualitäten besitzt.
Den Abend beendeten Minusmen mit noisig-punkigem Sound. Der Auftritt der Drei lässt einiges vermuten, was ihre Songs und Möglichkeiten angeht. Leider nur vermuten, denn auf Grund des Sounds – nicht nur viel zu laut, sondern einfach auch schlecht – waren keine gesicherten Aussagen zu machen. Was Lautstärke angeht, hätte sich die Band etwas mehr am eigenen Namen orientieren müssen. Ob sie das nicht wollten oder konnten sei – da mit eigenem Mischer am Start – dahingestellt. Schade, denn die CD lies einiges erwarten.
Womit eines der Probleme des Abends überdeutlich wurde: War der Sound bei Minusmen katastrophal, war er bei den drei übrigen Bands längst nicht gut. Was wohl auf das Verhältnis von Räumlichkeit und Technik zurückzuführen ist. Hier die richtige Mischung auszutarieren, wird die jeweils verantwortlichen Techniker sicherlich noch Blut, Schweiß und Tränen kosten, denn der Performanceraum des Musikparks stellt diese Zunft sicher auch in Zukunft vor einige Probleme. Laut der Geschäftsführung des Musikparks ist dem Performanceraum zukünftig allerdings auch eher "Showcase-Charakter" zuzusprechen, weniger ist er als Konzertraum im klassischen Sinn zu sehen. Abträglich für die Veranstaltung war zudem die Kombination aus gutem Wetter und dem Rauchverbot im Konzertsaal. Womit die Honigseite des Musikparks zum Tragen kam, die Terrasse einen Stock höher stahl dem Performanceraum an diesem Abend die Show. Eine imposante Aussicht auf das, was Liebhaber Industrieromantik nennen. Dementsprechend war sie zu weiten Teilen des Abends mit schwofenden und rauchenden Menschen stark frequentiert. Nett, aber nicht Sinn der Sache. Ein häufig gehörter Kommentar zum Veranstaltungsort als solchem war dann auch der Vergleich zu früher erlebten Schulkonzerten.
2. Akt
Nach einem Abend sollte man allerdings auch nicht auf ewig richten. Bei ähnlichen Veranstaltungen müssen sich die Verantwortlichen jedenfalls noch einige Gedanken machen. Nach zwei sehr gelungenen Konzerten sollte die Qualität des MMA 2004 nicht von den äußeren Umständen eines Abends abhängig gemacht werde.
Dementsprechend ging es auch frohen Mutes in die letzte Runde. Zwei der Minusmänner zeigten, was sie können wenn der Sound stimmt: Drummer Luigi Libido ist bei SlamWeJam an Gitarre und Mikro zu finden, Minusmen-Basser Jimi Gomorra bleibt seinem Instrument treu und sitzt am Akustik-Bass daneben, ergänzt durch einen dritten Gitarristen und Sänger. Komplett sitzend also, komplett akustisch und komplett gelungen. Sozusagen die Wiedergutmachung für die Lärmattacke am Vorabend, ruhige Stück ohne Schmelz, die, da ist die Selbstbeschreibung der Band stimmig, bei aller Niedrigtourigkeit doch rocken. Ein vielversprechender Einstieg.
Weiter ging es mit Marc Florian Friedrich und seiner Band, den "Freunden Des Guten Geschmacks". Hip Rock mit deutschen Texten, zu einer kompakt groovenden Band, die Kombination saß und passte, auch wenn das leidige Soundproblem die Texte schwer fassbar machte. Ansonsten ein überzeugender Auftritt, der das Thema deutschsprachigen Sprechgesangs frisch präsentierte.
Superjones stehen für Rock mit alternativem Einschlag und US-Prägung, was sich auch durch die New Yorker Herkunft des Sängers Kevin Jones erklärt. Die Heidelberger sind eine absolute Live Band, deren Spielfreude spürbar ist und deren Stärke man eigenständigen Mainstream nennen könnte, getragen von stimmigem Bandsound bei dem vor allem das melodiös-kompakte Bass-Spiel hervorzuheben ist.
Den Abschluss machten Dr. Woggle And The Radio. Ska-Rocksteady-Reggae, obwohl laut Selbstbeschreibung keine Band für militante Nichtraucher, ließen sich's die sonnigen Gemüter von der Bergstraße nicht verdrießen. Sänger Dr. Nico beendete dank Funk-Mikro und Direkt-Animation die (vielleicht lag's am nagelneuen, einladenden Parkettboden?) Unsitte, sich schwitzende und rockende Musiker im Sitzen anzuschauen. Das funktionierte, ob aus Angst vorm Chefarzt oder gutem Willen sei dahingestellt, die Hüften konnten noch mal geölt werden. Die Woggles bieten von Rhythmussektion bis zum Bläsersatz eine runde Sache, und stehen ihrem Frontmann an Enthusiasmus gepaart mit Coolness in nichts nach. Ein lebendiger, gut gelaunter und schöner Abschluss, der die Nickligkeiten der zweiten MMA-Halbzeit in einem versöhnlichen Licht ausklingen ließ.
Jetzt liegt's an der Jury Preise zu verteilen und jemanden zu ‚Siegern' zu erklären. Und noch mal: Hier geht es um Musik, also um nichts wirklich objektivierbares, die Tatsache, dass jemand gewinnt, heißt längst nicht, dass auch automatisch jemand verliert. Mitmischen kann jeder bei unserem Publikums-Award, der durch Audio Streams der vier Konzerte, die demnächst bei uns zu finden sein werden, unterstützt wird. Also noch mal die Möglichkeit in alle 16 Teilnehmer reinzuhören und den Spaß, den die Jury haben wird, am eigenen Leib zu erleben. Die Abschlussveranstaltung des Awards wird dann im Juli stattfinden.
Diskussion zum Thema findet ihr hier!
Gerald Merkel