"im moment blüht die szene etwas auf" Interview mit Michael Wiegand, Leiter des Café Central in Weinheim

Von Gerald Merkel. Veröffentlicht am Mittwoch, 12. Mai 2004
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Das Cafe Central in Weinheim beschert uns seit Jahren ein Konzert-Programm, das sich in jeder Metropole sehen lassen könnte. Von lokalen Bands über Schmankerl der Sonderklasse bis zu großen Acts, die dann unter dem Label "Tocopilla Events" z. B. in der Alten Feuerwache stattfinden. regioactive.de im Gespräch mit Michael Wiegand, aka Gustav Tocopilla.

regioactive.de: Gehört das Cafe Central zur Stadt Weinheim oder bist du komplett unabhängig?

Michael Wiegand: Der Stadtjugendring ist der Besitzer dieses Gebäudes, in dem z. B. auch das Schülercafe integriert ist. Ich bin quasi Pächter. Das Cafe bekommt also keine Förderung im eigentlichen Sinn, aber dadurch, dass ich eine recht günstige Miete zahle und ein Büro zur Verfügung gestellt bekomme, wird es indirekt gefördert.

regioactive.de: Seit wann gibt es das Cafe Central?

Michael Wiegand: Seit 1995. Wir haben zu dritt angefangen, mit Karl Kempf als Sozialpädagogen, da das Konzept noch ein wenig anders war. Michael Zeiss war mit mir gemeinsam für das Booking zuständig. Unser Background waren Feste und Konzerte im Odenwald (meist auf obskuren Hügeln und definitiv legendär, Anm. d. Red.) und die eigene Musik, wodurch auch das erste Equipment zusammenkam. So nach und nach sind wir da hineingeschlittert. Der Beginn waren hauptsächlich lokale Bands und Punkrockbands aus dem Umfeld aus dem Michael Zeiss auch kam. Also Killrays und solche Sachen. Das war nach Agenturen aufgeteilt, er hatte MRD, die machen die ganzen Hardcore-Geschichten. Ich hab dann eher (lacht) die intellektuelleren Sachen gemacht. Das war schon die Mischung wie sie jetzt auch besteht.

regioactive.de: Was sind für dich Kriterien, eine Band zu buchen?

Michael Wiegand: Bei den Newcomern ist eigentlich das Hauptkriterium, dass sie im Schnitt nicht über 25 Jahre alt sein sollten und hier aus der Region sind. Ansonsten ist mein Geschmack natürlich ein Kriterium, Sachen wie z. B. Surrogat bucht man weil die Musik gut und wichtig ist, auch wenn man weiß, dass man nichts verdient,. Finanzielle Kriterien gleichen das aus, Bands von denen ich vorher weiß, dass sie mir den Laden voll machen. Außer es passt überhaupt nicht hierher. Vom Stil gibt es da eigentlich keine Grenzen, außer solche ‚gemachten' Popstars, die haben hier nichts verloren. HipHop, Hardcore, Punkrock, eigentlich die ganzen Spielarten von Rock, sind hier willkommen.

regioactive.de: Ich hatte den Eindruck, dass das Programm in letzter Zeit wieder punklastiger wurde.

Michael Wiegand: Das wechselt von Monat zu Monat. Das ist nicht beabsichtigt. Klar, in anderen Bereichen haben der Karlstorbahnhof oder das Schwimmbad auch Interesse, während es bei Punkrock und Hardcore eigentlich nur eine Agentur gibt, die die angesagtesten Bands hat. Und die wenden sich zuerst an uns, von daher ist diese Richtung immer stärker vertreten. Gerade im Sommer sind die wieder alle unterwegs und das Cafe ist schon der richtige Laden dafür. Bei anderen Läden teilt sich das sicher mehr auf, ich schaue aber auch, dass ich das Programm auflockere und mal eine Reggae Band dazupacke. Aber dieser Schwerpunkt hat sich hauptsächlich durch den Kontakt zu den entsprechenden Agenturen entwickelt.

regioactive.de: Wie siehst du euer Programm im Verhältnis zu lokalen Bands?

Michael Wiegand: Die "Support your local heoes"-Reihe haben wir wieder aus der Mottenkiste geholt. Im Moment blüht die lokale Szene etwas auf, das war eine zeitlang eher eingeschlafen. Momentan ist es ganz gut und natürlich sollen die alle hier spielen. Die Newcomer-Reihe machen wir eh schon seit es das Cafe gibt und das hat sich auch fest etabliert. Was mir gefällt, ist, dass das Publikum hier auch Bands aus anderen Gegenden abfeiert, was bei solchen Newcomer-Geschichten ja nicht selbstverständlich ist. Wenn eine Band gut ist, wird das honoriert und nicht so gehalten, dass jeder nur für seine Kumpels applaudiert. Wir trennen also zwischen der "Newcomer" und der "Support Your Local Scene"-Sache. Bei der letzteren spielen arrivierteren Bands aus der Gegend, wie z. B. Four Sided Cube oder Superjones. Das ist auch etwas teurer, das kostet 5 €, die Newcomer-Komzerte kosten 3 €. Newcomer sind bei uns also wirklich welche, nicht wie das etwa die Centralstation in Darmstadt macht (z. B. spielt Kokoon in diesem Rahmen im Juni, Anm. d. Red.). Dr. Woggle z. B. sind für mich keine Newcomer in dem Sinn, deutschlandweit vielleicht aber nicht hier in der Region.

regioactive.de: Was waren für dich bisher die Höhepunkte?

Michael Wiegand: International Noise Conspiracy war so etwas wie ein optimales Konzert. Eine super Band für meinen Geschmack, sehr nette Leute, die morgens schon da waren. Der Sänger hat sich an meinen Platten vergriffen weil er die so gut fand, das Konzert war ausverkauft, klasse Stimmung, da hat alles gepasst. Ein weiteres Highlight war natürlich Turbonegro (Stimmt! Anm. d. Red.), das war sehr lustig, wohl die Band, die hier am meisten gerockt hat.

regioactive.de: Was wäre denn auf deinem Wunschzettel?

Michael Wiegand: Was ich schon immer machen wollte, ist Sonic Youth zusammen mit Slayer in Mannheim. Sonst fällt mir da nichts ein, das reicht auch.

regioactive.de: Zum Abschluss: Woher kommt der Name "Tocopilla Events"?

Michael Wiegand: Das Contra'N hat mal einen Tape-Sampler herausgebracht. Ich hatte Vier-Spur-Sachen aufgenommen und brauchte noch einen Namen. Da kam ich auf eben auf Gustav Tocopilla.

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