filmreif und brennbar
Interview mit Celluloid
Interview vom 30.04.2004 | Autor: Gerald Merkel
Tags: Celluloid Juicy Strawberries In Yellow Jelly Mannheim Music Award Honey Hot Chocolate
Interview vom 30.04.2004 | Autor: Gerald Merkel
Tags: Celluloid Juicy Strawberries In Yellow Jelly Mannheim Music Award Honey Hot Chocolate
Celluloid haben sich neu sortiert und gerade ihre zweite Demo-CD am Start: "Juicy Strawberries In Yellow Jelly" am Start: Trip Hop in smoother Gangart, akustische Instrumente treffen auf elektronische Klänge. regioactive.de sprach mit Sängerin Tina Schmidt und Bassist Linus Federspiel.
RA: Seit wann gibt es Celluloid?
Tina: Die ganze langweilige Geschichte kann man wohl weglassen. Ich würde es so sehen, dass wir uns 2000 gegründet haben, eine Zeitlang rumexperimentiert haben und jetzt die eigentliche Besetzung gefunden haben.
Linus: Ja, es gab Besetzungswechsel etc. Jetzt haben wir angefangen ein neues Programm zu machen und sind sozusagen wieder da. Das ist die Hauptsache.
RA: Euer Auftritt in der stage box war denn auch euer erster seit ungefähr einem Jahr?
Linus: Ja, das kommt hin. Jetzt ist alles schon eine Spur anders, auch musikalisch. In der zweiten Hälfte des Gigs hatten wir eher ältere Stücke, da sind schon ein paar Sachen dabei, die wir zukünftig aus unserem Programm nehmen werden.
Tina: Diese Sachen sind ein bisschen mainstreamig, fast schon rockig. Die neuen Stücke sind eher gediegener.
RA: Nach dem ich "Juicy Strawberries In Yellow Jelly" gehört habe, hätte ich euch stärker in die Trip Hop-Ecke gestellt. Aber live war da wirklich viel anderes rauszuhören.
Linus: Defintionen sind immer schwierig. Aber Trip Hop hat für uns als Beschreibung doch immer gepasst, wenn auch vielleicht nicht 100%ig. Aber soll man das deshalb Crossover nennen?
Tina: Neulich hatte ich eine CD angehört, die wir Anfang 2000, also ganz am Anfang aufgenommen haben. Die fand ich völligst soft und davon haben wir uns dann ein wenig wegbewegt. Im Moment gehen wir aber genau da wieder hin. Die neuen Sachen kommen mir auch wesentlich runder vor. "Juicy Strawberries In Yellow Jelly" ist für mich eine ganz anderes Album als das erste.
Linus: Wir waren die letzte Zeit auch mehr elektronisch unterwegs, jetzt möchten wir sehen, dass wir die Band wieder mehr ins Zentrum rücken und das Ganze noch lebendiger wird. Wir haben ja auch keinen Keyboarder.
RA: Das hat mich überrascht. Jemanden der zumindest Knöpfchen dreht, hätte ich bei eurer Musik eigentlich erwartet.
Tina: Ok, das machen wir über Playback. Früher hatten wir ein elektronisches Schlagzeug, jetzt haben wir ein Naturset, einen Kontra Bass und eine halbakustische Gitarre. Wir haben uns eben dahin entwickelt, Elektronik mit sehr ‚echten' Instrumenten zu mischen.
RA: Wie schreibt ihr Songs?
Tina: Unterschiedlich, aber meist gemeinsam im Proberaum. Z. B. durch einen Beat auf den ich anfange zu singen, selten auch über ein Playback. Die Lieder machen wir dann gemeinsam, ich schreibe Texte und entwickele Gesangslinien, Andreas, unser Gitarrist, nimmt mir die Sachen dann letztendlich ab. Er ist im Prinzip auch unser Produzent.
RA: Ihr habt gerade eine CD veröffentlicht. Habt ihr die auch selbst aufgenommen und produziert?
Linus: Ja, die hat auch Andreas aufgenommen und gemischt, bei ihm zu Hause im Proberaum. Der Vertrieb läuft ebenfalls über uns, wir sehen diese CD als Demo für Clubs etc.
Tina: Wir wollten jetzt erst mal eine CD zum Bewerben haben, dann allerdings noch zwei Lieder aufnehmen. Danach wird sie wohl in Pressung gegeben. Die Leute sollten erst mal wieder mitkriegen, dass es uns überhaupt gibt.
RA: Was zum Beispiel durch eure Teilnahme am Mannheim Music Award passiert.
Linus: Ja, abgesehen davon, dass wir einfach spielen wollen, haben wir natürlich auch Interesse daran vor einem möglichst großen Publikum aufzutreten.
Tina: Ich will einfach spielen, spielen, spielen. Ich finde auf der Bühne zu stehen, ist einfach unbeschreiblich ...
Linus: Wie ein Getränk mit viel Zucker.
Tina: Ich mag keine Getränke mit viel Zucker, aber wenn das für dich so ist, ist das ok.
RA: Das wundert mich etwas. Wenn ich eure Songtitel richtig mitbekommen habe, sind die nicht eben für Diabetiker geeignet: Da wimmelt's von Strawberries, Honey und Hot Chocolate.
Tina: Auf jeden Fall. Ich selbst möchte aber keine zuckrigen Getränke trinken. Aber das hat schon mit dem was ich singen will zu tun … was ich fühle … Das ist, hm, was ich will?
RA: Ok, soviel zum Zucker. Wie ambitioniert seht ihr Celluloid?
Tina: Völligst. Das leben zu können, regelmäßig Gigs zu haben und zu wissen, ich erreiche viele Leute, denen gefällt was ich mache … Dafür würden wir wohl alle alles liegen und stehen lassen.
RA: Wie kamt ihr denn auf eurem Namen?
Linus: Unser erster Schlagzeuger kam mit dem Namen an; das lief unter dem Motto Filme, Augen schließen und etwas vor dem geistigen Auge entstehen lassen. Auch gut brennbar.
RA: Dementsprechend habt ihr z. B. auf dem Filmfestival in Weiterstadt gespielt?
Linus: Ja, vor zwei Jahren.
Tina: Das war sehr schön.
Linus: Wir hatten damals jemanden aus Darmstadt, der sich um das Management gekümmert hat. Dadurch hatten wir mehr Konzerte in diesem Raum als hier in der Gegend.
Tina: Nicht, dass wir nicht hier hätten spielen wollen. Wir hatten z. B. ich weiß nicht wie oft einen Termin im Schwimmbad, das hat aus allen möglichen Gründen dann aber nie geklappt. Und eine Weile sah es für mich auch so aus, dass in Mannheim gar nix geht. Das hat sich wohl ein bisschen geändert, regioactive ist da auch super daran beteiligt.
RA (leicht errötend): Danke für die Blumen.
Linus: Der Rock / Pop- Beauftragte hat da auch etwas beigetragen. Aber trotzdem habe ich den Eindruck, dass es so was wie eine Szene eigentlich nicht gibt.
Tina: Und dass immer weniger Leute an Live Musik interessiert sind. DJ-Sachen laufen viel besser. Bekannte Sachen wohl auch, aber die Bereitschaft sich unbekannte Musiker anzuhören hat doch nachgelassen. Ich denke, das ist nicht symptomatisch für Mannheim, sondern eine generelle Tendenz.
Gerald Merkel
Kontakt | Über regioactive.de | Jobs | Backstage | Partner | Mediadaten | Presse