Die Beatsteaks aus Berlin sind aktuell bereits zum zweiten Mal mit ihrem neuen Album "Boombox" unterwegs und besonders für ihre Live-Qualitäten bekannt. Am 22.11.2011 haben sie der Festhalle Harmonie in Heilbronn einen Besuch abgestattet und das Publikum in der nicht ganz ausverkauften Halle wie gewohnt zum Schwitzen gebracht.
Arnim Teutoburg-Weiß stammt aus einer Zirkusfamilie. Der Drang zum Bühnenleben scheint ihm angeboren zu sein.
© Johannes Rehorst Kaum zu glauben, dass eine der beliebtesten deutschen Rockbands nach so vielen erfolgreichen Jahren auf Tour immer noch Premieren feiern kann. Das erste Konzert der
Beatsteaks in Heilbronn wurde von der australischen Band
The Death Set eröffnet, die von Beatsteaks-Drummer Thomas Götz angekündigt wurde und nach der Lautstärke des Jubels zu urteilen sogar den einen oder anderen Fan mitgebracht hatte. Das ausgeflippte Trio gab Punkrock-Songs zum Besten, die von Elektrobeats getragen und immer wieder von eingespielten Hip-Hop-Klassikern unterbrochen wurden. Es war also für jeden etwas dabei. Sänger Johnny Siera spulte das volle Programm ab, warf sich zum Crowdsurfen in die Menge und machte in seinen Ansagen aus Heilbronn kurzerhand "Hellbronn". Nach dem 30-minütigen Auftritt der Australier war mit dem Aufwärm-Programm aber auch schon Schluss und das Publikum machte sich für die Beatsteaks bereit.
Beatsteaks (live in Heilbronn, 2011)
© Johannes Rehorst Um 21.05 Uhr hatte das Warten schließlich ein Ende und die fünf Berliner stürmten unter Jubel und grinsend die Bühne. Zur Freude vieler Anwesender dröhnten die ersten Akkorde von
Vision durch die Festhalle Harmonie – ein Song vom Album
Smack Smash, der während der letzten Touren eher selten zu hören war. Die Fans feierten ausgelassen und hießen die Berliner herzlich willkommen. Beim zweiten Lied
Monster war dann auch gleich die Stimmgewalt des Publikums gefragt. Das obligatorische "So kick it, so kick it, oh oh you've got it" schallte durch die Halle und man blickte in euphorisch brüllende Gesichter. Sogar die Frage von Sänger Arnim Teutoburg-Weiß, ob die Heilbronner nun Franken oder Schwaben seien, wurde vom Publikum großzügig verziehen. Immerhin hatten sich die Beatsteaks bisher noch nicht in die Stadt verirrt, was die Band in ihren Ansagen auch immer wieder betonte. "Heilbronn, nicht so schüchtern!", versuchten sie die Fans in ruhigeren Momenten aus der Reserve zu locken.
Ihre spritzigen Ideen, unendlicher Fleiß und die Berliner Schnauze haben sie ganz weit nach vorne gebracht.
© Johannes Rehorst Mit
Everything folgte erneut ein selten gespielter Song, der begeistert aufgenommen wurde. Die Lieder des aktuellen Albums Boombox kamen jedoch keinesfalls zu kurz:
Cheap Comments wurde sogar in Kombination mit
We don't need no education von Pink Floyd zum Besten gegeben. Die ausgekoppelten Singles
Milk & Honey und
Automatic luden außerdem zum Tanzen ein. Ein weiteres Highlight der Setlist stellte das Cover des Ton Steine Scherben Songs
S.N.A.F.T. dar – neben dem Lied
Soothe me, bei dem Sänger Arnim nur vom Klavier begleitet wurde, einer der andächtigeren Momente des Konzertes. Mit
I don't care as long as you sing verabschiedete sich die Band nach zahlreichen Zugaben aus der Festhalle Harmonie.
Thomas Götz am Schlagzeug ist seit 1998 bei den Beatsteaks.
© Johannes Rehorst Die Beatsteaks haben in Heilbronn eine Stunde und 45 Minuten lang solide abgeliefert. Neben den Songs vom neuen Album kam das Publikum auch in den Genuss älterer Lieder und konnte bei den größten Hits Textsicherheit beweisen. Der eine oder andere Moment ließ erahnen, dass die fünf Berliner in diesem Jahr bereits einige Konzerte und den Festival-Sommer hinter sich bzw. den Rest der Tour noch vor sich haben. Doch auch wenn die Band vielleicht an manchen Stellen Energie sparen musste, hat der Abend in Heilbronn wieder einmal bewiesen, dass die Beatsteaks absolute Live-Profis sind. Eine rundum gelungene Premiere.
Lisa-Marie Schnell