Auf einer kaum Pausen einlegenden Tour sind Stephen Malkmus und seine Band The Jicks derzeit unterwegs durch europäische Clubs. In der neuen Wahlheimat des Pavement-Frontmanns spielten sie im Berliner Postbahnhof ein krächzend-kratziges Konzert mit Hauptfokus auf dem aktuellen Album "Mirror Traffic".

Stephen MalkmusDer Pavement-Frontmann Stephen Malkmus hat mit seiner Band The Jicks das fünfte Album "Mirror Traffic" veröffentlicht. Auf ihrer Europatour haben sie auch in Berlin Station gemacht.
© Domino Records
Wenn man es genau nimmt, sind die neuen Pressefotos von Stephen Malkmus das visuell festgehaltene ästhetische Ideal innerlich früh gereifter, weiblicher Mitt- und Endzwanziger, die ihre akademische Laufbahn nicht so ernst nehmen, gepflegtes Schuhwerk dafür schon. Auf diesen Fotos posiert Stephen Malkmus – 45 und noch immer das Slacker-Pin-Up schlechthin – jetzt mit kurzem, grau durchzogenem Haar adrett im Hemd-und-V-Ausschnitt-Pullover-Look. Doch auf die Bühne des Berliner Postbahnhofs schlurfte ein viel jünger wirkender T-Shirt-Träger mit Strichmännchen-Armen und in die Stirn hängender Matte, als sei er gerade erst dem Cover seines zehn Jahre zählenden Debüts entsprungen. Alles also, wie es sein sollte. Stephen Malkmus, ganz der alte.

Stephen Malkmus & The JicksWer bereits auf einem Konzert von Stephen Malkmus war, ob mit Pavement oder solo, der weiß, dass dem Tacos liebenden Kalifornier die Bühne zwar primär als Ort zum Musikmachen dient, aber häufig auch bloß zur humoristischen Zeitschindung - wie im Postbahnhof in Berlin.
© Leah Nash (billions.com)
Wer bereits auf einem Konzert von Stephen Malkmus war, ob mit Pavement oder solo, der weiß, dass dem Tacos liebenden Kalifornier die Bühne zwar primär als Ort zum Musikmachen dient, aber häufig auch bloß zur humoristischen Zeitschindung – lange Pausen zwischen den Songs inbegriffen. Über Malkmus'sche Witze wurde dennoch gelacht. Der Kommentar eines Zuschauers kurz nach Konzertbeginn ("Ist das hier ein verdammter Stand-Up-Auftritt, oder was?") wurde von einem routiniert dahingerotzten Tigers übertönt. Das Augenmerk blieb den gesamten Abend über auf den Songs vom neuen und wundervollen Album Mirror Traffic, von denen Senator (ja genau, es geht um einen Blowjob, zumindest im Refrain) mit dem lautesten Applaus bedacht wurde. Die zu langen Gitarrensoli, auch das typisch Hairgazer Malkmus, ödeten etwas an, passten aber nicht minder phantastisch zur psychedelischen Stimmung, die in der Zugaberunde beim Elton-John-Cover Bennie And The Jets ganz surreal ihren Ausklang fand.

Stephen Malkmus & The JicksNach dem Auftritt ging es für Stephen Malkmus direkt nach Hause, denn seit kurzem hat er seine Heimat Portland verlassen, um für ein Jahr in der deutschen Hauptstadt zu wohnen.
© Leah Nash (billions.com)
Die Jicks (nun leider minus Schlagzeugerin Janet Weiss, die noch auf Mirror Traffic mitgewirkt hat, zurzeit jedoch selbst mit ihrer Band Wild Flag unterwegs ist) spielten geradlinig – oder besser: dampfwalzend – ohne die Rafinessen, die man von Becks produziertem Album kennt. Der Sound im Postbahnhof tat, wie zu erwarten war, das Übrige. Deshalb bleibt nur festzuhalten, dass mehr ruhige Stücke wie No One Is (As I Are Be) im Set den Gehörgängen besser getan hätten. Auch weil Malkmus am liebsten seinen Gesang mal dumpf, mal kratzig-schrill ins Mikrophon presste.

Nach dem Auftritt ging es für Stephen Malkmus nach Hause, denn seit kurzem wohnt er in der Hauptstadt. Es gibt wohl nichts Schöneres, als eine hard day's night im heimischen Bett zu verbringen.

Dobromila Walasek

Kommentare

Kontakt | Über regioactive.de | Jobs | Backstage | Partner | Mediadaten | Presse