Das Mohawk in der Industriestraße, in direkter Nähe zum Siebener und dem Rude 7, füllt eine Lücke, denn der kleine Konzertraum erlaubt ein spannendes Nischenprogramm. Fotostrecke starten

Innerhalb kürzester Zeit hat sich ein neuer Club in Mannheim einen Namen gemacht: Das Mohawk in der Industriestraße, in direkter Nähe zum Siebener und dem Rude 7, füllt eine Lücke, denn der kleine Konzertraum erlaubt ein spannendes Nischenprogramm. 2011 hat sich viel getan beim Mohawk. Nicht zuletzt durch eine Vereinsgründung befindet sich das Team auf dem Weg zur Professionalisierung, ohne dabei das Entscheidende aus dem Blick zu verlieren: Spaß an der Sache und große Leidenschaft für Musik stehen im Vordergrund.

regioactive.de: Ihr hattet im November eure Vereinsgründung. Wie kam es denn eigentlich dazu? War es von Beginn an die Grundidee, einen Verein zu gründen, oder war die Location als solche zuerst da?

Jonas: Recht früh hatten wir schon die Idee, einen "Mohawk e.V." zu gründen, der aus den Leuten des Mohawk-Teams bestanden hätte. Das hat sich aber schnell verlaufen, da wir erstmal sehen mussten, wie wir das Mohawk an sich gestalten und die ganzen Veranstaltungen managen. Außerdem fehlte uns das Know How, wie man einen solchen Verein gründet – da gibt es ja einige bürokratische Dinge zu beachten.

Also war zuerst tatsächlich die Location da?

Jonas: Ja. Das kam darüber zustande, dass der Chef der Firma axxial (Eventmanagement & Veranstaltungstechnik; Anm.d.Red.), in der ich damals arbeitete, den Claus Scholl gut kannte. Das ist der Vermieter der Proberäume hier im Gebäude. Auch im jetzigen Mohawk-Raum waren vor uns Bands drin, aber als reiner Proberaum ist das doch zu groß. So stand's hier leer, aber Claus und mein damaliger Chef wollten den Raum nutzen. Sie wussten, dass ich in der Szene aktiv bin und fragten mich, ob ich darauf nicht Lust drauf hätte. Hatte ich! Und holte dann Marian mit ins Boot. Wir beide machten dann den Anfang, machten alles selbst. Ich habe mir zum Beispiel auch erstmal html-Skills angeeignet, um die Webseite (→ www.mohawk-mannheim.de) machen zu können.

Marian: Das kam alles wie gelegen, denn tatsächlich hatten wir schon länger die Idee gehabt, eine Veranstaltungs-Location zu gründen. Prompt kam zwei oder drei Monate später diese Chance auf uns zu. Und als wir den Raum gesehen haben, hatten wir auch gleich Namensideen dafür, zum Beispiel "Rumpelkammer" (lacht). In der S-Bahn zwischen Heidelberg und Mannheim fiel uns dann aber glücklicherweise doch Mohawk (→ Wikipedia über das indianische Volk) ein.

Ein "Mohawk e.V." ist's aber doch nicht geworden.

Jonas: Nach einiger Zeit stellte sich heraus, dass wir einen bereits bestehenden Verein übernehmen könnten, was jetzt im Endeffekt auch so gekommen ist: Der PirArt e.V.. Das war der auf Eis gelegte Verein des technischen Leiters der Halle02 in Heidelberg, Maurice Sauter, wo Marian eine Weile auch Kulturevents machte. Er meldete um und engagiert sich heute übrigens auch bei uns.

Marian: Ursprünglich war dieser Verein in der Heidelberger Subkultur verwurzelt, machte dort Guerilla-Kunst-Aktionen und ähnliches. Maurice war für die neue Idee sofort Feuer und Flamme. Also wählten wir dann Vorstand, Beirat und die anderen neu. Jonas ist nun der 1. Vorsitzende, ca. 10 Mitglieder sind's insgesamt – mit allen gerechnet, die noch nicht im Verein sind, aber im Mohawk regelmäßig helfen, sind wir immerhin schon so um die 30 Leute.

Das erste Konzert hier liegt nun aber schon ein Weilchen länger zurück.

Jonas: Das war am 27. Novemer 2010 – regioactive.de hat an diesem Abend sogar Fotos gemacht.

Seitdem kommen die Helfer aus allen Ecken. Heute stellte ich fest, dass der Soundmann euch noch gar nicht persönlich kannte. Aber die Lust auf die gemeinsame Zusammenarbeit fürs Mohawk scheint sich herumzusprechen.

Jonas: Auf jeden Fall. Es gibt viele Anfragen, wie man mithelfen kann, insbesondere übers Internet. Das geschieht dann alles freiwillig, ohne Bezahlung. Jan, der heute beim Sound mithilft, kommt aus Heidelberg.

Wo kam denn dafür das Equipment her, wer baute Theke und Bühne?

Jonas: Die komplette Anlage mit Mischpult, das Licht und die Bühne – das kam alles von axxial, vom Ulli Daum, der sowieso auch ein alter Rock'n'Roller aus Mannheim ist und in diversen Bands spielte, zum Beispiel bei Norbert Schwefel als Bassist. Der hatte einfach Lust darauf uns zu unterstützen und nimmt's voll in Kauf, dass er nun mit seinem Geld ziemlich deftig bei uns mit drinsteckt.

Mit der bisherigen Erfahrung und solchem Support im Rücken habt ihr im September 2011 auch das erste Mohawk Open Air unter der Eisenbahnbrücke zwischen Jungbusch und Neckarstadt auf die Beine gestellt.

Jonas: Leider war das Festival nicht so gut besucht. Das lag wohl daran, dass wir erst sehr spät Werbung machen konnten, da uns lange Zeit konkrete Aus- und Zusagen von Seiten der Stadt fehlten. Das Gelände war nämlich genau da wo früher auch das Sulphur Sonic und vor einem Jahr der Brückenaward stattgefunden haben. Man kann da nicht einfach ungefragt aufbauen und ein Festival durchziehen. Für das SS, und jetzt für uns, kam die technische Unterstützung übrigens tatsächlich auch wieder vom Ulli. War auch initial seine und Claus Scholls Idee.

Marian: Die beiden geben uns mit solchen Ideen und der konkreten Unterstützung wirklich die Möglichkeit, hier zu wachsen und Erfahrungen zu sammeln. Gleichzeitig haben wir die Freiheit, am Ende die Dinge so zu gestalten wie wir uns das vorstellen. Die verbindende Gemeinsamkeit ist eben einfach, dass wir alle der Ansicht sind, dass in Mannheim in dieser Richtung zu wenig geht.

Wenn du damit auf Mannheims Mangel an kleinen und regelmäig bespielten Live-Clubs ansprichst, dann stößt das Mohwak da ja tatsächlich in genau diese Lücke. Mit 30 bis 50 Besuchern ist der Laden wohlig gefüllt und der Stimmung steht nix im Wege.

Jonas: So ist es. Und die Resonanz aufs Mohawk zeigt uns das auch ganz deutlich. Nicht zuletzt ist bei uns nun auch der Macher der Konzertreihe "Brandherd" eingestiegen. Er war sofort begeistert, weil er ja auch eher abseits des Mainstreams agiert und die Größe des Mohawk da besser passt. 3 Veranstaltungen haben wir jetzt schon mit ihm gemacht. Anfragen auf weitere Kooperationen kommen längst schon nicht mehr nur aus Mannheim oder nur der Musikszene. Und das finden wir super, denn wir selbst wollen uns eigentlich gar nicht beschränken, zum Beispiel auf bestimmte Genres, sondern sind für Input und Vorschläge immer offen. Lesung, Tanzperformance, Theatergruppe – auch dafür wollen wir einen Raum bieten.

Marian: Auch deshalb ist's nun der PirArt e.V. geworden, nicht einfach nur der Mohawk e.V. wie ursprünglich gedacht. Damit steht ein Überbau zur Verfügung, an dem sich viele beteiligen können. Ebenso wie es uns hoffentlich in rechtlichen Dingen einen Vorteil verschaffen wird, nicht lose, sondern in einem Verein organisiert zu sein.

Jonas: Und der PirArt e.V. will Mannheim und der Region wirklich etwas bieten. Wir wollen uns etablieren und sind wie gesagt zu weiterer Zusammenarbeit bereit, ob mit der Stadt, der Popakademie, Clustermanagement oder weiteren privaten Initiativen aus der Region.

Marian: Durch die Vereinsgründung wird da künftig mehr möglich sein, als das bisher der Fall war. Die Kontakte zu Popförderung und Clustermanagement bestehen zum Beispiel schon eine ganze Weile, zu konkreter Unterstützung kam es bisher jedoch nicht. Aber Beril (→ Interview mit Beril Yilmam, Mannheims Beauftragte für Musik- und Popkultur) war bereits zweimal hier und besuchte auch unser Festival.

Würdet ihr euch da mehr Support wünschen, oder fühlt ihr euch in eurer aktuellen Unabhängigkeit sehr wohl?

Marian: Wir agieren nicht-kommerziell, der Verein ist rein selbst finanziert. Aber selbstverständlich sind wir auch diesbezüglich jedem Vorschlag gegenüber offen eingestellt. Wir wollen uns keinesfalls abgrenzen oder isolieren, sondern streben Kooperationen an.

Jonas: Wir haben viele Ideen und viel Energien, und ganz bestimmt wäre für deren Verwirklichung an der ein oder anderen Stelle tatsächlich auch finanzielle Unterstützung wirklich hilfreich. Der Club selbst ist einfach zu klein, als dass man da, selbst wenn man wollte, wirklich viel Geld herausschöpfen könnte. Ganz abgesehen davon, dass es prinzipiell ein schwieriges Unterfangen ist, eine Location von Grund auf aufzuziehen. Auf jeden Fall bieten wir uns an, den Marketingbegriff "Musikhauptstadt" auch mit Inhalten zu füllen.

Marian: Und das von der Auftrittsmöglichkeit für Newcomer bis hin zu umfassenderen Ideen.

Verfolgt ihr ähnlich gelagerte Projekte in der Region, wie zum Beispiel die Ereignisse rund um das Kosmosdrom in Heidelberg?

Jonas: Auf jeden Fall. Das mit dem langen Umbau und dem bedauerlichen Ende ist eine bittere Pille. Die Villa steht ja auch immer wieder auf der Kippe.

Marian: Es gibt generell gute Connections in der Region. Bei mir zum Beispiel besonders nach Heidelberg, weil ich in der Halle das FSJ gemacht habe.

Und wie fühlt ihr euch selbst hier an eurem Fleckchen in der Industriestraße, die neben dem Jungbusch ja immer mal wieder als potentiell alternative oder weitere Partymeile ins Gespräch kommt – freilich nicht ohne die bekannten Widersprüche der ansässigen Unternehmen. Auf jeden Fall seid ihr nun aber in direkter Nachbarschaft zu Rude 7 und Siebener. Wie ergänzt sich das?

Jonas: Es gibt noch ein paar andere Locations hier. Connections bestehen und wir finden dieses Umfeld hier sehr geil. Für mich ist die Industriestraße mit das Beste, was Mannheim derzeit so zu bieten hat. Es ist einfach ein Stück ab vom Schuss, was eigentlich ja eine gute Vorraussetzung für solche Locations ist, in denen u.a. Live-Musik stattfindet. Es gab auch bei uns bisher keine Beschwerden wegen Lärm.

Stört es euch demnach, dass der Fokus der institutionellen Mannheimer Musikförderung insbesondere auf den Jungbusch fokussiert zu sein scheint?

Marian: Nicht unbedingt, aber in der Industriestraße kann man sich halt wirklich allgemein kreativ, künstlerich und musikalisch auslassen: Hier gibt's die Proberäume. Die Besucher kommen wirklich gerne hierher, obwohl die Anbindung mit Bus und Bahn ja besser sein könnte. Und ja, das Programm der Locations ergänzt sich gut: Das Rude7 macht Reggae und Dancehall, der Siebener belegt die klassische Rocksparte und macht zahlreiche Events mit Coverbands, und jetzt gibt's hier eben zusätzlich auch noch uns. Ein Anwohnerproblem gibt es hier nicht, so sind zum Beispiel unsere Kontakte zu den Werkstätten im hinteren Teil des Gebäudes wirklich super, die stört das abendliche Treiben hier nicht, solange keine Scheiße gebaut wird. Und wir sorgen dafür, dass da niemand unnötiges Remidemmi macht.

Was darf man von euch nun als nächste Schritte erwarten?

Marian: Wir werden weiter daran arbeiten uns zu professionalisieren, womit ich aktuell vor allem bürokratische Themen aus dem rechtlichen und versicherungstechnischen Bereich meine. Und dann geht's volles Rohr mit dem Programm weiter: Wir haben tolle internationale Acts, zum Beispiel aus Dänemark, die hier spielen werden. So wie die In-Betweens aus New York vor kurzem – das war ein Hammerkonzert, und Wiederkommen werden sie auch. Und natürlich viele Bands aus der Region, die hier starke Konzerte geben werden.

Jonas: Ein Club braucht eine gewisse Zeit, um sich richtig zu etablieren. Daran arbeiten wir, indem wir tolle Veranstaltungen machen.

Das gesamte Booking dafür machst du, Jonas? Wie oft wird's in der nahen Zukunft Programm geben und welche Konditionen können Bands erwarten, die auch gerne mal bei euch spielen würden?

Jonas: Ja, das Booking läuft über mich, mit Ausnahme der Veranstaltungen vom "Brandherd". Wir haben soviele Anfragen, dass jetzt schon wieder mindestens ein Event pro Wochenende auf mehrere Monate im Voraus voll verplant ist. Von Metal über Industrial bis Indie und mehr ist da alles dabei. Die Bands erhalten von uns bzgl. kleiner Gage per Doordeal und Getränken immer was. Pay to Play oder ähnliches wird es hier nicht geben.

Marian: Das ist wichtig, denn wir wollen uns nicht bereichern an der ganzen Sache, sondern ohne kommerziellen Anspruch Konzerte machen, Veranstaltungen machen, Musik und andere Dinge bieten, die den Leuten Spaß bringen.

regioactive.de: Dabei wünschen wir euch weiterhin viel Erfolg. Vielen Dank für das Interview!

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