Zum Auftakt ihrer "Sturm aufs Paradies"-Tour luden die Mittelalter-Rocker nach Köln. In einer gut gefüllten Live Music Hall überzeugten sie ihre Fans mit handgemachter Musik auf Instrumenten der letzten Jahrhunderte. Die rudimentäre Bekleidung einiger Bandmitglieder tat dann zumindest auf Seiten der weiblichen Besucherschaft ihr übriges, um die Stimmung völlig überkochen zu lassen. Das starke Geschlecht kam aber auch auf seine Kosten, bezauberte Cumulo Nimbus doch als Support mit Frauenpower auf der Bühne.
Testosteron und Marktsackpfeiffe gehen zusammen wie Butter und Brot. Ob hipper Haarschnitt oder traditionelle Kopfbedeckung, bei Saltatio Mortis kennt der gute Geschmack keine Grenzen.
© Thomas Galambos Die Bühne ist in gespenstisches grünes Licht getaucht, als die ersten Takte von
Ode an die Feindschaft erklingen. Die schwarze Fangemeinde singt gleich zu Beginn lauthals mit. Nach
Habgier und Tod und
Sündenfall begrüßt Alea das begeisterte Publikum mit den Worten: "Ich hoffe, ihr habt genug Energie mitgebracht, denn wir haben viel mit euch vor...". Und "jetzt sollt ihr erstmal tanzen..." ist die Einleitung zu
Hochzeitstanz, einem melancholischen und düsteren Song. Energiegeladen geht es weiter, unterstützt von einer genialen Lichtshow. Lasterbalk, "der Lästerliche", seines Zeichens Schlagzeuger, berichtet von ihrem Nightliner und was mit diesem passiert sei: Er stünde wohl noch immer brennend irgendwo in der Nähe von Heilbronn, so dass die Band weder wüsste, wo sie die Nacht verbringen solle, noch wie sie zur nächsten Location kämen. Doch diese lustig anmutende Geschichte – denn erzählen kann Lastebalk sehr gut – nahm er zum Anlass als Überleitung zu einem sehr ernsten Thema: Fukushima. Zu diesem Ereignis schrieben
Saltatio Mortis den Titel
Fiat Lux (lat. es werde Licht).
Auch wenn der Reifen und Benzinkanister auf eine Panne hindeuten, war der Stop in der Live Music Hall doch gewollt. Sänger Alea der Bescheidene in Pose.
© Thomas Galambos Saltatio Mortis ist die lateinische Übersetung für Totentanz. Da wundert man sich auch nicht über die ausgefallenen Namen der Bandmitglieder: Alea der Bescheidene (Gesang, Sackpfeifen, Schalmeien), Falk Irmenfried von Hasenmümmelstein (Marktsackpfeife, Schalmei, Drehleier, Gesang), Lasterbalk der Lästerliche (Schlagzeug, Davul, Trommeln, Pauke, Percussion), El Silbador (Marktsackpfeifen, Schalmeien, Uilleann Pipes, Low Whistle, Hümmelchen), Herr Samoel (Gitarre, Laute, Zister), Jean Méchant, genannt der Tambour (Schlagzeug, Percussion, Gesang), Luzi das L (Sackpfeifen, Schalmei, Trumsheit, Bouzouki, Whistle) und Bruder Frank (Bass, Fretless Bass, Chapman Stick & electric Upright). Die Namen der Bandmitglieder stammen alle aus Rollenspielen wie "Stadt der 1000 Augen", "Das Jahr des Feuers - Schlacht in den Wolken" oder "Friun wählt".
Einmal Bass, zwei mal Marktsackpfeiffe. Bei ihren Rockshows reißen die Karlsruher Genregrenzen ein und verwandeln die Clubs in ein Hybrid aus Moderne und Mittelalter.
© Thomas Galambos Alea ist der Meinung, auch ohne Worte erklären zu können, was er seinen treuen Kölner Fans sagen möchte. Er bittet sie darum ihre Hände hoch zu halten, die Augen zu schließen und nun die Hände links und rechts neben sich zu ergreifen. Im Vertrauen auf diesen Halt sollen jetzt alle gemeinsam springen. Zugleich erklingen die ersten Noten von
Halt mich fest. Der Saal erbebt unter den Füßen der über 1200 Fans in Köln. Die Spielleute aus Baden-Württemberg haben ihren Fans in der nahezu ausverkauften Kölner Live Music Hall einen unvergesslichen Abend bereitet. Die Stimmung war bombastisch gut und dank vieler Zugaben schien der Abend auch kein Ende zu nehmen.
Setliste
Ode an die Feindschaft, Habgier und Tod, Sündenfall, Hochzeitstanz, Wirf den ersten Stein, Miststück, Fiat Lux, Koma, Nachtigall und Rose, Manus manum lavat, Eulenspiegel, Wieder unterwegs, Nach Jahr und Tag, Tritt ein, Tad und Teufel, Spiel mit dem Feuer, Prometheus
Rastlos, Worte, Uns gehört die Welt, Falsche Freunde, Spielmannsschwur
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Anke de Weerth von Vettelhoven / Fotos: Thomas Galambos