"sehr nah an der musikalischen realität"
Popcamp 2010: Interview mit Andreas H. Bacon von The Bonny Situation
Interview vom 29.12.2010 | Autor: Lisa-Marie Schnell
Tags: The Bonny Situation Popcamp
Interview vom 29.12.2010 | Autor: Lisa-Marie Schnell
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The Bonny Situation aus Duisburg zählten nach der Nominierung durch regioactive.de in diesem Jahr zu den fünf auserwählten Bands, die am Popcamp 2010 teilnehmen durften. Sie kamen somit in den Genuss von professionellen Coachings in verschiedenen Bereichen und spielten einige Popcamp-Gigs im Rahmen des Förderprogramms. Andreas "Hollywood" Bacon, Gitarrist der "Bonnies", berichtet von den Eindrücken und Erfahrungen, die die Band beim Popcamp gesammelt hat.
Was habt ihr euch vom Popcamp erhofft und inwiefern wurden eure Erwartungen erfüllt?Kanntet ihr die anderen teilnehmenden Bands (JONA:S, Marie and the redCat, Max Prosa und Trinity Lane) bereits vorher?
Andreas: Die anderen Bands kannten wir vor dem Popcamp eigentlich nicht. Nur beim sogenannten Live-Audit lernte man schon einige kennen. Das ist das Event, bei dem eine bereits kleinere Auswahl an Bands vor der Jury spielt, und daraus wiederum nur einige Bands ins Popcamp-Programm aufgenommen werden.
Wie hat man sich eine Arbeitsphase im Popcamp vorzustellen?
Andreas: Morgens aufstehen, frühstücken, Musik machen, Mittagessen, Musik machen, Kaffee/Kuchen, Musik machen, Abendessen, Musik machen, Abend ausklingen lassen. Zumindest sah es so bei uns aus, das konnte aber durchaus auch unter den Bands differieren. Jeder konnte genau daran arbeiten, wo er selbst Förderpotential gesehen hat. Bei uns war es einfach die Schärfung unserer musikalischen Identität, weswegen wir sehr viel, ganz einfach Musik gemacht haben. Andere haben beispielsweise an ihrer Bühnenperformance oder an Backingvocals gearbeitet. Schön ist es einfach, wenn man mal eine Woche ganz konzentriert arbeiten kann, ohne vom sonstigen alltäglichen Leben gestört zu sein. So musste keiner denken "Oooh, nee, heute will ich aber nicht so lang machen, morgen muss ich wieder früh raus zum Job." Oder: "Mensch Jungs, mein Tag heute war so sauanstrengend, weiß gar nicht, ob ich heute Abend proben kann." Mit alle Mann konnte man einfach nur "Bandbelangreiches" angehen.
Welche Gigs habt ihr wo und wann im Rahmen des Popcamps 2010 gespielt?
Andreas: In der ersten Arbeitsphase spielten wir im Rittergarten in Trossingen, ein feines kleineres Konzert in einer netten Location. In der zweiten Arbeitsphase spielten wir dann im größerem Rahmen das Popcamp 2010 Abschlusskonzert im Kesselhaus in Berlin – in umfangreichem Stil und mit großem Aufgebot an Licht- und Soundanlage. Das war wirklich etwas Besonderes und weil auch im Vorhinein gute Promotion lief, konnte man so mal in Berlin vor vollem Haus spielen. Schön ist, dass sich auch über die konkreten Arbeitsphasen hinaus mit den Coaches und Beteiligten des Popcamp arbeiten lässt und somit werden in Zukunft wohl auch noch einige Gigs mehr für uns herausspringen.
Welche Phase des Popcamps hat euch rückblickend am meisten gebracht?
Andreas: Insgesamt gibt es zwei Arbeitsphasen beim Popcamp. Drumherum gibt es dann noch andere Veranstaltungen und Workshops. Für uns waren beide Arbeitsphasen gleichwertig wichtig. Für besonders sinnvoll haben wir es allerdings erachtet, dass es überhaupt eine zeitlich getrennte zweite Phase gibt, bei der umgesetzte Kritikpunkte noch einmal von Coaches beurteilt werden. Genau dadurch hat man den Eindruck, wirklich mit den Beteiligten zu arbeiten, weil sie nicht nach ein paar Meinungsäußerungen verschwunden sind und man auf sich gestellt ist, sondern sich wirklich mit einem als Band auseinandersetzen. Überhaupt haben sie so auch die Gelegenheit, eine Entwicklung zu bemerken, was bei einer einzelnen Arbeitsphase beispielsweise unmöglich wäre. In der ersten Arbeitsphase haben wir ganz viele Anregungen bekommen. Ein paar Wochen später, in der zweiten Arbeitsphase, hatten wir bereits viele Dinger umgesetzt und konnten uns dort wiederum von den Coaches "abholen" lassen.
Habt ihr euch durch das Popcamp insgesamt weiterentwickelt oder ist ein großer Schritt nach vorn in dieser kurzen Zeit nicht möglich?
Andreas: Uns hat das Popcamp auf jeden Fall total viel gebracht. Wir sind ohnehin eine Band, die, wenn ihr was nicht gefällt oder begründete Kritik bekommt, sehr schnell schaltet und dann auch ganz schnell Dinge in richtige Bahnen lenken kann. Hierfür haben wir wirklich sehr viele Anhaltspunkte mit den Coaches gefunden. Endlich konnten wir beispielsweise mal mit Produzenten an unseren Kompositionen und Arrangements arbeiten. Sonst stemmen wir das alles alleine und verrennen uns auch häufig in Diskussionen. Im Popcamp waren wir nach kurzer Zeit bereits dafür berüchtigt, dass wir immer und alles in ewigen Diskussionen gipfeln ließen, die dann immer am Essentisch lauthals weitergeführt werden mussten. Jemand von außen kann da sehr hilfreich sein, um mal einen neuen Standpunkt oder eine andere Sichtweise einzubringen. Oder um auch einfach mal zu moderieren, weil von außen viele Dinge einfacher aussehen, als sie einem als Involvierter erscheinen mögen. Wenn man mal für eine ganze Zeit so viel mit seinen Bandkollegen zu tun hat, wächst außerdem auch die zwischenmenschliche Ebene. Auch das hat uns auf jeden Fall sehr gut getan.
Eure Tipps für zukünftige Popcampteilnehmer: sich auf die Teilnahme vorbereiten oder alles auf sich zukommen lassen?
Andreas: Eigentlich muss man Tipps nicht konkret fürs Popcamp geben. Als Band muss man sich in seiner Karriere oder auf seinem Weg einige Klarheiten schaffen. Sich derer bewusst zu sein, kann im Popcamp genauso helfen wie aber auch einfach generell im Musikbetrieb. Das Popcamp ist ja sehr nah an der musikalischen Realität. Auch falls man nicht im Popcamp angenommen wird, sollte man dennoch ja immer daran arbeiten, besser zu werden. Allerdings lassen sich vielleicht ein paar Voraussetzungen weitergeben: man sollte sich klarmachen, wohin man als Band will und wie man das erreichen möchte. Auch ist es sinnvoll, sich vielleicht im Vorhinein Gedanken zu machen, wo man selbst Schwachstellen im Bandkonstrukt vermutet.
Wir hatten uns direkt ein paar Dinge vorgenommen und konnten an diesen auch sehr konkret arbeiten. Wir wollten hauptsächlich an unserer musikalischen Sprache feilen und konnten so direkt auf einige Dozenten zugehen. Insofern hilft also ein Vorbereitetsein dann doch. Wenn man unter "alles auf sich zukommen lassen" versteht, dass man sich öffnet für neue Einflüsse, muss man sagen, dass man dazu auf jeden Fall bereit sein sollte. Neben allen Sachen, die man selbst einschätzt und die vorbereitbar sind, wird man auf jeden Fall auch ganz neue Sachen kennenlernen, denen man offen gegenüber stehen sollte, da es einfach einen als Band weiterbringt.
Wir danken dir für das Interview, Andreas!
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