Four Sided Cube unplugged im Soho
Interview mit Four Sided Cube-Sänger Rainer Döhring
Interview vom 04.10.2003 | Autor: Gerald Merkel
Tags: Four Sided Cube
Interview vom 04.10.2003 | Autor: Gerald Merkel
Tags: Four Sided Cube
Mit einem unplugged-Gig eröffneten Four Sided Cube die neue Veranstaltungsreihe "stage box" im prallgefüllten Soho. Gutes Timing in jeder Hinsicht: Erst vor wenigen Wochen veröffentlichten die Ladenburger ihre dritte CD "Daily". Mehr eine Reflexion ihres derzeitigen musikalischen Schaffens als der Versuch auf biegen und brechen eine Stufe höher im Musikbusiness zu kommen – independent im klassischen Sinn. Anlass und Gelegenheit mit Sänger und Gitarrist Rainer Döhring zu plauschen.
Four Sided Cube sind eine Band, mit der man live nichts falsch machen kann. Unplugged-Auftritte sind für die Vier nichts gänzlich neues, zumindest teilweise wurden Konzerte unter Verzicht auf Elektro-Klampfen bestritten. Und man kann sich fragen, ob hier nicht sogar ihre Stärke liegt. Der Eröffnungsabend der stage box im Soho legt das jedenfalls nahe, die Band zauberte eine dichte und intime Atmosphäre, getragen von sorgfältigem Songwrtiting, intensivem, z. T. mehrstimmigen Gesang und vor allem: Viel Gefühl ohne jemals kitschig zu werden. Im Soho sind sonst vor allem Elektro-Klänge am Start, an diesem Abend regierte allerdings Lagerfeuer-Stimmung. Passte ebenso gut zum Ambiente des Clubs, und solange trotz solcher Konzerte niemand der Versuchung nachgibt, in der Lounge-Ecke tatsächlich eins anzuzünden kann man sich noch auf eine Reihe von Konzerten in der stage box freuen.
Ein Konzert mit dem alle Beteiligten zufrieden sein dürfen, FSC sind das zur Zeit ohnehin, was an ihrem vor kurzem veröffentlichten dritten Album Daily liegt. Anlass und Gelegenheit mit Sänger und Gitarrist Rainer Döhring zu plauschen, dessen Stimme, an diesem Abend wie auf der CD, für die eine oder andere Gänsehaut gut ist. "Wenn man die Augen zumacht, denkt man Eddie Vedder sitzt da vorne" seufzt eine Lady neben mir. Was soll man da mehr sagen?
RA: Eure dritte CD ist fertig, ihr wart lange dran, darf man annehmen, dass ihr zufrieden seid?
Rainer Döhring: Sind wir. Es steckt superviel Zeit und Kraft dahinter, natürlich auch Nerven, Reizüberflutung und tonale Destruktion. War schon ein Fall für die Psychoanlyse ab und an, aber für Zeit- und Energieaufwand sind wir letztlich überzufrieden.
RA: Ihr habt das Album alleine produziert?
Rainer: Ziemlich. Bei Mix und Mastern hatten wir Schützenhilfe von Bennis Metz, ein Tonmensch, der im Newcomerbereich sehr aktiv ist, er arbeitet mit Soapbox, mit Variety, Thorn Eleven, den Flames und allen möglichen Leuten.
RA: Hatte er im eigentlichen Sinn die Rolle eines Produzenten?
Rainer: Er ist jemand, der es auf keinen Fall unterlässt, seine Meinung einzubringen, und das ist gewünscht und gut so. Außer technischem Können und Know How hat er auch wirklich ein Ohr für Musik. Jemand der sagt: Hier ist der Sound songdienlich, da überhaupt nicht angebracht, was uns natürlich oft zur Raserei gebracht hat, da wir oft selbst nicht gesehen haben, auf was er eigentlich raus will.
RA: Eine CD ohne eine Person außerhalb der Band, die ab und an einhakt, aufzunehmen ist ja auch nicht ohne…
Rainer: Es ist nicht so schwierig, wenn du innerhalb der Band jemand hast, der sich mit den gröbsten technischen Dingen auskennt: Wie funktionieren die Soundlabore auf dem Rechner, was braucht man an Equipment und tralala. Dann braucht man eigentlich – außer Songmaterial – Geduld, ein wenig Routine durch Live-Auftritte und dann geht's.
RA: Habt ihr vor den Aufnahmen versucht ein Label zu kriegen?
Rainer: Überhaupt nicht. Keine Lust. Die Plattenfirma, mit der wir bauen und schrauben würden, müsste erst noch erfunden werden. Unser Anspruch wäre so hoch, da würde jede Firma sagen: Was wollt ihr denn, ihr kleinen Regionalpisser? Und unter solchen Umständen wollen wir eben auch nicht, und wir haben keine Probleme damit.
RA: Habt ihr vor, mit der fertigen CD an eine Firma heranzugehen?
Rainer: Das werden wir schon tun, allerdings in erster Linie, um zu sehen was da an Feedback zurückkommt. Ob das Songmaterial für die irgendwie interessant wäre. Einen Deal an Land zu ziehen, steht da nicht unbedingt im Vordergrund. Keiner von uns hat wirklich Lust auf einen Deal in dem Sinn, unbedingt "funktionieren" zu müssen. Z. B. einen Song umbauen zu müssen, im schlimmsten Fall einen Song von jemand anderem spielen zu sollen. Kompromisse zu machen, wenn es für einen selbst rockt, ist kein Thema. Ich glaube aber einfach nicht, dass es eine Firma gibt, die meinen Vorstellungen entspricht. Wenn, dann ein kleines gemütliches Indie-Label.
RA: Also seid ihr mit eurem derzeitigen Status – Ihr könnt Cds produzieren, habt eine ordentliche Fanbase hier in der Gegend – völlig zufrieden?
Rainer: Keiner von uns will auf Teufel komm raus in eine Maschinerie rein, von der man hinterher eh nicht weiß, wie es endet. Was zählt ist, dass wir Songs schreiben mit denen wir uns wohl fühlen. Wenn dann dazukommt, dass sich andere auch damit wohl fühlen, haben wir das Meiste erreicht. Wenn nicht, dann hoffentlich das Minimalziel, dass wir selbst mit unserer Musik zufrieden sind. Das ist der Fall, dafür brauche ich keine Firma, dafür brauche ich keine riesige Tour oder 10 000 Platten verkaufen. Wenn wir unsere Auflage von 1000 hier in der Region wegbringen, wie das mit der letzten CD auch geschehen ist, dann ist das sensationell.
RA: Habt ihr in der Vergangenheit versucht mit Labels Kontakt aufzunehmen?
Rainer: Haben wir. Kleine Geschichte: Unter anderem haben wir Material an Virgin verschickt. Über den Direktkontakt an eine Lady, die auch in der Zeitschrift Soundcheck Newcomer rezensiert. Nach wenigen Wochen kam der Kram zurück, mit der Bemerkung, man habe sich intensiv damit beschäftigt. Mein Eindruck war, dass die es gar nicht angefasst haben, eine CD war noch originalverpackt usw. Eine Woche später waren wir auf dem Visions-Sampler, die Dame von Virgin ruft daraufhin an und bittet darum, dass wir ihr Material zusenden. Wir haben noch mal was geschickt, es gab ein paar Telefonate, passiert ist nie wirklich etwas. Wenn das so läuft, dass Leute ihren Hintern nicht aus dem Büro kriegen, gesetzt der Fall sie sind wirklich an der Band interessiert, wenn man sich die Leute nicht anschaut, kein Konzert der Band etc., dann brauche und will ich das eben auch nicht. Was ich viel interessanter finde, ist wie das die Jungs von Soapbox und Noise Pollution machen, ein eigenes Ding zu gründen, regional mit eigenem Studio, ein Kollektiv an Bands und dann zu sehen, dass man in kleine Vertriebsstrukturen kommt.
RA: Wie sieht es mit Konzerten aus? Auch die regionale Linie?
Rainer: Im Moment schon, auch weil wir alle neben der Musik ziemlich viel um die Ohren haben. Aber es gibt da ja gute Strukturen wie Big Noise Communitiy, Noise Pollution, der Kontakt zu One Take usw., das wird sicher auch wieder mehr bei und passieren.
Konsequenterweise wird "Daily" auch nicht über überregionale Vertriebsnetze auf den Markt geworfen, sondern ist direkt über die FSC, bzw. über folgende Läden zu beziehen:
-bei Musicant (Musikalienhändler in der Neckarstadt) – www.musicant-mannheim.de – Kleistr. 10
-comeback (der legendäre Laden für gebrauchten Schall) S1, 17
-ab Anfang Oktober im Saturn.
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