hitzige show bei eisigem schneetreiben
Konzertbericht: Kele live im Heidelberger Karlstorbahnhof
Review/Bericht vom 01.12.2010 | Autor: Lisa-Marie Schnell
Tags: Kele Bloc Party
Review/Bericht vom 01.12.2010 | Autor: Lisa-Marie Schnell
Tags: Kele Bloc Party
Kele Okereke, Frontmann der Indierock-Band Bloc Party, wandelt momentan mit seinem wesentlich elektronischeren Debütalbum "The Boxer" auf Solopfaden. Der Brite trat im Rahmen der Konzertreihe "Prêt-à-écouter" am 29.11.2010 im Heidelberger Karlstorbahnhof auf und begeisterte das vorwiegend junge Publikum.
Der Karlstorbahnhof war mäßig gefüllt, als um 21.30 Uhr das Licht ausging und eine junge Dame die Bühne betrat. Holy Ghost aus New York mussten ihren Support-Auftritt in Heidelberg leider absagen, doch Mama aus London sprang mit ihren selbst geschriebenen und produzierten Elektrosongs für die Amerikaner ein und bot einen Vorgeschmack auf Keles Performance. Mal sang die junge Künstlerin hinter ihrem Laptop, während sie ihre Beats abspielte, mal performte sie am Bühnenrand oder gesellte sich ins Publikum, um die noch reservierten Anwesenden zum Tanzen zu motiveren. Zu guter Letzt verabschiedete sie sich und verschwand in der Menge, um sich einen Weg zum Ausgang zu bahnen. Gegen 22.15 Uhr war es dann soweit und Kele betrat zusammen mit Keyboarderin, Bassist und Schlagzeuger die Bühne im Karlstorbahnhof. Über ihren Köpfen schwebte eine Leuchtreklame, die aus vier schlichten Buchstaben bestand: KELE. Das Publikum, hauptsächlich im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, empfing den Briten im mittlerweile rappelvollen Club euphorisch und tanzte zu den ersten Tönen von Walk tall, dem Opener des aktuellen Albums The Boxer. Dichte Nebelschwaden zogen sich durch den Karlstorbahnhof und Kele zeigte, dass er sichtlich Spaß an seiner Performance und dem Austausch mit den textsicheren Fans hatte. Ab und zu versuchte der gebürtige Liverpooler sogar mit seinen Deutschkenntnissen zu glänzen. Die ständige Nachfrage nach der richtigen Aussprache der Stadt "Heidelberg" entwickelte sich zum Running Gag des Abends. Ein besonderes Highlight stellte zweifelsohne das Medley einiger Bloc Party-Songs dar, die Kele in neuem elektronischen Gewand zum Besten gab. Ziemlich früh ertönten die ersten Klänge seiner zwei bekanntesten Songs. Wer jedoch glaubte, dass Kele sein Pulver mit Tenderoni und Everything you wanted, den beiden ersten Single-Auskopplungen, zu früh verschossen hatte, wurde nach den enthusiastischen Zugaberufen eines Besseren belehrt. Neben seinen eigenen Stücken und dem gefeierten Medley spielte er auch ein Cover seines Lieblingssongs aus den 80ern, Goodbye Horses von Q Lazzarus. Zwei Mal kehrten Kele und seine Band auf die Bühne zurück, um Zugaben zu spielen. Sie begeisterten das wild tanzende und springende Publikum. Der 29-jährige zeigte sich sichtlich angetan von der guten Stimmung im Karlstorbahnhof, der weder die klirrende Kälte inklusive Schneetreiben noch die Tatsache, dass es ein Montagabend war, etwas anhaben konnte. Kele ließ sich von den Heidelbergern beim Stage Diving buchstäblich auf Händen tragen. Er performte sowohl mit Gitarre als auch mit exotischeren Maracas, aber manchmal eben auch nur am Mikrofon und faszinierte mit seiner Mischung aus Elektro-Klängen, harten Beats und elektronisch verzerrter Stimme den ganzen Karlstorbahnhof. So ganz ohne Rockstar-Attitüden wollte Kele seine Fans dann aber doch nicht nach Hause gehen lassen. Wenige Songs vor Konzertende entledigte er sich zur Freude einiger anwesenden Damen seines T-Shirts, bevor er seine Fans nach einer guten Stunde mit einem letzten Song seiner Band Bloc Party in die verschneite Nacht entließ.Kontakt | Über regioactive.de | Jobs | Backstage | Partner | Mediadaten | Presse