Nimmt man Kommentare übers Finkenbach Festivals unter die Lupe, zieht sich (außer den leidigen Polizeikontrollen) vor allem ein Thema durch: Früher war's besser weil unkommerzieller, Hort der Hippiekultur etc. Mag sein, mag sein. Für jüngere Semester ist Finkenbach immer noch ein Farbklecks in der Festivallandschaft, an dem dieser Flair zumindest noch ansatzweise in der Luft liegt, das Miteinander der örtlichen Vereine mit Festival-Oberguru Manni Neumaier nach wie vor einzigartig ist und dessen musikalisches Angebot jedes Jahr eine interessante Mixtur bietet – auch und weil es sicherlich nie alle Geschmäcker trifft.

Kritisiert wird unter anderem, dass der Eintrittspreis zu hoch sei, das Festival an seinen alten Platz zurückkehrte (nicht mehr mitten im Ort, abschüssige Wiese) und die Standverteilung innerhalb des Geländes überorganisiert sei. Was den Preis angeht, ist nicht nachvollziehbar, dass 30 € für drei Tage und 20 € für einen Tag heutzutage als teuer gelten. Wer sich die Preise anderer Festivals und die Preisentwicklung von Konzerten im Allgemeinen zu Gemüte führt, wird da kaum widersprechen können. Leider. Das Gelände hält jeder Kritik stand, ob 1 Km weiter links oder rechts, der Finkenbach plätschert gemütlich vorbei, der hintere Zeltplatz liegt direkt auf dem Festivalgelände, wem's in dem lauschigen Odenwald-Tal nicht gefällt hat vermutlich eine Überdosis Goa intus. Über die Geschichte mit den Ständen lässt sich in der Tat streiten. Immerhin findet man auf den Zeltplätzen noch genug Originale mit entsprechendem Flair, aber dieser Punkt könnte von den Organisatoren sicher ohne größere finanzielle Einbußen besser gelöst werden. Das Thema Polizeikontrollen ist eine Sache für sich. Nicht nur ein Problem in Finkenbach, wenn auch bis jetzt das einzige Festival, an dem ich Gruppen von Staatsdienern in Demonstrationskampfkluft übers Gelände tigern sah. Mag am bekannt gewalttätigen Charakter dieser Veranstaltung und seiner Besucher liegen... Jedenfalls mehr als ärgerlich und wird an dieser Stelle gesondert zu behandeln sein.

5000 Besucher waren's jedenfalls trotzdem wieder und Musik gab's auch noch. Freitags durften die Rodgau Monotones die Hesse komme lasse, was, wie zu erwarten, eher gemischt aufgenommen wurde. Finkenbachtypisch: Guru Guru, jedes Jahr frisch und eindrucksvoll, danach lieferte das Waliser Urgestein Man einen Höhepunkt des Festivals.

Samstags ging's mit Ras Abraham & Roots Natty Congo los. Reggae geht in Finkenbach natürlich immer, und von daher äußerst schade, dass die Rastas Verspätung hatten und dadurch ihr Programm gekürzt wurde. Vor allem, da die restliche musikalische Auswahl Samstags zumindest eigenwillig war. Mouvement Rapide passten noch zur Uhrzeit, eine Mischung aus Funk und Jazz mit einer Prise HipHop, aber nicht wirklich mitreißend. Danach wurde es mit Musafir indisch. Nach längerem (vermutlichen?) Soundcheck, wurde der Auftritt einigermaßen charmant, auch ohne Anleihen an den derzeit hippen Desi-Groove. Allerdings war das ein typischer Finkenbach-Gig, den man keinem anderen Festival hätte durchgehen lassen. Die Prime Time wurde mit Spannung erwartet. Tiere der Nacht, Guru Guru-Schlagzeuger Manni Neumaiers zweites Geschütz, wurde von dem ehemaligen Can-Mitglied Damo Suzuki verstärkt. Das Ergebnis war jedoch die Enttäuschung des Festivals. Ideenlos und uninspiriert, die Negativ-Pause einer gelungenen Jam-Session. Schwamm drüber, beim Finkenbach Festival ist man nicht zwingend auf die Bands angewiesen. Den Abschluss machten Groove Guerrilla. Auch wenn's langsam langweilig wird das zu schreiben: Sie kamen, sahen, siegten. Genau am rechten Platz, nach Mannis Nachtgetier konnte das Publikum eine klar definierte, melodiöse und tanzbare Band mit der Charme der Guerrilla dringend brauchen. Man könnte sie vermutlich auch Vormittags vor ein Heavy Metal-Publikum stellen und sie würden nicht untergehen. Ein prima Ausklang.

Der Sonntag bot musikalisch "nur" den Trommelpalast, der müde Knochen wieder notdürftig aufmunterte. Gelegenheit sich den Tag um die Ohren zu schlagen gab's auf den Zeltplätzen außerhalb des Festivalgeländes noch genug. Empfohlen sei hier, auch für Herzbergbesucher, Kallis Stand, zu erkennen an der Jamaica-farbenen Biertischgarnitur und den lässig-runden Friseurstühlen: Der Drei-Sterne-De Luxe-Stand schlechthin, vom Service wie vom Angebot, und das beste Beispiel wie die "Kirmes-Gastronomie" auf dem Gelände früher aussah bzw. aussehen könnte.

Finkenbach ist, was man daraus macht, sicher gehört es heute nicht mehr allein den Hippies, wenn das überhaupt jemals der Fall war. Für Leute aus der Gegend immer ein Platz an dem sich gut feiern, unzählige bekannte Gesichter treffen und die eine oder andere Band entdecken lässt. Das einzig wirkliche Problem sind tatsächlich die Polizeikontrollen, diese fangen vor dem Festival an und ziehen sich bis einen Tag nach Festivalende durch. Angeblich waren die auf dem Festival pattroulierenden Ordnungshüter Polizeischüler, die man so an den Ernst des Lebens heranführen wollte. Wenn das stimmt, Prost, auf dem ein paar Km entfernt gelegenen Wiesenmarkt und Schmuckerfest wären sie wohl wirklich gefordert worden. Die schikanöse Polizeipräsenz ist jedenfalls eher ein Punkt der Finkenbach das Genick brechen könnte als die Möglichkeit, dass der 63jährige Manni Neumaier in Rente geht.
Bis zum nächsten Mal!

 

Homepage (Gästebuch): www.finkenbach.de

Gerald Merkel

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