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Interview mit Migé Amour (HIM)

Interview vom 04.07.2003
Autor: Gerald Merkel
Tags: MTV Campus Invasion   Migé Amour    HIM  

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Wir treffen Migé Amour in einem Container im Ehrenhof. Barfuss und Corona nuckelnd, der Finne scheint den Sommertag zu genießen.

HIM
RA: Wir betreiben ein Internetportal mit dem Fokus auf Newcomerbands. Wie sieht es mit der Bandszene in Finnland aus? Hat der Erfolg von HIM einen großen Einfluss auf die Musikszene dort? Migé: Yeah, es gibt einige Rockbands in Finnland, eine recht lebendige Alternative-Szene. Ich hoffe, der Einfluss von HIM ist nicht so groß, das wäre vielleicht eher ein schlechter (lacht). Im Ernst, wir sind natürlich oft im finnischen Radio zu hören. Und da Gehörtes auch immer einen Einfluss hat, wird es wohl schon welchen geben.  [Unten weiterlesen ...]


RA: Hat das finnische Klima – vor allem der Winter – Einfluss auf eure Musik? Anders gefragt: Denkst du, ihr hättet die gleiche Musik gemacht, wenn ihr z. B. in Spanien leben würdet?

Migé: Finnland ist sicher ein Platz, an dem Musik eher einen depressiv Touch erhält. Man wird nicht so leicht zum Spaßvogel dort. Sicher ist Musik eine Möglichkeit solche Stimmungen zu kanalisieren. Ich nehme an, in Spanien hat man mehr Lust zu tanzen...

RA: Wie würdest du die Musik eures letzten Albums beschreiben? Was ist der Hauptunterschied zu früheren HIM-Platten?

Migé: Es ist gesünder ... das beschreibt es ganz gut .... Straight, mit finnischem Depri-touch. Manchmal geht man ins Studio ohne klares Konzept, das war bei "Love Metal" nicht der Fall. Gesund ist das richtige Wort – gesunde Rockmusik

RA: Welche Musik beeinflusst dich, momentan und früher?

Migé: Vor allem die 70er. Die Bands mit denen wir groß wurden hatten den größten Einfluss, dann Bands die wir in unserer Anfangszeit hörten, wie z. B. Type 'O' Negative, für mich die ersten die dieses Gothic-Ding mit harter Rockmusik verbunden haben. Eine exzellente Band.

RA: Spielst du lieber live oder bevorzugst du die Arbeit im Studio?

Migé: Live spielen! Man muss dabei nicht denken. Ok, ein wenig schon, wer gar nicht denkt landet in der Gosse ... Aber zumindest nicht so viel, wie das im Studio nötig ist.

RA: Ville Valo gibt sich als der Bandleader und Songwriter bei HIM. Welchen Einfluss haben die anderen Mitglieder auf die Musik, wie demokratisch ist HIM?

Migé: Für mich demokratisch genug. Demokratie ist nicht das richtige Wort für Musik, Musik ist wie Mathematik. Um Songs zu schreiben braucht man klare Strukturen.

RA: Hast du den Eindruck, dass Ville Valos Person, besonders in Deutschland, für die Medien wichtiger ist als die Musik selbst?

Migé: So ist das nunmal, heutzutage. Die Medien interessieren sich besonders für Menschen, deren Geschichten, Privatleben und Gerüchte.

RA: Du siehst es eher als Vorteil, bei HIM nicht im absoluten Interesse der Öffentlichkeit zu stehen?

Migé: Ja, das gefällt mir ganz gut so.

RA: Was war das unglaublichste Gerücht, das du jemals über HIM gehört hast?

Migé: Ja, das drehte sich vermutlich um Homosexualität, kam vielleicht durch Villes Make Up ...

RA: Hatte das was mit der Turbojugend bzw. der Band Turbonegro zu tun (Ville Valo ist Mitglied der Turbojugend Helsinki)?

Migé: Hmm, die Jungs von Turbonegro haben damit mehr Probleme ... oder auch nicht ... Jedenfalls eine coole Band.

RA: Wie gesagt betreiben wir ein Internetportal mit dem Fokus auf Newcomerbands. Welche Tipps hast du für solche Bands?

Migé: Am Anfang nicht groß an Karriere denken. Wenn es soweit ist aber auch nicht erschrecken – man muss dann weiter sein eigenes Ding durchziehen. Hört euch 'ne Menge Musik an, das bleibt immer wichtig, um zu wissen, wo man steht. Absagen beim ersten oder zweiten Anlauf sind normal, wichtig ist dann, sich nicht beirren zu lassen und keinen unnötigen Respekt vor dem ganzen Bussiness zu bekommen.

RA: Gehört Glück dazu?

Migé: Sicher, aber man sollte stets hart arbeiten, damit das Glück zum bestmöglichen Zeitpunkt eintritt. Wenn man hart und mit Überzeugung an etwas arbeitet kommt das Glück zu Einem. Es reicht nicht dazusitzen, Musik zu machen und zu warten, dass etwas passiert. Letztlich muss man die Dinge selbst in die Hand nehmen.

RA: Fühlst du dich wie ein Rockstar, bzw. wie du dir das vielleicht als Teenager vorgestellt hast?

Migé: Nein, das Rockstar-Ding ist doch Bullshit. Rockstars kommen, Rockstars gehen, dann gibt's ein Come Back und so weiter....

RA: Ville und du kennt euch seit eurer Kindheit. Hatte der Sex-Shop von Villes Eltern irgendeinen Einfluss auf eure Musik, Villes Texte?

Migé (grinst): Ok, vielleicht insoweit, dass wir früh gesehen haben, dass die Pornoindustrie so beschissen ist, dass sie keinen Einfluss auf unsere Musik haben darf. Ohne diese Erfahrung hätten wir vielleicht pornographischere Texte gemacht.

RA: Bam Margera von Jackass produzierte euer letztes Video. Er ist heute Abend auch hier. Können wir ein paar lebensgefährliche Stunts bei eurer Show erwarten?

Migé: Ich glaube nicht, Bam hat einen gebrochenen Arm – er hatte Probleme mit der Schwerkraft: Es ist gut jemanden wie ihn zu kennen. Die richtigen Leute für einen Videodreh zu finden ist nicht einfach. Bam half uns viel, und er ist ein cooler Typ.

RA: Du trinkst gern Jägermeister?

Migé: ...Yeah!

RA: Ich las, dass ihr ein ernsthaftes Problem mit euren Support-Acts habt: Ihr habt noch keinen gefunden, der in der Lage ist, anständig mit euch zu trinken. Wart ihr mittlerweile erfolgreicher?

Migé: Das ist nach wie vor ein Problem. Wir sind noch auf der Suche.

RA: Weil ihr so gut oder die Bands so schlecht sind?

Migé: Die Bands sind nicht schlecht, aber wir sind sehr stark!

 

 


Ihr habt's gehört. Der Zug ist also noch nicht abgefahren, wer sich traut ...
Dass HIM-Fans, wie sich auf dem MTV-Campus gezeigt hat, anderen Bands gegenüber nicht unbedingt die tolerantesten sind, ist bei der oben genannten Hauptqualifikation dann nicht mehr so wichtig, sondern vor allem eine Frage der eigenen Wahrnehmung ...

 

Gerald Merkel

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