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Interview mit Skin

Interview vom 04.07.2003 | Autor: Gerald Merkel

Tags: SKIN   Skunk Anansie  

Skin in einem Raum zu treffen, in dem sonst juristische Übungen und Seminare stattfinden, hat seine eigene Note. Das Erste, was an ihr auffällt: Sie ist wesentlich kleiner als sie auf der Bühne wirkt. Allerdings nur körperlich. Sie wirkt entspannt, selbstbewusst und entgegenkommend, jemand der aufspringt, um das Fenster zu schließen, wenn die Geräuschkulisse draußen zuviel fürs Diktiergerät wird.

MTV_Campus_Invasion5Skin on Stage
RA: Deine Texte besitzen einen hohen Stellenwert innnerhalb deiner Musik. Bei Skunk Anansie behandelten sie in erster Linie politische und gesellschaftliche Themen, wie z. B. Rassismus, die Lyrics deiner neuen Platte drehen sich vor allem um Emotionen. Wie siehst du den Stellenwert deiner Texte im Verhältnis zur Musik, besonders bei Konzerten?

Skin: Die Texte bei Skunk Anansie behandelten nicht unbedingt immer politische Themen, waren allerdings meist auf bestimmte Themen bezogen ... Musik ist der erste Schritt in einen Song. Die Lyrics müssen die Stimmung ergänzen, beides baut aufeinander auf. Ein guter Text ohne gute Musik hat keinen Wert.

RA: Glaubst du, du findest hier ein besonders aufmerksames Publikum für deine Texte, da das Konzert auf einem Campus stattfindet?

Skin: Vielleicht besteht an so einem Ort ein besserer Hintergrund ... ich bin nicht sicher, ich war selbst Student, man versucht einen Blick hinter die Kullisen zu bekommen, eine eigene Sicht der Dinge zu entwickeln.

RA: Du sagtest in einem Interview, es kam zu dem Skunk Anansie-Split, da du das Gefühl hattest eine Ehe ohne Leidenschaft zu führen. Bringt das Projekt "Skin" dir die Kreativität und Passion, die du zuletzt bei Skunk Anansie vermisst hast, zurück?

Skin: Oh ja, ich habe viele neue Orgasmen seitdem (lacht). Die Chemie starb bei Skunk Anansie. Das hatte 100 verschiedene Gründe, musikalische wie persönliche. Momentan fühle ich mich wie ein Kind mit dem Gehirn eines Erwachsenen: Körper einer 16jährigen mit dem Wissen einer 30jährigen - frisch, erneuert. Es ist eine andere Art von Musik und für mich ist es ist großartig. Es fühlt sich an wie in den Anfangszeiten.

RA: Ist Skin ein Solo-Projekt oder eine Band mit festen Mitgliedern?

Skin: Die Band hat feste Mitglieder, aber es ist ein Solo-Projekt.

RA: Bist du ambitionierter und kreativer als definitiver Bandleader?

Skin: Der Hauptunterschied zwischen einer Band und einem Solo-Projekt liegt in der Demokratie. Der Unterschied zu Skunk Anansie ist nicht so groß, da ich dort ebenfalls so etwas wie der Bandleader war. Ich kann meine eigenen Ideen verwirklichen, aber ich kann nicht alles alleine machen, für meine Defizite brauche ich eine Band. Es gibt immer viele Dinge zu lernen.

RA: Wir betreiben ein Internetportal mit dem Fokus auf Newcomerbands. Welche Tipps hast du für Newcomerbands, welche Erfahrungen waren elementar für dich und deine Karriere?

Skin: Das wichtigste ist Originalität. Nicht zu versuchen, das zu machen was irgendein anderer schon getan hat. Bands wie Nirvana oder U2 kamen in erster Linie soweit, weil sie ihr eigenes Ding durchzogen.
In der Anfangszeit, denke ich, ist es für eine Band am wichtigsten sich selbst treu zu bleiben und hart an sich zu arbeiten. Man muss versuchen sich im Musikbizz seinen eigenen Platz zu ergattern und diesen zu verteidigen. Für uns war auch entscheidend, dass wir alles auf ein Pferd gesetzt haben, Musik stand irgendwann im Vordergrund, alles andere war Nebensache.

Gerald Merkel

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