zugabe in naher zukunft gewünscht
Konzertbericht: Frightened Rabbit in Heidelberg
Review/Bericht vom 13.11.2010 | Autor: Thomas Laux
Review/Bericht vom 13.11.2010 | Autor: Thomas Laux
Die schottische Band Frightened Rabbit macht auf ihrer Tour Station in Heidelberg und füllt den Karlstorbahnhof mit vielen Emotionen und begeisterten Menschen.
Vielleicht liegt es am Wetter oder daran, dass es in Schottland des Winters gerne früh dunkel wird, oder ist es der Whiskey? Vielleicht auch eine Mischung aus alldem. Vielleicht ist es aber auch egal, warum so viele schottische Bands so melancholische Musik mit hoher Intensität machen, die dann gerade nicht zu Verzweiflung führt, sondern zum Durchhalten aufruft. Frightened Rabbit aus Glasgow haben sich dieses Durchhalten, Weitermachen und das Nicht-genau-wissen-wie-sich-das-Blatt-des-Lebens-wendet zum musikalischen Programm erhoben. Dies zeigt sich etwa in Lieder wie Swim Until You Can't See Land auf dem zuletzt erschienen Album The Winter Of Mixed Drinks. Und genau mit diesem Album schickt sich die Band um die Brüder Hutchison an, jetzt auch außerhalb Großbritanniens verdienten Ruhm und musikalische Ehre zu erlangen. Dabei ist der Schritt der Band über den Kanal überfällig, denn das Vorgängeralbum The Midnight Organ Fight kann getrost zu den besten Alben des Jahres 2008 gezählt werden. Umso größer sind die Erwartungen beim überfälligen Auftritt im Karlstorbahnhof in Heidelberg.Als Vorband waren die Talking Pets aus München dabei. Deren von Death Cab for Cutie beeinflusster Indiepop ist extrem gefällig und passt zudem sehr zur Hauptband des Abends. Jedoch konnte die engagierte und sehr präsente Band die ZuschauerInnen nicht ganz so mitreißen. Schade eigentlich.
Bei Frightened Rabbit funktionierte es dafür umso besser, die Konzertbesucher in ihren Bann zu ziehen. Schon mit dem Opener des Konzerts (Things) hatte die zum Quintett aufgestockte Band den sehr gut gefüllten Karlstorbahnhof eingenommen. Die begeisterten Menschen sowie die fünf Schotten machten keine Anstalten dies zu ändern. In den folgenden neunzig Minuten zeigten Frightened Rabbit ihre große Livequalität und mischten Lieder aus dem aktuellen Album The Winter Of Mixed Drinks und dem Vorgänger The Midnight Organ Fight. So wechselten sich Nothing Like You, Living In Colour oder Swim Until You Can't See Land mit I Feel Better und The Twist ab. Herausragend waren dabei das live sogar noch dynamischere Old Old Fashioned, das intensive Head Rolls Off und das hymnische Keep Yourself Warm. Dabei muss das deutsche Publikum noch etwas an seiner Textsicherheit arbeiten. Bei Konzerten von Frightened Rabbit in Schottland wird ekstatisch mitgesungen. Das musste Sänger Scott Hutchison auch bei der ersten Zugabe Poke feststellen, die dieser ohne Mikroverstärkung zum Besten gab. Der Chor im Karlstorbahnhof war dabei etwas schwachbrüstig, doch nichtsdestotrotz war dies der beste Moment des Abends.Frightened Rabbit hinterlassen nicht nur viele glückliche Konzertbesucher, sondern auch den Wunsch, dass diese fantastische Liveband öfter mal in der Gegend vorbeischaut. Es bleibt zu hoffen.
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