großen ankündigungen folgte großes chaos

Help Music Award 2010 geriet zum Mega-Flop

Review/Bericht vom 25.10.2010 | Autor: Markus Biedermann / Nicole Richwald

Tags: Help Music Award  

4 Hangars, 150 Acts, zahlreiche prominente Musiker und Bands – mit großen Ankündigungen warb das Help Music Festival für sich. Am Ende steht ein Scherbenhaufen, der Fans und Künstler gleichermaßen enttäuscht zurück lässt.

aVid (Help Music Festival - Tempelhof Berlin, 2010) 1Nicht nur aVid hatten beim Help Music Festival mit erheblichen Soundproblemen zu kämpfen.
© Nicole Richwald
Nach dem Berlin Festival ist das Help Music Festival bereits das zweite Großevent innerhalb eines Jahres, das im ehemaligen Flughafen Tempelhof stattfand und frühzeitig abgebrochen wurde. Doch wenn man die Berichte enttäuschter Fans, von den Künstlern und in den Medien liest und hört, dann war das Chaos und die Fehlorganisation bei der als "größtes Charity-Event" geplanten Veranstaltung am vergangenen Wochenende ungleich größer. Verfrühter Event-Abbruch in der Samstag Nacht, durchweg schlechter Sound, nicht vorhandene Time-Tables für Künstler und Fans, fernbleibende Stars, um ihren Lohn bangende Mitarbeiter – das sind nur einige der massiven Vorwürfe, die mittlerweile laut wurden. Von Beginn an am Freitag Abend musste man in Tempelhof mit einem Flop rechnen. regioactive.de war vor Ort und schildert euch hier die eigenen Eindrücke und zeigt einige Fotos vom Event.

Festival (Help Music Festival - Tempelhof Berlin, 2010) 2Gähnende Leere und Tristesse beim Help Music Festival im Tempelhof
© Nicole Richwald
Der Freitag begann direkt mit Verzögerungen. Der Eingang musste von den Fans erstmal gesucht werden, denn statt der angekündigten 4 Hangars, fand das Event hauptsächlich in Hangar Nr.2 statt. Um 20 Uhr war man mit den Vorbereitungen noch nicht fertig, so dass die Besucher erst mit erheblicher Verspätung auf die Veranstaltung konnten. Nachdem Ronya einen Eröffnungssong präsentiert hatte, kam die erste Band (der geplante Opener war zu diesem Zeitpunkt bereits ausgefallen) erst knapp zwei Stunden später als geplant auf die Bühne. Da diese erst so kurzfristig fertig gestellt worden war, gab es weder einen richtigen Sound- noch Lichtscheck. Ein Umstand, der sich selbstverständlich auf alle Auftritte negativ auszuwirken hatte.

Help Music Festival - Tempelhof Berlin, 2010Eröffnung beim Help Music Festival
© Nicole Richwald
Nach der Eröffnungsrede wurden die weiteren Auswüchse des Organisationschaos offenbar: Schüler waren für die Jobs im Gastrobereich eingespannt worden, auch ihnen waren die Fragezeichen ins Gesicht geschrieben. Hier wusste niemand, wann welche Band spielen soll, und wie der Gesamtablauf des Events aussehen sollte. Nicht die Künstler, nicht die Presse, und schon gar nicht die Besucher. Nichtmal auf der Webseite fand sich eine taugliche Übersicht. Die teilweise sehr guten Bands (so zum Beispiel C for Caroline oder Aeroclub; siehe Fotos) hatten es dementsprechend schwer, gegen die gähnende Leere und die Sound- und Technikprobleme anzuspielen. Die Stimmung war somit schnell auf dem Nullpunkt, während manche Kids stundenlang ausharrten, um "ihre" Killerpilze oder Jeanette Biedermann doch noch zu erleben.

Schlechter Sound, kein Ablaufplan und wenig Publikum (von einigen hundert Besuchern am Freitag bis zu geschätzten 1500 am Samstag): Für die Künstler, insbesondere die Newcomer unter ihnen, die alle "für den guten Zweck" auf Gage verzichteten, eine Situation, bei der man sich auf den Arm genommen fühlen muss.

Festival (Help Music Festival - Tempelhof Berlin, 2010)Wenig einladend: Der triste Hangar beim Help Music Festival 2010
© Nicole Richwald
Allzu lange konnte das ganz nicht gut gehen: Samstag Nacht um 3 Uhr wird das Event schließlich abgebrochen und für den Folgetag abgesagt, offiziell "wegen zu wenigen Besuchern". Das unrühmliche Ende eines Events, dessen Gewinn in diesem Jahr einem Wohnprojekt von Demenzkranken in Berlin zugute kommen sollte. Ob nun überhaupt etwas gespendet werden kann, bleibt abzuwarten. Eine gute Idee fand hier also eine denkbar schlechte Umsetzung durch ein Veranstaltungs-Team, das sich ganz offensichtlich kräftig übernommen hatte.

Während sich online, zum Beispiel auf der Facebook-Seite des Help Music Festivals, der Protest der Besucher formiert und sich Gehör verschafft, bedanken sich die Veranstalter auf ihrer Homepage für "ein tolles Festival" und "zwei wunderschöne Tage" ( help-musicaward.com; zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels offline [Update 27.10.: Mittlerweile ist die Homepage wieder da, dafür der Facebook-Account gelöscht] und laut Facebook-Meldungen zuvor um die Kontaktdaten der Veranstalter bereinigt; ein ausführliches Statement von Seiten der Organisation wird noch erwartet. Für die regioactive.de-Redaktion war bisher weder telefonisch noch per Email ein Statement zu erhalten).

regioactive.de war Medienpartner des Help Music Festivals und schrieb mehrere Slots über den Booking-Bereich in Backstage aus. Eine der ausgewählten Bands reiste am geplanten Tag des Gigs schon gar nicht mehr an, da man zuvor bereits von Fans und Freunden über die Umstände vor Ort informiert worden war. Doch viele andere Acts und das Publikum erwischte es wie beschrieben teils knüppeldick. regioactive.de bedauert, dass es bei diesem Event zu derartigen Problemen kam.

Weitere Fotos vom Help Music Festival 2010

Festival (Help Music Festival - Tempelhof Berlin, 2010) 3 Festival (Help Music Festival - Tempelhof Berlin, 2010) 7 aVid (Help Music Festival - Tempelhof Berlin, 2010) 3 Culcha Candela Award-Verleihung (Help Music Festival - Tempelhof Berlin, 2010) 1 Festival (Help Music Festival - Tempelhof Berlin, 2010) 4
Festival (Help Music Festival - Tempelhof Berlin, 2010) 5 Eröffnungssong Ronya (Help Music Festival - Tempelhof Berlin, 2010) 1 Eröffnungssong Ronya (Help Music Festival - Tempelhof Berlin, 2010) 2 Eröffnungssong Ronya (Help Music Festival - Tempelhof Berlin, 2010) 3 James Moony (Help Music Festival - Tempelhof Berlin, 2010) 7

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Markus Biedermann / Nicole Richwald

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