Mindset 2003 - Popkomm light, aber wer wusste das schon?
Location
Die Mindset 2003 verstand sich als "Deutschlands erster Branchentreff der DJ- & Partykultur". Beim Tagesprogramm am Freitag & Samstag waren Vorträge, Existenzgründerseminare, Workshops, Equipmentausstellung vom Mischpult über den Plattenspieler bis hin zur Musiksoftware geboten, aber auch Breakdance, Formationstanz im HipHop & Poplocking und ein internationaler Dj-Battle mit einem Preisgeld von €1500. An den Abenden sollte ein fettes Line Up auf mehreren Floors im Rosengarten, und die Label Night in vielen kleinen Clubs & Kneipen eine ultimative stadtweite Party garantieren (und ganz nebenbei den Labels als Eigenpromo dienen).
Das Ergebnis sah im groben Abriss so aus: Freitag (u.a. mit RZA, Saian Supa Crew, Kool Savas) ein wenig besser und der Samstag (u.a. Tom Novy, George Morel, Spax) ein satter Flop. Im MM war gestern zu lesen, der Rosengarten habe an zwei Tagen 5000 Besucher gezählt. Offen blieb, ob damit zahlendes Publikum oder auch Aussteller, Presse etc. gemeint war. Die Seminare blieben dabei ebenso leer, wie die Locations der Mindset-Label-Night. Im Capitol tummelten sich zu Stoßzeiten um die 20 Menschen, ungefähr so viele drängten sich auch im Floor 1 des Stadthauses. In vielen Kneipen, wie dem Schwoorz herrschte zwar keine völlige Leere aber deutlich schlechtere Frequentierung als an einem stinknormalen Samstag. Kein Wunder, wenn der Preis für die "Clubs only" 10 Euro beträgt und viele Otto-Normal-Nachtschwärmer auf Grund des Marketings sicher gar nicht wussten, für was sie da jetzt eigentlich zahlen sollten. Die Gewinner waren in dem Fall vermutlich die Locations, die ihr normales Programm fuhren ...
Dazu passte, dass die meisten Labels in den Clubs erst gar keine Werbung für sich machten. Ob das ein Versäumnis war oder aufgrund der am Samstag bereits absehbaren Resonanz Methode hatte, sei dahingestellt. Die mögliche Konsequenz für eine Mindset 2004 könnte die sein, dass Künstler wie auch Clubs in Zukunft dreimal über ihre Teilnahme schlafen werden. Partner wie Jam FM und Radio Sunshine Live wohl auch - das wenige zahlende Publikum mit Sicherheit. Schade eigentlich!
Bleibt die Frage, ob es das Ganze nicht ein paar Nummern kleiner getan hätte. Zielgruppe war in erster Linie DJ- und Partyszene, das Pogramm hatte seinen deutlichen Schwerpunkt auf HipHop -nicht zwingend eine Subkultur die ihre Wurzeln in Kongresszentren wie dem Rosengarten hat. Mindset-Initiator Riegelsberger gestern im MM: "... die Breakdancer lieben den Marmorboden!" Klar doch - wer eigentlich nicht. Und auch in Sachen Preis bleiben Fragen offen: € 10 für die Clubs, inkl. Rosengarten € 26 (AK) - der Querschnitt der angesprochenen Szene zählt zu den obersten Einkommensschichten? Riegelsberger dazu: "Wir wollen uns nicht für 1,50 Euro verramschen." Tja wenn das so ist - hätte man wohl etwas mehr in eine richtig gute Marketingkampagne investieren müssen.