"ein depressiver song ist nicht gleich depressive musik" Interview mit der Folk-Rock-Band Noah and the Whale
Noah and the Whale, © Noah and the Whale

Noah and the Whale
Foto: Noah and the WhaleWie habt ihr euch kennengelernt?
Charlie: Als wir mit der Musik begannen, spielte zunächst mein Bruder das Schlagzeug. Später kamen dann die anderen Mitglieder hinzu, die wir hier und da kennengelernt haben. Leider mussten wir im Laufe der Zeit dann aber ein paar Besetzungswechsel vornehmen. Entstanden ist die Musik in London.
Warum habt ihr eure Band Noah and the Whale getauft?
Charlie: Der Bandname bezieht sich auf den Film "Der Tintenfisch und der Wal" von Noah Baumbach. Dieser Film ist eine Art Coming-Of-Age-Film. Es geht um zwei Brüder, die durch die Scheidung der Eltern traumatisiert sind und wie sie damit im Laufe der Zeit auf unterschiedliche Weise umgehen.
Euer neustes Album heißt First Days Of Spring. Was mögt ihr am Frühling?
Charlie: Es ist einfach meine liebste Jahreszeit.
Tom: Ich mag es, wenn die Blumen blühen.
Welches Bild oder welcher Film beschreibt eure Musik am besten?
Charlie: Ich weiß nicht, ob es wirklich einen Film oder ein Bild gibt. Vielleicht beschreibt der Film "First Days Of Spring" die Musik am besten. Dort ist ja zumindest unsere ganze Musik drin versteckt.
Wie würdet ihr eure Musik in eigenen Worten beschreiben?
Charlie: Rock'n'Roll.

Noah and the Whale
Foto: Noah and the WhaleUnd welche Bands haben euch beeinflusst?
Tom: Lou Reed, Tom Petty, Wilco, Tom Waits, Neil Young. Das Songwriting dieser Musiker ist einfach großartig.
Eure Musik wird oft als melancholisch und ruhig beschrieben. Was bedeutet für euch Melancholie?
Charlie: Ich würde sagen, Melancholie bedeutet, dass man traurig ist. Aber was unsere Musik angeht: Da denke ich, dass manche Leute unsere Musik auch als fröhlich beschreiben. Deshalb glaube ich, dass die verschiedenen Interpretationen unserer Songs immer von einzelnen Liedern abhängen. Außerdem glaube ich, dass ein depressiver Song auch nicht gleich depressive Musik ist. Der Song ist einfach nur gut oder schlecht.
Wie persönlich sind eure Texte?
Charlie: Sie sind teilweise sehr persönlich. Und es freut mich immer sehr, wenn man es schafft, dass sich die Leute mit den Lyrics angesprochen fühlen. Meine Überzeugung ist: Wenn man am persönlichsten ist, dann ist man auch am deutlichsten und ehrlichsten.
Was haltet ihr von Privatsphäre?
Charlie: Privatsphäre ist mir sehr wichtig. Aber ich denke, es ist ein schwieriger Weg, diese Privatsphäre als Musiker zu schützen. Man muss versuchen, nur das zu tun, was einem gut tut. Zwar ist es gut, wenn man ehrlich und offen ist. Aber ich denke auch, dass man von seiner eigenen Privatsphäre nicht zu viel preisgeben sollte.
Ihr habt schon angedeutet, dass ihr zu First Days Of Spring einen Film gedreht habt. Was war da eure Motivation?
Charlie: Wir wollten unbedingt mal einen Film drehen und das ganze Album in einen Gesamtzusammenhang bringen, indem man nicht jeden Song als einen einzelnen, sondern als Teil eines Ganzen ansieht.
Was sind eure Lieblingsfilme?
Charlie: Da gibt es sehr viele. Aber ich mag vor allem Filme von David Lynch, Michael Haneke, Woody Allen und Thomas Anderson, um hier mal ein paar Regisseure zu nennen.
Tom: Alfred Hitchcock würde ich auch noch dazu zählen.
Wie wichtig sind euch Musikvideos?
Charlie: Ich denke, Musikvideos sind in der heutigen Zeit sehr wichtig. Sie beinhalten die Chance, die Identität und Persönlichkeit einer Band hervorzuheben. Das muss jedoch nicht bedeuten, dass man dort zwingend selbst in Erscheinung tritt. So sind wir auf dem letzten Album in den Videos gar nicht in Erscheinung getreten, während wir das in den Videos zum ersten Album noch taten.
Inwieweit nutzt ihr und wie wichtig ist das Internet für euch?
Charlie: Das Internet ist sehr wichtig für uns. Du kannst es von zwei Seiten aus sehen. Einerseits kann das Internet bedeuten, dass die CD irgendwann aussterben wird. Andererseits kann das Internet auch eine neue Generation für die Musik einläuten. Deshalb verstehe ich nicht immer, warum man in der Branche manchmal so extrem negativ darüber denkt.
Letzte Frage: Wie kann man junge Musiker, die Probleme haben, alleine mit ihrer Musik ihren Lebensunterhalt zu verdienen, besser unterstützen?
Charlie: Musiker zu sein ist immer ein schwerer Job. Ich persönlich unterstütze die Musiker, die ich mag, indem ich ihre CDs und ihre Musik kaufe. Aber gleichzeitig vergleiche ich junge Teenager, die die Musik downloaden, nicht sofort mit Verbrechern. Ich bin glücklich, wenn die Leute leidenschaftlich Musik hören und dankbar, wenn sie die Musik auch kaufen, aber das geschieht eben leider nicht immer.
Vielen Dank für dieses Interview!