. . . Punk noch nicht tot und das Lied als existenzieller Schrei doch nicht aus der Mode gekommen. Wer Punk mit pubertären Jungs verbindet, die mit banalen Texten ihren Protest zum Ausdruck bringen und Krach als Musik rechtfertigen, solange es für die gerechte Sache ist, hat SAFI nie gehört. SAFI ist Punk, aber mit Poesie zwischen den anklagenden Zeilen, die mehr intelligenten Zynismus als naive Betroffenheit ausdrücken. Der Schrei ist bei SAFI zur vollendeten Kunstform erhoben. SAFI ist Punk, der erwachsen, aber nicht frei von einer gesunden Portion Kindlichkeit ist.
SAFI entstand durch viele Umwege und Band-Experimente, bis sich 2007 das Trio mit dem unverwechselbaren Sound zusammen fand, das heute für SAFI steht. Frank Semmer am Schlagzeug, Matthias Becker an Bass und Gitarre und vor allem Safi, Namensgeberin und Frontfrau, die ihre Gitarre wie eine Waffe behandelt und ihre Stimme so einzusetzen weiß, dass der Schmerz im Gehörgang des Zuhörers nach einer Weile zum O(h)rgasmus wird.
". . . SAFI lässt sich nicht beschreiben. safi muss man hören. Oder besser noch SAFI live erleben. Wer die kleine blonde Frau auf der Bühne sich die Seele aus dem Leib rocken sieht, fragt sich verwundert, wo diese ganze Energie vorher in dem Einsfünfundsechzig-Körper verstaut war. Wie sie erst leise Töne anschlägt und dann plötzlich ins laute Extrem verfällt, ist ein Phänomen. Theater in der Stimme, so nennt sie es . . .", hieß es einst in der Leipziger Volkszeitung. Doch SAFI ist schon lange kein Leipziger Geheimtipp mehr. Sie fällt inzwischen auf und über Deutschland her. Seit ihre Vehemenz den Leipziger Horizont übersprungen hat, gelangt sie auch an das Hamburger und Berliner Ohr, wo sich Starproduzent Moses Schneider (Beatsteaks, Turbostaat, Tocotronic, Kettcar, Kante, . . .) in die aktuelle Albumproduktion einmischt: „ . . . natural vocal distortion – coole Scheiße!“
Nun ist das Debut endlich da, mit neun äußerst expressiven und wuchtigen Titeln, die sich einen Dreck um Formate scheren. Versteckt finden sich verschrobene Soundbasteleien – lapidar A oder B benannte Tracks von unter zwei Minuten – die dem exzessiven Zehnminüter und Titel angebenden KALT gegenüber stehen. WEITER als Opener gibt dem Album gnadenlos stampfend seine eigenwillige Sperrigkeit vor, die sich über die bekannten Songs HELDEN oder MARSCHMELO zieht. NOVEMBER dagegen ausgelassen entspannt. Die Lyrics sind in Safis Muttersprache gehalten, denn sie spielt weniger gern mit englischsprachiger Klang-Attitüde als mit den Worten und Wortschöpfungen, die sie dem Alltag und dem reichhaltigen deutschen Wortschatz entnimmt. Ob „Mit dieser Meinungsprothese auf einem Querdenkerstummel" oder „Ich tret mir eine Magengrube" – SAFIs Bilder sind so schön wie böse, so kraftvoll wie vielschichtig . . .
KALT ist beim Hamburger Label ZickZack erschienen und wurde von Moses Schneider co-produziert. Eine Symbiose, die hohe Qualität und ein besonderes akustisches Produkt nicht nur verspricht, sondern auch hält.
Das Album-Cover in schwarz-weiß Optik, eine Explosion wie eingraviert. Die einzige Farbe blau. Doch hinter der vermeintlichen Starre brodelt es – SAFI ist heißblütig, von einer exzessiven Liebe zum Leben durchdrungen, die einen Konzertbesuch zum Ereignis macht. Und den Besucher ins Schwitzen bringt, selbst wenn er nicht tanzt.
Wann und wie habt ihr angefangen gemeinsam zu musizieren? 2007: cd-sammlung als kisten auf dem dachboden weil die wohnung viel zu klein ist, safische proberaumaufnahmen, konzertmitschnitte, songbasteleien, demos und ausgelagerte tracks nehmen den platz in den regalen ein. in der wohnung hockt niemand - dafür aber im proberaum.
weil selbermachen schöner ist!
-----
fränk - drums
s.a.f.i. - sexy*anarchy*female*identity? seit dem ich 2005 das erste mal für safi gespielt habe, ließ mich diese monsterhafte elfenstimme nicht mehr los & somit bin ich dieser frau verfallen.
-----
g-town-beck - bg
vor nicht all zu langer zeit wurde ich von einer bösen fee heimgesucht. sie lockte mich mit dem versprechen, mich zum fürsten der finsterheit zu machen. sofern ich mit ihr neue pfade trampeln wolle. gelangweilt vom städtischen alltag und gebannt ob der abenteuer, die meiner abseits ausgetretener wege harren, schnürte ich trockenen fußes mein bündel, griff spitzbübisch nach meinem viersaiter und ward seitdem nicht mehr gesehen.
Was ist das Besondere / Eigene an eurer Musik? das ist krach auf vier beinen und einem gesäß – mit tante furie im frontend. fränk (frau frank), g-town-beck (der wahrscheinlich bissiger auf die dicken saiten haut als manch einer seinen hund verprügelt) und ich. an safi gebunden mit vielen leeren versprechungen. im namen der vereinten wirbelstürme.
-----
fränk - drums
mein job ist es, zusammen mit matthias am bass, safi ordentlich feuer unterm hintern zu machen. interessant ist hierbei die bandbreite von pop/rock zu fiesen punk stakkato grooves. gerne schweifen wir vor allem live aus und nutzen die energie auf der bühne und was vom publikum überschwappt. die band als trio (perfekt) lässt uns musikalisch viel spielraum, um auch vertracktheit walten zu lassen, wobei wir versuchen, den text stets im vordergrund zu halten. - traight*acoustic*funky*image? - s.a.f.i.
Welche Liveclubs könnt ihr aus Musikersicht empfehlen? Warum? BERLIN
magnet: gute organisation, gutes konzept, nette betreuung (motor-klubs / motor fm, . . .)
-----
knaack: aufgeschlossenheit, bandförderprogramme
-----
junction-bar: märchenhafte kleine theater-bühne
-----
LEIPZIG
nato: ausgewähltes programm, gute organisation, gutes konzept mit kino, bar und bühne
-----
noch besser leben: unvergleichlich indi in dem wohnzimmer da!
-----
leipziger pop-up
-----
HAMBURG
astra-stube: noch kleiner gehts nicht und man steht beim spielen immer mitten auf der fettesten kreuzung, nette betreuung
-----
knust: super organisiert
-----
DRESDEN
bunte republik neustadt: festival der unglaublichsten menschlichen erscheinungen
-----
jazzclub neue tonne: immer aufgeschlossen und so gar nicht jazzig
-----
. . .
Wo würdet ihr nie wieder auftreten? Warum? im fernsehen: fördert kurzsichtigkeit
Wer ist euer prominentester Fan? ähm - moses schneider samt transporterraum
Auf welchen Fan wärt ihr so richtig stolz? Warum? auf jeden einzelnen, weil das mut macht
Was sind eure Lieblingsbands? alle, die wir selber neu entdecken
Welche Alben betrachtet ihr als legendär? oh gott
Welche Alben sehen nie das Innenleben eures CD-Players? dave weckel oder so
Wie würde der Titel eurer Bandbiografie lauten? Mit Russischer Schnitte und Rosinenstute auf in den Kampf gegen die Leistungskontrolle - aber nicht zu viel Zucker, sonst schafft man's nicht hinter den Horizont
Mit welchen Bands würdet ihr euch am ehesten in eine Schublade stecken lassen? sobald wir das herausgefunden haben, würden wir alles ganz anders machen
Wo und mit wem würdet ihr am liebsten einmal auftreten? fm-einheit an den drums und das 25 jahre zurück und durch die berliner szenen reiten
Wie ist eure Meinung zu regioactive.de? Was müsste eurer Meinung nach die ideale Plattform im Netz bieten? regioactive ist gut, schnell und engagiert.
eine gute plattform im netz muss etabliert sein, damit umfangreiche netzwerke aufgebaut werden können. es muss schnell und einfach zu handhaben sein, viele upload-möglichkeiten haben und wenns geht, individuelles design möglich machen. immer weiter entwickeln sollte es sich auch.
Auf welchen Internetplattformen seid ihr sonst noch vertreten? Welche nutzt ihr bevorzugt und warum? my.sputnik, regiomusic, besonic, starsinthecity, justaloud, kulturclub.de, restorm, sell-a-band . . . und natürlich myspace. es hat all diese eigenschaften und ist bereits weltweit etabliert
Live/Resident History
Leipzig
2006 MDR Radio-Café gesendet aus der Schaubühne Lindenfels (Gast: Axel Prahl)
2007 Leipzig wählt Musik, Moritzbastei Leipzig (Sieger, Jurypreis 2007) / Supp. Jennifer Rostock, Moritzbastei
2008 Supp. Die Happy, open air / So oder So Festival / naTo (Rec. Release)
2009 div: Noch besser Leben / Werk II-Halle 5 / Leipzig PupUp / . . .
Berlin
2005/2007 Tom Cunningham’s Songwriters – LIVE! – in the Round – The Pop-Komm Edition (Dirk Zöllner, Rüdiger Bierhorst, Dirk Michaelis, Ines Paulke & Arnold Fritzsch, Toni Kater, Pohlmann)
2007/2008 Albumproduktion: Leipzig, KickTheFlame, Andy Schmidt (Disillusion) und Berlin, Transporterraum, Moses Schneider (Beatsteaks, Tocotronic, Turbostaat, Kettcar, T.Raumschmiere, . . .)
2008 div: Knaack Klub; Magnet Klub (Motor Club) / Junction-Bar / . . .
Dresden
2007 f6 – Music Award – Sachsenfinale, Schlachthof / div: Jazzclub Neue Tonne / Bunte Republik Neustadt
safi - KALT
(intro Magazin, 05.2009)
*****
Die Riffs sind knackig, packen zu, doch die Texte bleiben voller Zweifel. Safi komprimieren richtig AC/DC–mäßig die Essenz von Rock und schaffen es trotzdem, (...)[mehr]
Der Eleg
von Der Elegante Rest am Donnerstag, 08.07.2010
Hi safi!
Wie immer super und herzliche Grüsse aus Berlin.
Kommentar schreiben