© Alexandra Valenti/moe.

Beim Burg Herzberg Festival, der deutschen Hippie Convention, wird länger (und wahrscheinlich auch entspannter) gefeiert als auf so manchem "normalen" Festival. Das kann unser Autor Paul Holstein bestätigen, der sich trotz widriger Wetterumstände zu Beginn mitten ins Getümmel warf.

Wie schon 2012 zogen vor dem Start des Burg Herzberg Festivals dicke Wolken über das Gelände und entluden sich sturzbachartig. Damals wurde ein mittlerweile berüchtigtes Matschfestival eingeleitet. Wer deswegen glaubte, die Besucher würden sich in diesem Jahr vom Wetter abschrecken lassen, der sollte sich gewaltig täuschen.

Am Mittwoch, also am ersten Tag vor dem eigentlichen Festivalbeginn, war die untere Wiese des Campingbereichs bereits komplett belegt. Am Donnerstag fand man als zu spät gekommener nur noch auf dem Acker einen Platz. Der von den Veranstaltern selbst auferlegte Besucherstop von 10.000 wurde spätestens am Freitagmittag erreicht.

Der offizielle Beginn nach dem inoffiziellen Beginn

Die Party, die auch mit Privatkonzerten gefeiert wurde, war also längst im Gange, als am Donnerstag die Blues Pills das Festival offiziell eröffneten. Die schwedischen Bluesrocker machten ihrem Namen alle Ehre, auch geprägt durch die wunderbare Stimme ihrer Sängerin Elin Larsson.

Am Abend spielten, wie bereits im Vorjahr, moe. Die amerikanische Jamband-Legende stand aber leider zur selben Zeit wie Götz Widmann auf der Bühne. Da der Liedermacher und ehemaliges Mitglied von Joint Venture immer eine sichere Bank auf der Freak Stage ist, war die Entscheidung zwischen beiden Acts ganz schön schwer. Der Folgetag entschuldigte dann aber die Wahl von Widmann.

Patti Smiths Aura

Am zweiten Festivaltag hatte endlich die Sonne das Gelände fest im Griff. Passend dazu traten moe. akustisch auf. Weil sie den Herzberg so lieben und noch nicht weiterfliegen wollten. Die Überschneidung vom Vortag war vergessen. 

Der Headliner des Tages kam dann bereits zur Tagesschauzeit: Patti Smith hatte sich davor den ganzen Tag mit ihrer Band auf dem Gelände herumgetrieben und die Atmosphäre genossen. So konnte sie den Spirit des Festivals bei ihrem Auftritt ehrlich und von ganzem Herzen loben.

Ihre Freude zeigten Smith und ihre Band auch musikalisch. Dass dabei alle Musiker ihre Instrumente zweifelsfrei beherrschten, ist selbst auf diesem Niveau leider keine Selbstverständlichkeit. Patti Smith strahle eine so kraftvolle Aura aus, dass ihre tolle Vokalperfomance durch ihre Herzlichkeit und Authentizität noch potenziert wurde.

Durchhänger am Samstag und dann doch nicht

Nach einem tollen Freitag war der Festival-Samstag aufgrund weiterhin hoher Temperaturen und mangelnder musikalischer Highlights eigentlich ein Hängertag. Überraschenderweise kam dann mit JJ Grey & Mofro, einer Band aus Florida um den namensgebenden Sänger und Gitarristen JJ Grey, ein absoluter Bringer auf die Bühne.

Grey, ein weißer Blueser mit "schwarzer" Stimme, ist bereits durch seine Clubtouren bekannt. Auf der großen Bühne des Burg Herzberg Festivals ging er richtig ab und konnte Musikliebhaber aller Richtungen überzeugen.

Es wird weltmusikalisch

Am eigentlichen Abschlusstag wurde traditionell wieder folkloristisch angehauchte Weltmusik gespielt. Mit der Blasmusik-Gruppe Kofelgschroa aus Oberammergau und den französischen Gypsy-Jazzern La Caravane Passe kam dabei der Humor auf der Bühne aber nicht zu kurz. Wieder einmal zu Gast war die Hamburger Band Station 17, die am Nachmittag bereits mit ihren Beats zum Tanzbeinschwingen animierten.

Das absolute Highlight des Tages und die Neuentdeckung des Festivals waren die Kolumbianer von Dr. Krapula. Mit ihrem Latino-Rock mit Skaeinschlag und engagierten Texten über Naturschutz und Menschenrechte brachten sie das Publikum zum Hüpfen und Mitsingen. Vergleiche mit Mana, Mano Chao oder Juanes stimmen und gereichen gegenseitig zur Ehre.

Kraan: erst kurz, dann lang

Auf der Hauptbühne waren Kraan als großer Abschlussact angekündigt und traten auch perfekt instrumentalisiert auf. Der Stil war Anfang der 70er prägend für Jazzrock, mittlerweile wirkte er aber etwas eintönig.

Bereits nach einer Stunde mussten Zugaben gefordert werden. Da die Stücke sich aber, typisch Krautrock, in die Länge zogen, wurden am Ende doch noch ein neunzigminütiges Konzert draus. Die Musiker Hattler, Wolbrandt und Fride nahmen sich anschließend nochmal so viel Zeit, um vor der Bühne mit Ihren Fans abzuhängen.

Ende und kein Ende

Eigentlich war danach Ende, aber die Besucher des Burg Herzberg Festivals hatten noch lange nicht genug. Der offizielle Schluss wurde einfach ignoriert  und die Party auf dem Festivalgelände weitergefeiert.

Mindestens fünf Tanzstände und drei oder vier private Konzertbühnen ließen die ausgelassenen Massen weitertanzen und feiern, sodass erst mit dem Sonnenaufgang am Montagmorgen Ruhe über dem Gelände am Fuße des Herzbergs einkehrte. Aber etwas anderes hätte man von der deutschen Hippie-Convention auch nicht erwartet.

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