Den Opener des Albums „Die Wahrheit“ bilden orientalisch angehauchte rockige Töne, gepaart mit einer Stimme, die sich akzentuiert heraushebt und sofort „anfixt“. Die Sängerin NEMESIS, der 2003 gegründeten Band, weiß ihre Stimme effektvoll zu intonieren – mal gefühlvoll säuselnd, mal scharf anklagend oder dann wieder schneidend wie ein Schwert. Aber immer erreichend und aufrüttelnd.
Die zwölf Songs des Debütalbums wissen alle zu überzeugen, die einen mehr, die anderen weniger, was dem jeweiligen Geschmack des Hörers überlassen bleibt.
Sie alle zeugen von Gefühlen, Verunsicherung, Sehnsüchten, Ängsten und allem was Menschen mit Emotionen ausmacht, die noch nicht zu Marionetten verkümmert sind.
„Stimmen“ ist mein absoluter Favorit auf dem Album. Ein Song der richtig „reinknallt“ und der die Stimme der Sängerin vollendet in Szene setzt, sie nicht mit Laustärke und rockigen Tönen überfrachtet.
Vier Jahre lang hat die Band an ihrem ersten Album gearbeitet und sich „entwickelt“. Gleich zu Beginn der Arbeiten stand fest, dass mit deutschen Texten Ausdruck verliehen werden sollte, was die Band ihrem Publikum näherbringen will. Das und die Stimme von NEMESIS untermauern und stützen die Intensität mancher Aussage, manchen Refrains.
Hier ist der Name Pflicht. “Eigensinn macht Spaß”, so befand schon HERMANN HESSE, für den Eigensinn eine wahre Tugend war. Das trifft auch auf die Musik von EIGENSINN zu - der „eigene Sinn“, die „persönliche Note“, das „unangepasste Arrangement“ – alles im doppelten Sinne und alles in erfrischender Provokation. Diese Band lässt sich nicht in Schubladen pressen, ihr Stilmix hat eine eigene, freche Note.
Harte Gitarrenriffs eingebettet in experimentelle Tonfolgen, intensiv, prägnant und aufrüttelnd – und hin und wieder trotzig.
Das ist „Eigensinn“ im klassischen Sinne, musikalisch umgesetzt. Das ist zornig, anklagend, fordernd, aber auch von düsteren Gefühlen getragen, in teils orchestrale Klänge gehüllt. Das ist eine Bandbreite, die keinen kalt lassen wird.
Fazit: Ein rundum gelungenes Debütalbum der Band EIGENSINN, die schon seit vielen Jahren dank ihrer Live-Konzerte von sich reden macht und erfrischend provokant Themen aufzeigt, die uns alle angehen. Absolut empfehlenswert.
Anspieltipps:
Stimmen
Schrei
Eiskalt
Sternenkind
Punkte: 9 von 10
Quelle: gothicparadise.de
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