Tag 1
Heute geht es ab ins Studio. Aufstehen um 7Uhr erinnert schon mal ans Arbeiten, übel. Zunächst mal Kaffee. Die DVD mit den aufgenommen Gesangsspuren liegt schon deutlich sichtbar bereit (die Instrumentalspuren sin schon seit Anfang Dezember bei Jens im Studio). Sollte ich die vergessen, ist die ganze Fahrt umsonst. Losfahren um 8Uhr klappt schon mal nicht, es wird halb neun. Naja egal, Meerane ist ja nur 2 Stunden von hier entfernt. Als ich gegen kurz nach halb elf dort ankomme, werde ich bereits herzlich von Jens und seiner Familie begrüßt, die dummerweise allesamt nicht schlecht erkältet sind. Na hoffentlich komme ich da heil raus ;-) Mit zum "Inventar" gehört Studio-Hund Asterix (oder auch Idefix, Astrofox, Foxelbrox, usw. Jens zeigt viel Fantasie, was den Namen seines Hundes betrifft). Man sollte dazu sagen: Es handelt sich bei Asterix um eine deutsche Dogge, also jene Hunde, die von der Größe her eher an kleine Kühe erinnern und mehr Speichelfluss zu haben scheinen, als unser früherer Mathe-Prof. wenn er sich in Rage geredet hat... Naja egal, an die Arbeit.
Los geht es mit "An jenem Tag". Ich sehe zu, wie Jens alle Spuren nach seiner Arbeitsweise sortiert, lerne, dabei, was ich beim Aufnehmen besser hätte beachten sollen (naja, fürs nächste Mal dann eben ;) und helfe ihm dabei, den Song schneller zu erfassen, indem ich ihm erkläre, welcher Teil des Songs bzw. welche Gesangsspur welche Bedeutung hat. Das geht alles Ratzfatz, ich bin begeistert über soviel Routine und Erfahrung. Den ersten Schock bekomme ich am frühen Nachmittag. Jens sagt "Scheiße"... Was war passiert? Hab ich Spuren vergessen? Nein. Die Gitarre auf "An jenem Tag" ist definitiv zu verzerrt und passt sich nicht wirklich gut in den Mix ein, außerdem geht so die Rhythmik ziemlich verloren. Kurze Krisensitzung, wie wir vorgehen. Als Alternativen stehen zur Auswahl: Ich düse heim nach Erlangen und hole die trocken aufgenommene Spur, oder wir spielen die Gitarre noch mal schnell ein. Nach kurzem durchhören aller anderen Gitarren wird klar, wir brauchen vermutlich nur diese eine Spur neu, insofern ist das Neu-Einspielen die schnellere Lösung.
Ein paar Minuten später stand ich also da, mit einer von Jens' E-Gitarren in der Hand und spielte meinen Song neu ein. Ich fühlte mich wie in der ersten Gitarren-Unterrichtsstunde vor gut 15 Jahren (Man muss dazu sagen, Jens ist an der E-Gitarre ein heimlicher Gott)... Aber es lief erstaunlich gut, in kurzer Zeit konnten wir mit dem Mix fortfahren. Bis zum Abendessen sollten wir die Nummer im Griff haben.
Nach dem Essen noch mal kurz Probehören, was wir alles so gemacht hatten, aber außer ein paar kleinen Veränderungen waren wir nach wie vor sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Bis Mitternacht haben wir dann noch einige weitere Songs vorbereitet, um mit diesen dann die nächsten Tage direkt starten zu können. Ich kann euch nur sagen: Das Ding wird geil! Es war die richtige Entscheidung, hierher nach Meerane ins Bluehouse Studio zum Mischen&Mastern zu gehen.
Tag 2
Der zweite Tag beginnt für mich um 8Uhr. Als ich halbwegs wach war, bin ich schnell Brötchen holen gefahren. Alles schlief noch, als ich zurückkam. Hmm, doch zu früh aufgestanden. Egal, dann spiel ich eben etwas auf Jens' alter Ibanez Akustik Gitarre.
Bis das Frühstück vorbei war, war es ca. halb zwölf... Ich sah schon die Zeit davonlaufen, aber was wir dann geschafft haben, hat mich eines besseren belehrt. Gestartet sind wir mit "...und das Licht geht aus". Das war noch mal ein ganz schöner Kraftakt, aber erstaunlicherweise hatten wir bis halb vier den Mix soweit stehen, dass wir uns nach einer kurzen Pause dem nächsten Song zuwenden konnten. Die Vorarbeit des Vorabends hat sich also definitiv bezahlt gemacht. Der Song geht ja über das Ende meiner ersten Band Refuge, die wir nach über 12 Jahren dicht gemacht hatten und ich muss sagen, er wird dem definitiv gerecht. Knallt, rockt und bringt das Feeling, dass ich damals immer hatte, gut rüber, obwohl es sich ja um einen gänzlich anderen Stil handelt.
Als zweiten Song griffen wir zunächst zu "Neue Zeit". Jens wurde aber erst mal durch die zwei unterschiedlichen Schlagzeug-Sets abgeschreckt, und hat doch etwas die Lust auf den Song verloren. Also gut, dann eben "Nichts Übrig". Der ging wiederum recht locker flockig von der Hand. Um 19Uhr konnte ich mich wie ein kleines Kind daran erfreuen, dass das Glockenspiel wie von Zauberhand aus dem ganzen Lärm des Songs heraus geboren wird. Blödes Gelaber? Na ihr müsst euch schon den Song anhören, wenn ihr genauer wissen wollt, was ich meine ;)
Danach ging es zunächst noch schnell ins Kaufland, wo sich Jens und ich schnell was zum Futtern holten. Wie sich das gehört, gab es lecker Schweinesteaks. Schnell in die Pfanne, Brötchen dazu und fertig. Kein großes Schicki-Micki kochen, schließlich sind wir zum Arbeiten hier und nicht zum fett werden.
Ich dachte eigentlich, das war es schon für den Tag, aber Jens meinte, wir packen noch einen Song an. Da wir ohnehin schon in Rocklaune waren, hat sich "Wahre Freunde" natürlich förmlich aufgedrängt. Was soll ich sagen, man merkt, dass es Jens langsam wieder etwas besser geht und er echt weiß, was er tut. Den Gesang haben wir nicht mehr geschafft, aber um halb zwölf stand der instrumentale Mix bis auf ein paar Kleinigkeiten, die wir aber auf den nächsten Tag (mit frischen Ohren) verschieben wollten. Ich bin wirklich mehr als zufrieden und gespannt, wie sich der Gesang in das Ganze einbetten lässt.
Tag 3
Gestern war Tag drei. Irgendwie fühlte ich mich morgens schon nicht so richtig fit. Da der große Meister erst mal kurz unterwegs war, spielte ich wieder etwas auf der guten alten Ibanez. Es endete damit, dass ich einen Song, den ich im Musikercamp letzten Oktober angefangen habe, endlich fertig schreiben konnte. Aber egal, das hat nichts mit dem Album zu tun, den Song hört ihr früh genug ;-)
Als Jens wieder hier war, entschlossen wir uns, anstatt wie geplant den Gesang für "Wahre Freunde" zu mischen, lieber mit frischen Ohren an den Titel-Song "Neue Zeit" zu gehen. Das Stück hat uns ziemlich Nerven gekostet, Jens, weil er Schwierigkeiten hatte, meine ganzen dummen Ideen unterzubringen und mich, weil ich mich nachmittags wieder mit der umgehängten E-Gitarre neben Jens stehend, wiederfand. Auch hier war meine Sound-Auswahl für die Gitarre mal wieder überhaupt nicht Mix-verträglich. Naja, neu eingespielt und gut wars.
Um 17Uhr war die Nummer im Kasten. In einer Pause rief ich Tilo (Rockstroh) an. Tilo ist ein wahnsinnig guter Keyboarder, der mir enorm bei "...und das Licht geht aus" geholfen hatte. Ich schickte ihm damals ein kleines Demo mit etwas Schlagzeug, einer Gitarrenspur und dem Auftrag, an definierten Stellen ein 70ies Keyboard zu spielen. Was macht der Gute? Er arrangiert mir den gesamten Song so dermaßen gut, dass ich nicht viel mehr tun musste, als meine Gitarre noch mal sauber einzuspielen und das Schlagzeug fertigzustellen.
Mein Ziel war es, die ganze Bande (also Tilo und Jens und Familie) zum Griechen einzuladen. Gesagt, getan, wir wollten uns um 20Uhr treffen. Ich dachte nun, naja, viel werden wir bis dahin nicht mehr hinbekommen, vielleicht noch irgendwas kleines. Da hatte ich die Rechnung ohne Jens gemacht. Wir wandten uns "Seelenverwandt" zu, ein Duett dass es mix-technisch eigentlich in sich haben sollte. Aber nein, pünktlich kurz vor acht stand der Mix. Sicher ein paar Kleinigkeiten werden wir vermutlich bei genauerem Hinhören noch ausbessern, aber die Hauptarbeit ist getan.
Insofern bleiben jetzt noch: Der Gesang von "Wahre Freunde", der Mix der Piano-Version von "Seelenverwandt" und der Mix von "Schöner Tag". Danach noch das Mastering und die CD ist fertig. Ich freu mich tierisch!
Tag 4
Hier ist es mittlerweile tierisch winterlich und das Wetter macht keine Anstalten, mit dem Schneefall aufzuhören. Ich schätze mal, wir haben gut und gerne zwischen 30 und 40cm Schnee. Die Schmerzen und das Unwohlsein von gestern haben sich leider bestätigt, ich habe eine ausgewachsene Grippe/Erkältung oder was auch immer. Tja, da muss ich nun wohl durch. Dementsprechend liegt der Tag ziemlich im Nebel. Wir starteten vormittags mit dem Gesang von "Wahre Freunde". War doch etwas mehr Arbeit, diesen in den Mix einzupflegen, aber das Ergebnis rechtfertigt die Zeit. Sehr geile Rocknummer geworden, genau was ich im Sinn hatte, eine Art moderner Garagenrock-Song, hehe.
Nachmittag waren wir erst mal wieder auf Kurierfahrt unterwegs ;-) Der gute Jenne musste zur Bank und Post, ich dagegen in die Apotheke um mir die harten Drogen gegen meine Erkältung zu holen. Eine gute Idee war die Fahrt allerdings nicht. Danach war ich erst mal so richtig fertig. Insofern hab ich vom Mix von "Schöner Tag" auch nichts mitbekommen, da ich mich gute 2 Stunden aufs Ohr gelegt hatte. Das Ergebnis habe ich dann abends gehört, und wie zu erwarten war, bin ich auch damit sehr zufrieden.
So, bleibt nur noch eine Nummer übrig. Nach einer weiteren kurzen Pause stürzten wir uns also auf die Piano-Version von "Seelenverwandt". Hier gabs ja nicht sonderlich viel zu tun, insofern waren wir auch in recht kurzer Zeit damit durch. Ich hab die meiste Zeit nur lethargisch auf dem Sofa gelegen, aber doch alles ganz gut mitbekommen. Wurde echt ein schöner Mix. Allerdings juckt es mich jetzt, wo das Lied sauber gemischt ist, noch viel mehr in den Fingern, dem genialen Klavier von Jan noch ein dickes Streicher-Arrangement zu gönnen. Naja, was solls, weniger ist manchmal ja auch mehr.
Ursprünglich wollten wir uns ja 1 Tag pro Lied Zeit nehmen. Ich bin selbst ganz begeistert, dass wir nun schon durch sind. Am letzten Tag werden wir uns noch mal um die Feinheiten kümmern und natürlich das Mastering durchführen. Ich kann es kaum erwarten.
Tag 5
Viel gibt es über den letzten Tag nicht zu erzählen. Wir starteten ohne große Umschweife gegen ca. 10Uhr. Hörten uns nach und nach durch alle Lieder durch und machten letzte Anpassungen im Mix. Eine böse Überraschung gab es allerdings bei "Neue Zeit": Irgendwie ging die Einstellung für den Gitarrensound der unverzerrten Gitarre ins digitale Nirvana über, jedenfalls hat es uns beim Probehören fast von den Stühlen geweht, weil anstatt einer sehr dezenten cleanen Gitarre uns plötzlich ein bratendes, verzerrtes Monster aus den Boxen ansprang. Tja, wie Sid immer sagte, nicht zur Strafe, nur zur Übung. So richtig zufrieden waren wir bis zu dem Moment ohnehin noch nicht mit dem Gitarrensound an der Stelle, insofern war es wohl als Zeichen zu sehen ;)
Nachdem alle Feinheiten justiert waren, ging es noch ans Mastering und danach waren 5 anstrengende, aber sehr schöne Tage im Studio auch schon wieder vorbei. Jetzt geht es erst mal kurz mit meiner Band Shapeshift auf Tour und danach geht die Scheibe direkt ans Presswerk. Es dauert also nicht mehr lange, und ihr könnt das Ergebnis hören und natürlich auch erwerben ;-)
Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Inhalt. Hier kannst du einen schreiben: