Musikercamp Tagebuch jetzt auch hier auf Regioactive

Artist-News vom 19.10.2008

News Nr. 37 von Blindflug, gesamt 44
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Blindflug Crew 2010
"Live" habe ich das ganze ja nur auf Myspace geschrieben, ich möchte es allen Regioactive Besuchern aber einfach machen, und stelle daher das Tagebuch nun auch hier online. Viel Spaß damit!

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Guten Morgen!

Heute geht es also los. Ich hab mich dazuentschlossen, ein kleines Online-Tagebuch zu führen, und euch somit ein klein wenig am Musikercamp teilhaben zu lassen. Gerade bin ich am Packen, heute ist der Anreise-Tag. Ich schätze, ich werde gegen 12 Uhr hier los fahren, sind schließlich ganze 470 Kilometer bis nach Celle.

Blöderweise hat mich am Wochenende auch noch eine tierische Erkältung heimgesucht und meinte, sie will unbedingt mitkommen zum Musikercamp. Bitte, wenn es denn unbedingt sein muss. (Ich werde aber versuchen, sie unterwegs aus dem Auto zu werfen...) Mehr dann heute Abend (oder morgen früh).



Tag 1 (Montag, Ankunft)

Gefunden hab ich es schon mal. Ok, ich war kurz vorher noch am Messegelände in Hannover (falsch abgebogen *hüstel*), aber kurz nach 17Uhr war ich hier.

Die ersten Kontakte sind bereits geknüpft. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde aller Künstler und etwas Aufklärung bezüglich des Ablaufes der Woche geht der Abend jetzt über in gemütliches Beisammensein. Am Tisch nebenan hat sich bereits die erste Jam-Session ergeben, man hört die phänomenale Stimme von Susanne alias Soulyla, unterstützt von Julian an der Gitarre. So kann es weiter gehen.

Viel gibt es noch nicht zu berichten, ich bin mir langsam im Klaren darüber, welche Workshops ich besuchen werde (PR, Arrangement und vermutlich Gesang). Es wird jeden Abend nicht-öffentliche Präsentationskonzerte geben, ich bin bereits morgen Abend dran, au weia... Naja Proberäume sind vorhanden und die ersten Musiker haben sich schon als Unterstützung angeboten. Wer weiß, vielleicht gibt es am Freitag das allererste Blindflug Konzert MIT BAND! ;-)

In diesem Sinne, wünsche ich euch noch einen schönen Abend, ich schnapp mir jetzt ein Bier und versuche mal, noch weitere Leute näher kennenzulernen.



Tag 2 (Dienstag)

Der erste Morgähn, die erste Nacht im Feldbett hinter mich gebracht. Ich war zwar nie bei der Bundeswehr, aber ungefähr so stelle ich mir das vor. Ok, hier sind es Musiker, keine Soldaten, aber vierzig davon zusammen in einem Raum ergibt doch ein ganz besonderes Schnarch-Konzert. Höhepunkt war sicher mein Nachbar, der um ca. halb sechs plötzlich laut schreit und uns etwas an seinen vermutlich wüsten Träumen teilhaben lässt. Egal, so spart man sich den Wecker.

Jetzt gibt es erstmal Frühstück, hoffentlich kann der Kaffee was. Danach die erste Workshop-Einheit, wenn mich gerade nicht mein trüber Kopf täuscht, dann geht es um PR. Vielleicht schreibe ich später schon wesentlich Promo-tauglichere Sachen hier rein ;)

...

Ok, der Kaffee konnte nicht wirklich viel, aber was soll's. Nach drei Tassen kam langsam wieder Leben in die Bude. Der PR Workshop war ziemlich interessant. Man bekam richtig gute Anregungen, Bandinfos wurden auseinander genommen und Fotos diskutiert.

Nach dem Mittagessen ging es es sofort weiter mit dem ersten Arrangement Workshop. Leute, ich sag's euch: total geil! Ich hab mich nicht mal selbst bisher so ausführlich mit meinen Songs beschäftigt ;-) Von jedem Künstler wurden zwei Songs komplett auseinander genommen. Aber nicht im negativem Sinn, sondern immer sehr positiv, um aus den Songs einfach noch mehr Leben rauszuholen und an allen Feinheiten zu feilen. Es gab teils 'heftige' Diskussionen, darüber, wie welcher Teil wirkt. Hat enorm viel Spaß gemacht.

Abends waren die ersten Präsentationskonzerte. Jede Gruppe bzw. jeder Musiker hatte die Möglichkeit, drei Songs vor allen Künstlern (und allen Coaches!) live auf der Bühne vorzustellen. Das bedeutete natürlich richtig viel Abwechslung und auch richtig gute Musik. Das Niveau hier ist wirklich richtig gut und verdammt hoch. Ich freue mich hier sein zu dürfen. Als kleines Beispiel möchte ich nur mal Eva Croissant (nein,das ist KEIN Künstlername) und Anna Mae Debra anbringen. Die erste 17, die zweite 15 Jahre jung, also beide gerade mal etwas mehr als halb so alt wie ich, aber dermaßen gut, sowohl stimmlich, als auch im Songwriting, als auch am Instrument, dass mir 'altem Sack' wirklich die Düse ging, weil ich nach den beiden auch noch ran musste. Lief dann aber dennoch richtig gut, als Rausschmeißer musste ich natürlich'...und das Licht geht aus' spielen (Danke an dieser Stelle an den Lichttechniker, der hervorragenderweise am Ende auch wirklich ausgemacht hat).

Nach den Auftritten hat dann auch jeder Künstler Feedback zu seiner Performance und seinen Songs bekommen. Ich bin dabei auch ganz gut weggekommen, hooray ;) Dennis (Ex-Guano Apes) war beispielsweise durchaus sehr überrascht, da er von den alten Songs (die ja hier auf Myspace auch immer noch rumlungern, ihr kennt die Sachlage mit der neuen Scheibe) nicht wirklich überzeugt war (tja, der wenn erst mal auch noch Shapeshift hören würde, ich bin eben doch wie eine Zwiebel, mit vielen vielen Schichten, muahaha). Fabio (Produzent und Bassist) wird sich heute mit mir mal die aktuellen Demos reinziehen und will mir noch Tipps für die Produktion geben. Ich sag's euch, ich bin tierisch gespannt!

Die ganze Atmosphäre hat mich dann noch so gepackt, dass ich mir um 1:00Uhr noch einen Proberaum gekrallt habe und einen neuen Song angefangen habe zu schreiben. Ok, mehr als eine Strophe und ein Chorus sind dabei leider noch nicht rausgekommen, aber immerhin. Um halb drei war dann aber Schicht im Schacht mit meiner Energie und ich hab mich in die Falle gehauen.



Tag 3 (Mittwoch)

Duschen war heute erst mal im Schwimmbad angesagt, dort gibt es wenigstens warmes Wasser. Danach erst mal Kaffee. Kennt ihr schon den Film 'Angriff der Kaffee-Zombies'? Ich auch nicht, aber wenn den jemand drehen möchte, bewerbe ich mich auf die Hauptrolle. Weiter ging es mit dem zweiten Teil des PR Workshops. Heute wurden unter anderem die Homepages der einzelnen Combos auseinander gepflügt. Meine natürlich auch, aber ich bin ja im Geheimen schon am Werkeln an einer neuen, die mit der Veröffentlichung der neuen CD online gehen soll...

Nachmittags gab es dann ein Special: Der Comedian Heinz Gröning gab uns eine Einheit in Bühnenpräsenz. Ziel war es, sich und seine Musik kurz vorzustellen (auf der Bühne übers Mikro). Das 'Publikum' durfte aufschreiben, wie der jeweilige Künstler auf sie wirkt und wir bekamen danach die (anonymen und daher sehr ehrlichen) Feedbacks. Meiner Meinung nach eine richtig gute Idee, die auch einiges gebracht hat.

Abends natürlich wieder Präsentationskonzerte. Ich kann nicht sonderlich viel darüber schreiben, da ich mehr oder weniger schläfrig im Publikum verbracht habe. Nicht wegen der Musik, aber irgendwann muss man sich ja mal ausruhen ;) Aber es waren wieder richtig geniale Künstler am Start. Wie bereits schon erwähnt ist das Niveau hier wirklich richtig gut.

Die Überraschung des Abends war dann auch gleich der Grundstein, dass das mit der Müdigkeit die nächsten Tage nicht weniger werden sollte: Nach den Auftritten gab es Freibier für alle, den ganzen restlichen Abend lang! Ich denke, ich muss euch nicht erzählen, was als nächstes passierte, hehe.

Eine kleine Anekdote des Abends aber dennoch nebenbei: Wir standen noch bis 3Uhr draußen, wo eine kleine Gruppe den Erzählungen von Dennis Poschwatta (Ex-Guano Apes Schlagzeuger) lauschen durfte. Er erzählte eine Menge aus der Geschichte der Apes im Hinblick auf vertragliche Dinge, was zum einen erschütternd, zum anderen aber auch enorm aufrüttelnd war. Ich werde das jetzt nicht weiter ausführen, nur soviel: Sie hatten wohl nicht immer die besten vertraglichen Bedingungen. Sollte es jemals bei mir so weit kommen, werde ich mir definitiv von vornherein einen guuuuten Anwalt suchen, bevor ich auch nur irgendwo einen Buchstaben drunter setze.



Tag 4 (Donnerstag)

Nach gerade mal vier Stunden Schlaf hat mich mal wieder irgendeiner der gefühlten 100.000 Wecker geweckt. Weniger Stunden Schlaf als Biere am Abend machen sich NIE gut, merkt euch das! Naja, erst mal rausquälen und Richtung Schwimmbad getigert. Auf dem Weg dorthin klingelt mich erst mal eine Omi am Fahrrad an... Scheinbar bin ich noch nicht richtig gerade aus gelaufen, ähem...

Aber auch heute gab es wieder eine kleine, aber nach dem gestrigenAbend feine Überraschung: Es gibt RedBull für umme. Ich finde zwar, das Zeug schmeckt grauenhaft, aber nach so einem Abend hilft es wirklich ungemein. Also nur einen Kaffee heute, und ab dann nur noch roten Bullen (was die nächsten Tage so weiter gehen sollte).

Vormittag war dann der (leider) letzte Arrangement Workshop. Wir haben noch mal unsere Songs auseinander genommen, außerdem anhand einer Band deren komplettes Arrangement besprochen und wieder viiiiiel diskutiert. Der Workshop wird übrigens von Jan-Peter Klöpfel gehalten, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, ein Dozent von der Hamburger School of Music (ich muss noch mal recherchieren).

Nachmittag standen dann die Instrumental Workshops an. Da ich mich weniger für Gitarre, Bass oder Schlagzeug interessiere, bin ich lieber in den Vocal Workshop mit DAN gegangen. Zunächst war ich etwas irritiert, da ich zumindest ein Klavier für Übungen erwartet hätte. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Der ganze Workshop hat mich tierisch überrascht, da er fast schon einen leicht spirituellen Charakter hatte. Wir hatten uns zunächst alle in einem Kreis aufgestellt und jeder sollte einzeln nacheinander sich in dessen Mitte stellen und dabei kein Wort sagen, sondern sich nur nacheinander alle Personen ansehen. Ich sag euch, das fühlt sich ganz schön komisch an, wenn dich alle da so 'anstarren' und man sich rein über Körpersprache und Blickkontakt unterhält.

Danach durfte jeder noch etwas vorsingen (ob eigenes oder Cover war hier völlig egal. DAN ging auf jeden einzelnen ein und zeigte Möglichkeiten zur Verbesserung auf. Ich muss sagen, obwohl ich zunächst so tierisch irritiert war, hat mir der Workshop unglaublich viel gebracht. Weniger vielleicht für meine Gesangstechnik, als vielmehr für die Bühnenpräsenz und das Umgehen mit Nervosität vor Auftritten. Sicher kann ich das jetzt noch nicht so umsetzen, aber ich nehme einige Ideen mit, die ich nach und nach in meinen Stil einarbeiten werde.

Abends gabs dann wie gewohnt wieder die Präsentationskonzerte. Und wieder haben mich die meisten Musiker tierisch weggebeamt mit ihrer Performance. Als besonderes Beispiel möchte ich hier CoreyO herausstellen, ein Sänger/Rapper/Produzent aus Lüneburg, der hier seine Sachen das erste (!!!) Mal auf einer Bühne aufführte und zwar mit so einer Professionalität, dass mir die Ohren schlackerten. Bei zwei Songs wurde er zudem von Susanne alias Soulyla unterstützt, die nicht nur eine Wahnsinnsstimme, sondern auch eine unglaubliche Ausstrahlung hat. Einfach nur genial!

Da wir gestern wohl trotz aller Bemühungen nicht das gesamte Bier vom Vortag leer getrunken hatten, gab es heute sogar noch mal Freibier, hurra! Dementsprechend bin ich gerade auch wieder etwas angetrunken, aber mittlerweile (kurz vor 2 Uhr) tierisch müde. Eine kleine Anekdote aber dennoch: Ich war gerade noch für eine Gute-Nacht-Zigarette draußen vor der Tür, wo Fabio Trentini (unter anderem Co-Produzent von den Guano Apes und Donots) eine sehr 'ergreifende' Rede für die Musik gehalten hat. Und zwar hat er seinen Standpunkt mal ganz deutlich klar gemacht: Es geht nicht darum, sich nach dem Markt zu orientieren sondern einfach mit einer gehörigen Leck-mich-am-Arsch Attitüde ans Werk zu gehen und sich in erster Linie auf die Musik und sonst nichts zu konzentrieren. Schön, so etwas auch mal aus so erfahrenem Munde zu hören!! Ich sag nur: Weg mit Plastik-Mucke und inhalts- und seelenloser Viva-Scheiße! Den ehrlichen Muckern gehört die Welt!

Morgen werde ich vermutlich nicht zum Schreiben kommen, da unter anderem das große Abschlusskonzert ansteht und ich dafür auch noch einige Sachen proben möchte. Ich werde das Tagebuch aber am Wochenende sicherlich noch abschließen. In diesem Sinne: Gute Nacht!



Tag 5 (Freitag, Abschlusskonzert)

Da nun gerade Soundcheck aller Künstler ist, habe ich doch noch mal ein paar Minuten Ruhe, da parallel dazu keine Workshops mehr stattfinden. Heute morgen wurde noch eine kleine Einführung in Mikro-, Bühnen- und Lichttechnik gegeben. War schon sehr interessant, aber es wurde jetzt für mich persönlich auch nichts wahnsinnig Neues vorgestellt. Wie Mikros funktionieren wusste ich schon vorher und Bühnentechnik interessiert mich jetzt nicht so großartig.

Nach dem Mittagessen (also gerade eben) startete der Soundcheck. Ich bin gespannt, ob das vom Zeitplan alles klappt, da wir - wie es oft so ist - schon jetzt etwas hinter dem Plan zurückliegen. Ab 19.30Uhr geht es dann los... Und ich bin Opener! WUAAAH! Andererseits hat es den Vorteil, dass ich dann vom Publikum noch nicht mit den anderen Künstlern verglichen werden kann, insofern bin ich damit recht zufrieden. Langsam steigt auch die Nervosität, aber das ist gar nicht verkehrt, man muss ja auch wach werden. In diesem Sinne: Ich werde jetzt noch etwas chillen, dann selbst Soundchecken und danach hier ein großartiges Konzert versuchen zu geben und dann zu hören. Ab halb eins steigt dann die Aftershowparty und morgen geht es ab nach Hause (Schade, schade, ich könnte noch eine Woche dran hängen).



Abschlussbericht

Das Musikercamp ist aus. Lang lebe das Musikercamp ;) Ich blicke zurück auf eine hammergeile Woche, auf geniale Musiker, die allesamt richtig gute und eigenständige Musik machen, auf viele nette Menschen, die ich tief in mein Herz geschlossen habe und schon jetzt tierisch vermisse, auf richtig hilfreiche Workshops, aus denen ich eine Menge Wissen und Anregungen gezogen habe, und vieles mehr.

Das Abschlusskonzert war der absolute Oberhammer, und ich hätte alles erwartet, aber nicht, was dort geschah. Jeder, aber wirklich jeder einzelne Musiker ist über sich hinaus gewachsen. Es herrschte eine Energie, die unbeschreiblich war. Natürlich wurde das alles noch verstärkt durch einen super professionellen Sound und eine ebenso professionelle Lichtshow. Es wird wohl noch einiges an Arbeit auf mich zukommen, bis ich mal wieder die Möglichkeit haben werde, unter solch optimalen Bedingungen auftreten zu können. Am Ende des Konzerts, während die finale Band Helldorados aus Stuttgart ihren letzten Song spielten, stürmten wir anderen Musiker alle zusammen die Bühne und haben den Song mit ihnen zu Ende gesungen. Ich sage nur: YOU CAN CALL ME AN ADDICT! Ich hoffe, ich werde davon bald das Video sehen, denn ich möchte wissen, ob es auch im Publikum so gewirkt hat, wie wir uns da oben gefühlt haben.

Jetzt geht es erst einmal zurück ins normale Leben. Ich werde in nächster Zeit viel und hart an mir und meiner Musik arbeiten. Mal sehen, wie es weiter geht...

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