Erst die Rampensau dann das Orchester-Review zur Alchera CD-Release Party powerd by TaktArt
Konzertbericht: CD-Release-Party von ALCHERA am 14. Mai in der Klangstation
Routiniert und überzeugend: LEVIATHAN
Taktart machte wieder ernst. Der Bonner Veranstalter trommelte am 14. Mai seinen Roster zusammen und tischte der schwermetallhungrigen Szene in der Klangstation in Bad Godesberg ein Abendessen auf. Anlaß war der CD-Release von ALCHERA. Die Band "aus dem Niemandsland zwischen Bonn und dem Westerwald" (so auf der Myspace-Seite zu lesen) stellte ihr neues Werk "Era" vor.
Mit dabei waren LEVIATHAN, DEBT OF NATURE und SKUM. Bekannte Gesichter mit bekannten Tönen also, die auch schon letztes Jahr beim Indoor-Festival "Till someone cries" den regionalen Senkrechtstarter SOBER TRUTH unterstützten. The same procedure as last year? Nein, nicht ganz.
Hart und schnell in alten Hallen
Denn "die Klange" ist nicht das Bauhaus. Die Klange ist nahezu altehrwürdig. Wenn auch mittlerweile ein wenig ausgedünnt und – ausgeweidet. Das muß jemand, der einst so manchen Abend seiner fortgeschrittenen Jugend dort verbrachte, einfach mal so nennen dürfen. So viel hat sich verändert, so vieles ist einfach nicht mehr, was und vor allem wie es einmal war... Eins ist aber geblieben: Die Musik. Und die ist nach wie vor laut und derb und gut.
Die Bonner Melodic Deather LEVIATHAN eröffneten den Abend. Sehr ordentlich gaben sie den Takt vor. Dabei showtechnisch ganz und gar nicht eingeschlafen, beinahe schon routiniert. Und unterschätzen ist auch nicht angebracht: Die fünf Jungs standen letztes Jahr schon beim Summer Breeze auf dem Programm. Damit beweisen auch sie, daß progessive Töne der harten Gangart ganz auf der Höhe der Zeit sind. Folgerichtig hatte das Volk Spaß. Und vor der Bühne ging es schon mal gut ab.
Sie leisteten mit guter Musik gute Vorarbeit und bereiteten anständig auf die nächsten Gäste vor. Und die waren keine Geringeren als DEBT OF NATURE, auch schon bekannt aus dem Billing des letzjährigen Troisdorfer Festivals. Und wie schon dort waren sie auch diesmal die mit Abstand härteste Hausnummer auf dem Plan. Und machten ihrem Genre "Thrashing Death/Grind" alle, aber auch wirklich alle Ehre.
Wenn jemand auszieht, die Welt zu zerschreddern
Grind it, Baby! Masae Dausend und...
Das, was die Truppe aus Düsseldorf (..."aus Nordrhein-Westfalen", wie Sänger Marc Göhring zur Ansage brachte) in der Klange auftischte, ließ die vorangegangen Bonner locker mal embryonal aussehen. Waren LEVIATHAN junger Gouda, durften DEBT OF NATURE sich nicht bloß als alten Camembert bezeichnen, sondern als Roquefort. Oder Gorgonzola, extra lange ausgereift. Mit anderen Worten: Dieser Auftritt trat Popo. Aber sowas von!
...Marc Göhring von DEBT OF NATURE
Konzertbericht: ALCHERA CD-Release-Party, Teil 2
Rampensau: Nicola Grgic von SKUM
Konnten SKUM aus Porz das toppen? Schwerlich. Zumindest nicht an diesem Abend. Der so oft als rheinischer "Live-Panzer" betitelte Vierer um die ja schon legendäre Frontsau Nicola Grgic litt aber nicht unter perönlichen Schwächen, sondern unter mieser Abmische, die vor allem die Gitarre schluckte. Die eingängigen melodischen Parts platzten dadurch wie aus dem Nichts ins ansonsten etwas dumpf ausgesteuerte, dafür aber hochklassige Break-your-neck-Geholze. Und das machte sich nicht gerade gut.
Das war schade. Denn SKUM verbreiteten ansonsten wieder einmal gekonnt die nötige Stimmung. Mr. Grgic tobte sich zwischenzeitlich auch mit vollem Körpereinsatz im Circle pit aus, was ja immer einen Hingucker ausmacht. Und Basser Christian Görke lieferte ein 1-A-Solo. Hört man ja so auch nicht alle Tage.
Und wenn Du denkst, es geht nicht mehr...
Sicher an drei Gitarren: Mainact ALCHERA
… kommen doch noch zwei Gitarristen her. Und schon ist die Bühne fast zu klein. Im Klartext: ALCHERA sind zu sechst. Mit drei Gitarren. Das muß so sein, denn das garantiert das, was die Band aus (Zitat) "dem Niemandsland zwischen Bonn und dem Westerwald" in wirklich beeindruckender Art und Weise treffsicher liefert: Schnellen Death Metal, abwechslungsreich, groovig, musikalisch komplex, hochwertig und handgemacht, pardon: handgeschweißt.
Statt Gaffa-geklebtem Banner (das ist auch nicht immer das Gelbe vom Ei...) gab's dazu wirklich eine feine Video-Projektion an der Wand. Das konnte was! Und es räumte sauber auf, was die Herren da auf die Ohren hauten. Aber, das müssen sie sich dann auch sagen lassen: Was ALCHERA musikalisch locker draufhatten, ging ihnen in Sachen Bühnenshow ab. Gerade angesichts der beiden vorangegangenen Support acts.
Erste Sahne: ALCHERAs "Faucher" Marc Prangenberg
Für "Augen zu und mosh dir einen!" perfekt – für "Reißt die Bude ein, Ihr Hunde!" nicht ganz so brauchbar. Denn die Bühnenshow war sehr verhalten. Die Herren sind begnadete Musiker in ihrer Sparte. Das präsentierten sie souverän. Und die teils fauchigen, teils grindenden Vocals machten die ganze Sache zu einem atmosphärisch überzeugenden Leckerbissen. Es fehlte nur ein wenig der Show-Faktor...
Machte das was? Jein. Denn die Nummern gingen sehr gut. Das Album bestand die Live-Feuertaufe mit Bravour. Das Publikum stieg ein, ging mit, feierte die Band ab. Sehr zu Recht! Wirklich sehr zu Recht! Denn es ist einfach klasse Musik: Nichts von der Stange, echter Wiedererkennungswert und handwerklich mehr als sauber. Ein kleiner Wermutstropfen blieb ob des Abzuges in der B-Note trotzdem. Muß leider so gesagt werden.
Summa summarum: Saubere Sache! Viel Spaß gehabt, gut was auf die Ohren bekommen. Der Mischer hatte nicht seinen besten Tag, aber dafür stimmte die Lokalität. Wenn auch ein weinendes Auge da den Blick schweifen ließ angesichts der unleugbar ergrauten guten alten Klangstation... Hach ja.
Operation also gelungen! Warten wir gespannt auf die nächste Release-Party in der Region.
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Autor: David Weiers / Bilder: Martin Scheffler / 23.05.2011
Denn da ist nicht nur Death und Grindcore drin, da ist auch ne Menge wirklich herber Thrash mit in der Tube. Und diese Mischung klatschte alle an die Wand. Apokalypsen-Geschrammel gepaart mit eingängigem Pogo-Rhythmus gab das volle Brett, zimmerte zielsicher auf die Zwölf, mit sichtlich Spaß in den Backen und Grenzeinsatz bis hin zum Gurtriß.
Was zwei Gitarren mit Riffgewitter und Frickel-Soli deluxe vorlegten, untermalten dreckig übersteuerte Baß-Hämmer und gnadenlose Drum-Walzen. Davor Grinder Marc Göhring und seine Kollegin Masae Dausend im Duett – einfach ein Genuß!
Und weil die Herren und die Dame ihre Bühnenpräsenz wie aus dem Hemdsärmel schüttelten, stimmte da auch die Kommunikation mit dem Publikum vom allerersten Ton an. Sehr sympathisch! Sehr gelungen! Sehr schön!
We are amused!
Steigerung möglich? Lest nach in Teil 2!
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