neulich, im orange peel (konzertbericht vom orange peel 16.12.2010)

Artist-News vom 23.12.2010

News Nr. 15 von speedcake, gesamt 17
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nein, die umstände waren wirklich nicht gut. da war zum einen tief „petra“, das der meinung war, ausgerechnet gute drei stunden vor dem konzertbeginn über frankfurt hereinbrechen zu müssen. und, bei meiner seel‘, dieses tief hatte es in sich. als ich mein auto im parkhaus abgestellt hatte und die gut 500 meter zum orange peel lief, peitschte mir der wind die schneeflocken fast senkrecht ins gesicht, und mir wurde klar: heute kommen hier nur die beinharten, „normale“ menschen bleiben fein – zu recht! zu hause. unser bassist axel, ohnehin knapp kalkuliert, sollte planmässig um 18:30 aus berlin mit dem flugzeug landen und dann direkt zum club sausen, aber unter diesen umständen wussten wir nicht, ob der gute überhaupt fliegen würde, oder in berlin steckenblieb. als ich mit den gitarren im orange peel einlief, wusste ich überhaupt nicht, ob das ganze stattfinden würde, und falls ja, wer von den musikern den weg schaffen würde…

und da war der jesse, der besitzer vom orange peel, der aus seiner schlechten laune erst gar keinen hehl machte. die aussicht, zehn durstige musiker mit getränken zu versorgen, ohne mit entsprechenden einnahmen von zahlenden kunden rechnen zu können, dürfte sein übriges getan haben. also stellte er uns allen eine (!) flasche wasser hin, und erwartete, dass wir das im wahrsten sinne des wortes „schlucken“ würden…aber was soll ich sagen: speedcake sind auch fähig, sich in die lage eines veranstalters hineinversetzen zu können, und entsprechend zu reagieren. also haben wir einfach erst im restaurant nebenan ein paar biere gekauft, und später, als schliesslich die kasse auch auftauchte, vor ort. scheiss auf freigetränke, i just wanna party!

einen grossen anteil am happy end des heutigen abends hatten die lions band. vier äusserst sympathische menschen, die die richtige einstellung mitbrachten: sie freuten sich einfach, auf der bühne zu stehen und ihre stücke zu spielen. so soll es sein! speedcake teilen diese einstellung unter allen umständen. also kippte die stimmung ins positive, jeder ankommende gast (es sollten am ende immerhin etwa zehn leute sein) wurde gefeiert und wie ein alter freund begrüsst, es war fast wie bei einer privat-party. um etwa 20:30 rief dann axel an und fragte nach der showtime: 22:00 Uhr ungefähr. schafft er. bestens!

erster heute sind die lions band, zwei damen an den akustikgitarren und gesang, zwei herren am akustikbass und cajun. und spielen feinen akustik (ach!) indie pop. nach gefühlten fünfundzwanzig minuten wollten sie schon von der bühne, aber das geht natürlich nicht, also wurden ihnen zugaben abgerungen. mangels programm wurden dann einfach einige stücke doppelt gespielt. eins fand ich besonders bemerkenswert: im programm war auch das allererste stück, welches jen, die songwriterin jemals geschrieben hatte. mein allererstes stück kam noch nie zur aufführung, und ich glaube das ist auch besser so: es entstand, nachdem meine biolehrerin mir NULL punkte im zeugnis gegeben hatte und damit fast meine abi-zulassung gefährdet hatte. gut, ich war nicht der allerfliessigste schüler, aber schriftlich kam ich schon auf satte drei, vier punkte, und im unterricht war ich immerhin anwesend – demnach eine himmelschreiende ungerechtigkeit. und wie gehen sensible künstlertypen damit um? sie schrieben punk songs. und dieser, mein allererster song, hatte den refrain „b., halb tier halb frau, du biologische null-punkte-sau“ hehehe. ich bin ziemlich sicher, dass dieser song auch weiterhin vergeblich auf seine live-vorführung warten wird…

jetzt waren eure devoten gitarrensklaven (genau: speedcake!) an der reihe. die damen der lions bereicherten unsere stücke mit sympathy-for-the-devil-gedächtnis-chören, und überhaupt machte es in der wunderbaren stimmung sehr viel spass zu spielen. mitten im set gab es eine kleine sensation: bei „truth about you“ übergab axel mir den bass und sang „freihändig“, ohne instrument! „na und?“ mögen jetzt welche sagen, aber denen rate ich, fein den schnabel zu halten, denn: das macht der kerl sonst NIE. NIE. N.I.E. bei keiner probe, und erst recht nicht bei einem konzert! heute aber wohl, und dies war sicherlich auch der gelösten stimmung geschuldet. ich habe in seine augen geschaut als er da stand und sang, und lasse dir gesagt sein: das war vielleicht nicht das letzte mal, das er das tat…

zum schluss spielte sean yox. ein sehr interessanter typ, der auch mal bei einem sportfreunde stiller-konzert sich zusammen mit dem peter von gig mcfish vor die festhalle hinstellt und gitarre spielt und flyer verteilt. heute steht er zusammen nur mit einem keyboarder, und das praktisch ungeprobt auf der bühne. der keyboarder schielt auf die akkorde, die sean auf seiner 12-saitigen mit einem miniverstärker spielt , und improvisiert dazu. was jetzt vielleicht seltsam klingt war aber erstaunlich rund, und auch erstaunlich ist, dass er seinen grössten hit „james bond of rock’n’roll“ nicht spielt. oder habe ich den nur nicht erkannt, wegen neuen arrangement mit gitarre und keyboard?

also, trotz der widrigen umstände war das ein schöner abend. danke an alle anwesenden, und viel, viel respekt.

so war das am 16. Dezember im orange peel, und ich flehe dich an: glaube mir bitte!

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