Ausverkaufte Konzerte in ganz Deutschland, begeisterte Kritiker, frenetisch feierndes Publikum – was nach großer Besetzung und viel Technik klingt, können Timo Gross und Richie Arndt auch alleine. Denn dies ist die Bilanz ihres Akustikprojekts „The Vineyard Sessions“, mit dem sie im Winter 2009/2010 unterwegs waren. Nun gibt es eine Fortsetzung. Auf dem 2009 bei Fuego veröffentlichten Album war Gregor Hilden als dritter Mann zu hören, und auch für Volume II haben sich die beiden Sänger und Gitarristen eine Größe der deutschen und internationalen Musikgeschichte ins Boot geholt: den ehemaligen Lake-Gitarristen Alex Conti. Mit ihm gehen sie erneut auf eine Reise durch die abwechslungsreichen Formen des Blues, streifen Rock und Country und verbinden alles zu einer außergewöhnlichen Mischung – getragen allein von drei Akustikgitarren, virtuosem Können und langjähriger Erfahrung.
Im August treffen sich die drei Musiker für die Aufnahmen – wieder soll das Album live und ohne Overdubs eingespielt werden, um die Energie des direkten Zusammenspiels einzufangen; zum Einsatz kommen allein Western-, Konzert- und Resonatorgitarren. Timo Gross stellt erneut sein Studio und Equipment zur Verfügung: in entspannter Atmosphäre mit Blick auf die südpfälzischen Weinberge, die sinngebend für den Titel „The Vineyard Sessions“ sind.
Dass mit Alex Conti ein Top-Gitarrist der internationalen Musikszene den dritten Platz einnimmt, ist stringent. Denn in seinem Konzept und seiner Umsetzung ist das Projekt von Timo Gross und Richie Arndt ebenso anspruchsvoll wie erfolgreich. Conti, geboren 1952 in Berlin, machte schon in den 70er Jahren von sich Reden. Mit der deutschen Nummer-1-Rockband Atlantis tourte er im Vorprogamm von Aerosmith durch die USA und spielte vor Lynard Skynard, bevor er 1975 bei Lake einstieg. Mit ihr veröffentliche er das gleichnamige Album „Lake“ und ging unter anderem mit Wishbone Ash auf Europa-Tournee. Weitere erfolgreiche CDs brachten den E-Gitarristen erneut in die USA, wo er auf Festivals mit Größen wie Bob Dylan, Eric Clapton und Genesis spielte.
Nach einer kurzen Auszeit in den 80ern meldete sich Conti zurück – mit seinem ersten Soloalbum, gereift in all den Facetten seiner Erfahrungen im großen Musikgeschäft. Hatte er bereits zu Lake-Zeiten als Songschreiber von sich reden gemacht, so verblüfft er mit „Conti“ (1981) und „Continued“ (1984) Kritiker wie Fans gleichermaßen. Der Gitarrist und Sänger präsentiert sich mit seiner eigenen Musik und Band befreit und unabhängig – ohne sein virtuoses Spiel einzubüßen. Unzählige Konzerte und Tourneen geben ihm Recht. Die Fachpresse ist begeistert.
Während der ganzen Zeit bleibt Conti ebenso rührig wie vielseitig. Ob im Heavy-Rock-Trio Rosebud (1989), bei der Hamburg Blues Band (1990) oder mit Inga Rumpf im Power-Quartet Rockship (1996) – der „wohl am meisten unterschätzte Musiker Deutschlands“ (Siegfried Schmidt-Joos) ist nicht zu bremsen. 2003 gründet sich Lake neu. Natürlich mit ihrem Gitarristen Conti: 2010 ist er zum dritten Mal mit Lynard Skynard auf Tournee.
Nun geht Alex Conti mit „The Vineyard Sessions II“ neue Wege – wie vergangenes Jahr seine Kollegen Timo Gross und Richie Arndt. Denn auch für ihn war die Akustikgitarre bislang eher Zweitinstrument, wenn auch keineswegs ungeliebt. Sich in dem Projekt allein auf sein Können und sein Gefühl für die Musik zu verlassen, ist eine Herausforderung. Kann sich der weltweit gefeierte Gitarrist dabei doch wiederum von einer völlig neuen Seite zeigen. Virtuos, einfallsreich und authentisch wie immer.
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